Sonst liefert er Gags fürs SRF
Für einmal schreibt Domenico Blass so gar nicht lustig

Gehts um Gags, Witze und Pointen im TV oder Theater, gilt Domenico Blass als Garant für Lacher. Jetzt hat der Drehbuchautor einen er(n)sten Roman geschrieben – und darin gehts um die Zumutung des Weiterlebens.
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Ein Wort(er)finder: Domenico Blass ist so eine Art Daniel Düsentrieb für Geschriebenes. Die Lampe erinnert an das Helferlein der berühmten Comicfigur.
Foto: David Biedert

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Domenico Blass veröffentlicht Roman «Freier Fall» im März 2026 in Zürich
  • Roman thematisiert Familiendrama nach Basejump-Unfall der Tochter
  • Vier Jahre Arbeit: 456 Seiten ohne externes Feedback geschrieben
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René Haenig
Schweizer Illustrierte

Sein erstes Buch schrieb und illustrierte Domenico Blass (59) im Kindergarten. «Das Buch gibts noch, es ist so ein Cartoon.» Als Bub träumte er nie davon, Feuerwehrmann zu werden, auch nicht Pilot; er war als Kind eher ängstlich. «Rockstar wäre vielleicht was gewesen, aber da fehlte mir das Rhythmusgefühl.» Blass wollte immer nur eines: schreiben. Seit er 14 war, führt er Tagebuch, seit einiger Zeit elektronisch. Während neun Jahren schrieb Blass Pointen für die Kult-Satiresendung «Giacobbo/Müller», er war Co-Autor der Kinokomödie «Ernstfall in Havanna», brachte das Erfolgsmusical «Io senza te» auf die Bühne und gilt seit über 30 Jahren mit seinen Gags und Witzen als Garant für Lacher, aktuell in der SRF-Show «Late Night Switzerland» mit Stefan Büsser.

Als Schreiber ist Blass so etwas wie eine Mischung aus Feuerwehrmann, Pilot und Rockstar. Mit Scharfsinn, Schlagfertigkeit und Witz kreiert er Wortspielereien und feilt an Sätzen, mit denen Kabarettisten wie Walter Andreas Müller oder SRF-Moderator Stefan Büsser zu Höhenflügen auf der Bühne oder im TV ansetzen und Applaus kassieren, während er im Publikum sitzt und zu ihnen aufschaut. Blass macht das nichts aus. Er sieht sich selbst bescheiden als «hoch disziplinierte Schreibmaschine». Als solche liefert er, was gewünscht ist.

Statt Gags gibts bei ihm jetzt Krise

Dass Domenico Blass einen Roman geschrieben hat, ist weder sein Traum gewesen, noch hat er den Stoff seit Jahren in der Schublade liegen gehabt. «Ich interessierte mich einfach für das Thema und merkte, dass ich daraus weder ein Drehbuch noch etwas Lustiges machen kann.» In seinem Erstling als Romanautor geht es um ein Paar – sie Fernsehproduzentin, er Linienpilot –, das kurz vor der Scheidung steht. Als die erwachsene Tochter nach einem misslungenen Basejump zur Tetraplegikerin wird, ändert sich das Leben der Familie dramatisch. In «Freier Fall» erzählt Blass nicht nur die Geschichte einer Ehe- und Lebenskrise, sondern gewährt auch tiefe Einblicke in eine extreme Belastungsprobe.

Die Erste, die er ins Romanvorhaben einweihte, war seine Ehefrau. Mit Esther (57) ist Blass seit bald 40 Jahren zusammen, sie lernten sich 1987 in einer Werbeagentur kennen, wo beide arbeiteten. «Ich erzählte ihr den Plot, als wir auf dem Weg zu einer Einladung bei Freunden waren. Wir spazierten durch den Wald, es war wunderschön, und kurz bevor wir an unserem Ziel waren, fragte ich sie, ob sie es gut fände, wenn ich die Geschichte zu einem Roman verarbeiten würde. Sie sagte nur: Das ist super!»

Der Autodidakt ohne Diplom

Blass, der nach dem Gymnasium keine weitere Ausbildung absolvierte, aber ein Diplom als Werbeassistent SAWI in der Tasche hat, «von dem keiner weiss», sagt von sich: «Ich bin ein kompletter Autodidakt!» Er hätte in Berlin und München eine Schule für Drehbuchautoren besuchen oder in Zürich Germanistik studieren können, beides hatte er kurz auf dem Radar, aber rasch verworfen. «Ich bin Praktiker!» Sein Motto lautet seit je: Learning by Doing. Woher seine Leidenschaft für das Schreiben kommt, weiss er nicht so recht. Den Humor aber habe er vom Vater. Der sei als Gymi-Lehrer gleichermassen beliebt wie gefürchtet gewesen, ein begnadeter Entertainer und bis heute ein lustiger Redner. Er ist inzwischen 94. «Wenn man an unserem Familientisch jemanden zum Lachen bringen konnte, war das immer gut.»

Als Zehnjähriger spielte Domenico mit zwei Primarschul-Gspänli im Keller des Elternhauses die «Muppet Show» nach; Zuschauer bezahlten für den Spass 20 Rappen Eintritt. Humor sei ein Ventil. Es schaffe menschliche Nähe, aber auch Distanz zu Dingen, die einen belasten würden. Er finde es etwas vom Wichtigsten, dass man lachen könne. «Ich bin sehr glücklich als Unterhaltungsfuzzi.»

Glücksmomente erlebte Blass auch beim Schreiben der 456 Seiten seines Romans. Vier Jahre arbeitete er daran, strich Passagen, verbesserte Absätze, feilte an Sätzen, sinnierte und formulierte. Es sei ein völlig neues Erlebnis gewesen: Erstens, weil ihm keiner reinredete, wie er es sonst als Drehbuchautor erlebt, wo Geldgeber, Produzenten, Regisseure und Darstellende ihre Meinungen zur Handlung nicht nur äussern, sondern auch berücksichtigt haben wollen. Zweitens sei es hart, keinerlei Feedback von irgendwem zu bekommen. «Du hast keine Ahnung, ob du dich nicht vielleicht total verrennst. Das ist anstrengend, und ich musste mich immer wieder aufs Neue motivieren und mir wie ein Mantra sagen: Es ist gut, es ist gut, mach weiter!»

Ende März feiert Blass’ Romandebüt Premiere im Zürcher Kaufleuten. Dort, wo sonst mit «Late Night Switzerland» die Sonntagabend-Show des SRF live über die Bühne geht. Für Domenico Blass wird es ganz sicher ein sehr besonderer Abend. «Er, der sonst im Hintergrund wirkt, steht plötzlich im Rampenlicht. Statt versteckt im Publikum zu sitzen und auf die Bühne hinaufzublicken, «wie ichs gewohnt bin», wird das Publikum zu ihm aufblicken. Es könnten Tränen fliessen bei ihm – vor Rührung. «Ich bin nah am Wasser gebaut.» Aber das macht nichts! Selbst Rockstars wie Brian May von Queen oder Ed Sheeran haben schon auf der Bühne geweint.

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