Darum gehts
- Mario Torriani und Tochter Emilia stöbern in Schallplatten in Zürich
- Emilia ist seit über 14 Jahren Jingle-Stimme von «ABC SRF 3»
- Mario feiert 70 gemeinsame Lebensjahre mit Emilia im August 2026
Zürich liegt unter einer weissen Decke. Der Schnee dämpft den Lärm der Stadt und wirkt entschleunigend. Derweil suchen sich leuchtend rote Finger, noch deutlich von der Kälte gezeichnet, durch unzählige Schallplatten. Cover um Cover wandert durch die Hände von Mario Torriani (49). «Papi, lueg mal», ruft Emilia (19) und hält eine Vinylscheibe in die Luft. Lana del Rey blickt selbstsicher vom Titel. «Guter Fund», meint der «Schweiz aktuell»-Moderator, ehe er seine Entdeckung präsentiert: «Das hier ist ein Klassiker, der in jede Sammlung gehört.» Das ikonische Baby schwebt auf dem Nirvana-Album «Nevermind» durch kristallblaues Wasser.
Beim Stöbern drängt sich die Frage auf, welche Musik die beiden ihren Gästen vorspielen wollen. Mario wird in wenigen Tagen 50, Emilia im Sommer 20. «Zusammen werden wir mit Familie und Freunden in einer schönen Bar siebzig Lebensjahre feiern», erklärt der Berner mit spitzbübischem Grinsen. Das Fest sei aber erst für den August angesetzt. «Jetzt würde es weniger Spass machen, alle sind im Dry January», witzelt er und fährt fort: «Für den Geburtstag brauchen wir Songs, zu denen man gut tanzen kann. 80er, 90er. Das funktioniert immer.» Emilia nickt, schiebt aber nach: «Party-Tunes aus den Nullerjahren müssen auch auf die Playlist. Und aktuelle Hits!»
Die Begeisterung für Musik hat die Schülerin, die derzeit ein Praktikum als Social-Media-Managerin bei einem Schweizer Label macht, definitiv von ihrem Vater. «Bei uns daheim läuft seit jeher Radio», sagt sie. In einer Welt, die immer digitaler wird, schätzen beide das Haptische. «Eine Schallplatte ist etwas Bleibendes. Man hält etwas in den Händen von den Artists, die man mag», so Emilia. Noch lieber stehen sie gemeinsam vor einer Bühne, wie im vergangenen Jahr am British-Summer-Time-Festival im Londoner Hyde Park. «Da konnte ich beweisen, dass ich noch nicht alt bin», scherzt der zweifache Vater. «Ich habe Emilia für zwei Songs auf die Schultern genommen.»
Gelassen die Reife geniessen
Mario Torriani fürchtet sich nicht vor dem Alter – ganz im Gegenteil. «Ich habe sehr lange sehr jung ausgesehen. Heute blicke ich in den Spiegel und sehe hier und da ein Fältchen. Und am Morgen, wenn ich aufstehe, brauche ich einen Moment, um warmzulaufen. Das ist aber in Ordnung so. Inzwischen weiss ich, dass ich weder mir noch anderen etwas beweisen muss.» Mit einem Augenzwinkern betont er: «Ich verspüre bisher keine Midlife-Crisis. Ich habe mir weder ein Rennvelo zugelegt noch mich für einen Marathon angemeldet. Ich übe mich in Gelassenheit.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Entsprechend gemächlich nimmt er den Heimweg durch verschneite Strassen nach Zürich Wiedikon auf sich. Im schmucken Genossenschaftshäuschen ist es still. Gattin Anna (47) ist gerade beim Sport, der Jüngste, Giacomo (16) bevorzugt als Teenager Ruhe im Zimmer. Mario macht sich einen Espresso, Emilia wünscht einen Tee. Am grossen Holz-Esstisch, an dem sonst lautstark das Familienleben stattfindet, vertieft sich der TV-Mann in die Tageszeitung, während seine Tochter für die Arbeit ein Video schneidet.
Nachdenklich blickt Mario über den Rand der grossen Seiten und kommentiert: «Früher war ich abends oft der Letzte, der nach der Arbeit daheim war. Mittlerweile sind es die Kinder, die später zu Hause eintrudeln.» Wie schnell die Zeit vergangen ist, merke er vor allem an solchen Alltagssituationen und weniger an sich selbst. «Anna und ich haben alles daran gesetzt, Giacomo und Emilia so zu erziehen, dass sie selbstständig und mit Haltung durchs Leben schreiten. Nun erschrecke ich, wenn ich merke, dass es längst so weit ist.»
Mühe, die Kinder ziehen zu lassen, hat der SRF-Mann nur bedingt. «Der Trennungsprozess beginnt quasi direkt nach der Geburt. Zuerst schaut man lange, dass es den kleinen Wesen an nichts fehlt, dann kommen Kindergarten und Schule. Die ersten Beziehungen und separate Ferien. Das schafft Zeit, sich Stück für Stück abzunabeln – auf beiden Seiten. Und trotzdem, ganz einfach wird es nicht.» Es seien sowohl Lebensumstände als auch der Alltag, die neu orchestriert werden müssen. «Das gehört dazu. Gleichzeitig wird es uns als Paar neue Möglichkeiten bieten, zum Beispiel für Reisen», meint er.
In Papas Fussstapfen?
Vertrauen und persönliche Freiräume gehörten im Hause Torriani schon immer dazu. Druck und Zwang haben im Familienalltag keinen Platz. «Wir durften machen, was uns Freude bereitet, mit einer Regel: Nichts machen geht nicht», erzählt Emilia. «Durch die offene Haltung haben weder ich noch Giacomo jemals eine Antihaltung gegenüber unseren Eltern entwickelt. Es hat uns viel eher zusammengeschweisst.» – «So bin ich auch aufgewachsen», sagt Mario. «Meine Eltern waren ziemlich easy und haben nie gefordert – weder schulisch noch beruflich. Wichtig war nur, dass Abmachungen eingehalten wurden. Das versuche ich weiterzugeben.»
Seine Medienkarriere startet Torriani beim Bieler Lokalradio. In den 90er-Jahren folgt der Wechsel zu Roger Schawinskis Radio 24 und Tele24, ehe es ihn kurz vor der Jahrtausendwende zu Radio DRS und dem Schweizer Fernsehen zieht. Dort hat er diverse Moderationsrollen inne, unter anderem bei der Sendung «Einstein» und als Moderator der «Hitparade». Zwischenzeitlich schreibt er als Ghostwriter auch Texte für Michelle Hunziker und ihre Sendung «Cinderella». «Damals suchten sie jemanden, der auf Berndeutsch schreibt», erinnert er sich. «Das Beste daran war, dass ich dort meine Frau Anna kennengelernt habe.» Seit über 25 Jahren sind sie ein Paar.
Einen Vater zu haben, der in der Öffentlichkeit steht, ist für Emilia «ganz normal». Angesprochen werde er meist in den Ferien, sagt sie, sonst seien es Blicke, die sie als Familie spürten.
Ob sie in die Fussstapfen ihres Vaters treten will, lässt sie offen. «Fernsehen und Radio sind spannend, allgemein die Medien. Da ich aber vor allem Musik mag, fokussiere ich mich zuerst auf mein Praktikum und schaue, was die Zukunft bringt.» – «Dass sie am Mikrofon ein Talent ist, hat Emilia längst bewiesen», ergänzt Mario. «Seit über 14 Jahren ist sie täglich zu hören: Sie ist die Jingle-Stimme von ‹ABC SRF 3›!» Leicht verlegen zieht sich die bald 20-Jährige in ihr Zimmer zurück und legt eine der neu gekauften Platten auf. Die Nadel senkt sich, ein leises Knistern, dann ertönt «Felt Good About You» von Gracie Abrams.