«Sie spüren, wenn ein Sturm naht»
Familie Schwörer segelt seit 25 Jahren um die Welt

Seit 25 Jahren segeln Sabine und Dario Schwörer um die Welt. Für ihre sechs Kinder bedeutet das: Sie sind überall zu Hause.
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Für ihren neuen Film begleitet sie die Familie Schwörer auf hoher See.
Foto: (c) Mike Krishnatreya

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Sabine und Dario Schörer führten 25 Jahre eine globale Klimaexpedition
  • Kinder sammelten über 85 Tonnen Abfall und stärkten Umweltbewusstsein
  • Heute arbeitet Dario in Norwegen, Sabine in einem Altersheim
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Miriam Zollinger
Tele

Angesichts schmelzender Gletscher werden im Jahr 2000 Sabine und Dario Schwörer aktiv: Sie lancieren eine globale Klimaexpedition. Bei der Suche nach Lösungen wollen sie in ihrem Projekt vor allem jene einbinden, die der Wandel am meisten betrifft: die Jungen. Also suchen sie den Austausch mit Schulkindern weltweit.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Finanziert wird das durch Referate oder durch das Sammeln wissenschaftlicher Daten an Orten, wo man nur via Schiff hingelangt. Aus angedachten vier werden schliesslich 25 Jahre. In der Zwischenzeit ist Sabine 50, Dario 57. Livia Vonaesch segelte für ihren Film sieben Jahre lang etappenweise mit und legte dabei den Fokus auf die sechs Kinder des Paares. «Ich wollte grössere Fragen aufwerfen: Was bedeutet eine Kindheit mitten auf dem Ozean? Wie ist es, sie loszulassen? Wie geht man mit ihren Bedürfnissen um?»

TELE: Eine Frage wäre auch die nach der Privatsphäre auf nur 20 m2 Wohnfläche.
Livia Vonaesch: Das war nur für mich gewöhnungsbedürftig. Ich arbeitete mit reduziertem Equipment, doch wenn alle assen, konnte ich mich im Cockpit nicht mehr bewegen (lacht). Wir sprachen oft über unsere Beziehung, denn für mich galt es beim Filmen ja, eine mentale Distanz zu wahren.

Für Pubertierende war diese Enge sicher schwierig, oder?
Salina, die Älteste, zog sich oft auf den Schiffsbug oder auf ihr Bett zurück, diese Orte sind dann für die anderen tabu. Doch sobald sie irgendwo anlegen, haben sie viele Freiheiten …

DCX STORY: doc855qo4spiox15goxwbcz [Info]

… und wirken sehr neugierig.
Ja, wir kannten innert Kürze alle Leute, weil sie zu jedem hingehen. So sind sie auch bestens informiert, was auf der Welt läuft. Ich habe gestaunt, wie viel sie wissen. Ein Vorwurf lautet, sie seien total isoliert. Im Gegenteil, sie holen sich extrem viel, wenn sie an Land sind!

Trotzdem, man könnte sagen, das sei ein Ego-Projekt.
Das hört das Paar ab und zu. Ja, sie leben so und exponieren sich. Ihre Kinder können deswegen etwa keinem Verein beitreten oder müssen sich von Freundinnen und Freunden immer wieder verabschieden. Umgekehrt haben sie aber ganz vieles, was andere nie erleben.

Die Kinder halten z. B. Nachtwache auf offenem Meer.
So haben sie fortlaufend Erfolgserlebnisse, für die Entwicklung des Selbstbewusstseins etwas vom Wichtigsten. Beide Eltern schauen, dass die Kinder etwas daraus mitnehmen, was sie stark macht.

Das Elternpaar hat eine klare Rollenverteilung, oder?
Gewisse Entscheide fällt er, andere sie. Aber das System auf einem Schiff ist hierarchisch, wenn ein Sturm aufkommt, muss eine Person entscheiden, was zu tun ist.

Immer im Fokus: das Wetter.
Sie haben ganz andere Sensoren, spüren viel rascher, wenn etwa ein Sturm naht. Umgekehrt wurde Dario mal fast vom Tram überfahren, weil er es nicht hörte. Sie haben übrigens einen ganz anderen Kälte-Wärme-Haushalt, sind auch bei Temperaturen um null Grad oft barfuss – und doch fast nie krank.

Reden wir noch über das Projekt, es hat sich verändert.
Vor 25 Jahren sprach noch keiner von Klimawandel, sie waren Pioniere. Damals gings um Awareness, um Bewusstsein. Heute sind mehr öffentlichkeitswirksame Umweltaktionen angesagt, indem sie etwa mit Schulkindern Abfall sammeln.

Bis jetzt über 85 Tonnen!
Am wichtigsten ist ihnen, dass die Kinder die Natur wieder spüren, dass sie eine Verbindung zu ihr aufbauen und ihr Sorge tragen.

Wie läuft das Fundraising?
Die Finanzierung ist eine ständige Herausforderung. Sie müssen viel dafür tun und können sich dann während dieser Zeit nicht um das laufende Projekt kümmern. Darum arbeiten sie auch immer wieder in ihren ursprünglichen Berufen. Aktuell leitet Dario als Bergführer Skitouren in Norwegen, Sabine arbeitet in einem Altersheim.

Und wie sehen sie die Zukunft?
Das fragte ich sie immer wieder, doch sie leben sehr im Moment, schauen vorzu. Sabine träumt davon, mit ihren Enkeln surfen zu gehen – falls es mal solche gibt.

Diese Lebensform hat zeitliche Grenzen, rein körperlich.
Wenn sie irgendwann nicht mehr segeln können, werden sie sich umorientieren. Sie sind extrem anpassungsfähig und lieben den Norden. Aber einfach wird es ihnen wahrscheinlich nicht fallen.

Sie haben Familie Schwörer von 2016 bis 2023 filmisch begleitet. Wie geht es den sechs Kindern heute und was machen sie?
Salina ist 21 und hat nach der Matur ein Zwischenjahr eingelegt. Nun überlegt sie, was sie studieren will. Andri (20) macht jetzt dann die Matur. Noé (17) hat in Norwegen ein Schiff übernommen und es im letzten Sommer restauriert. Und Alegra (16) besucht die Sportmittelschule in Engelberg OW.

Also sind nur noch die zwei Jüngsten mit auf dem Schiff.
Ja, die elfjährige Mia und der neunjährige Vital. Aber letztes Jahr haben alle zusammen eine Expedition gemacht: die vier älteren Geschwister auf dem einen Schiff, der Rest der Familie auf dem anderen. 

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