Roger Elsener wird neuer SRF-Direktor
Wer ist der Mann, der Wapplers Nachfolge antritt?

Jetzt ist es fix: Der Zattoo-CEO Roger Elsener tritt die Nachfolge von SRF-Chefin Nathalie Wappler an. Wer ist der Mann? Welches sind seine Qualitäten? Und was kommt auf ihn zu? Blick liefert eine Auslegeordnung.
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Roger Elsener wird neuer SRF-Direktor.
Foto: Thomas Buchwalder

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Roger Elsener übernimmt von Nathalie Wappler das Amt des SRF-Chefs
  • Er war bisher CEO bei Zattoo und zuvor über zehn Jahre bei CH Media
  • Er gilt als zahlenorientierter Macher, der auch harte Entscheide fällen kann
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Jean-Claude GalliRedaktor People

Was das Zürcher Online-Medium «Republik» bereits am vergangenen Abstimmungssonntag vom 8. März basierend auf Hintergrundinformationen vermeldete, ist seit heute Gewissheit: Roger Elsener (49) wird Nachfolger der Ende April abtretenden SRF-Chefin Nathalie Wappler (58).

Elsener ist seit Oktober 2024 CEO des Internet-TV-Streaming-Anbieters Zattoo. Er stammt aus dem Kanton Zug und studierte Kommunikationswissenschaft. 2003 schloss er sein Studium an der Uni Zürich mit einem Master in Medienökonomie ab.

Vor seiner Zattoo-Zeit war er über zehn Jahre bei CH Media für die elektronischen Medien verantwortlich. Davor arbeitete er von 2012 bis 2013 als COO des Privatsenders 3+, den CH Media 2019 kaufte und der mit Formaten wie «Bauer, ledig, sucht» oder «Bachelor» bekannt wurde.

Name schon im Vorfeld genannt

Elsener ist eine externe und mutige Lösung. Seine Wahl ist auch insofern überraschend, da er aus dem Unterhaltungsbereich und nicht von den wichtigen SRF-Bereichen Information oder Sport kommt. Der Fakt, dass sein Name so kurz nach dem 8. März verkündet wird, deutet darauf hin, dass die Würfel schon länger zu seinen Gunsten gefallen sind und man ihn bei der SRG auch losgelöst von einem allfälligen negativen Wahlergebnis wollte.

Denn im Hinblick auf die Zukunft zählt vor allem, dass Elsener ein ausgewiesener Digitalmedienexperte ist. Er wurde in der Vergangenheit auch von Blick regelmässig als gute Option ins Spiel gebracht, wenn es bei der SRG um Chefposten ging – auch bei der Nachfolge von SRG-Direktor Gilles Marchand (64). Zur neuen SRG-Chefin Susanne Wille (51) hat er dem Vernehmen nach bereits länger einen guten Draht.

Elsener gilt gemäss Informationen von Blick als wohlüberlegter Stratege und als zahlenorientiert. Einen verklärten Blick auf die Vergangenheit suche man bei ihm vergebens und er könne auch harte Entscheidungen fällen und konsequent durchziehen. Er sei selber kein Programmtüftler, könne aber sehr rasch das Potential von Formaten erkennen.

Und er sei risikofreudig und fürchte sich nicht vor neuen Allianzen. Als Beispiel sei der 2023 erschienene Spielfilm «Early Birds» von Michael Steiner (56) als erste Schweizer Co-Produktion von CH Media mit dem US-Streaming-Riesen Netflix genannt.

Holt Elsener den Samstagabend zurück?

Der frühere SRF-Wirtschaftsmoderator Reto Lipp (65) sagte am 9. März in einem Interview im «Tages-Anzeiger», die SRG habe in den letzten Jahren «zu wenig gewagt und ausprobiert». Es habe nicht genug neue Sendungen und spannende Formate gegeben, «aus Angst, dass die politische Rechte und gewisse Journalisten die SRG jedes Mal mit Vorwürfen überhäufen, wenn sich einmal etwas als Flop herausstellt».

Tatsächlich gibt es in diesem Bereich Handlungsbedarf. Zuletzt hat sich SRF gerade im Unterhaltungsbereich auffällig aus entscheidenden Bereichen und Sendeflächen wie dem Samstagabend zurückgezogen.

Gegen die Qualitäten von Komiker Claudio Zuccolini (55) als Moderator ist nichts zu sagen. Aber die vor zwei Jahren neulancierte Show «Wie tickt die Schweiz?» ist vor allem günstig. Und SRF-Rückkehrer Nik Hartmann (53) mit «Happy Day» allein wird es auch nicht reissen können.

Offenbar setzte sich Roger Elsener zuletzt gegen Anita Richner (59) durch. Die Angebotsverantwortliche Reportagen & Talk bei SRF kam in die Schlagzeilen, weil man ihre allfällige Ernennung – sie ist mit «Nebelspalter»-Chefredaktor Markus Somm (60) verheiratet – als «Bückling» gegenüber jenen rechtsbürgerlichen Kreisen taxiert habe, die auch für die Halbierungsinitiative verantwortlich zeichneten.

Als Favoriten genannt wurden in jüngster Zeit zudem Beat Soltermann (53), Co-Chefredaktor Audio/Digital bei SRF, und Urs Leuthard (63), SRF-Redaktionsleiter Bundeshaus. Elseners Chancen waren zwar wie erwähnt immer intakt, doch gab es stets auch Fragezeichen.

Lohnvorstellungen und Karriereplan

So schrieb 2025 das Branchenmagazin «Schweizer Journalist:in» zur Wappler-Nachfolge: «Roger Elsener wäre eine revolutionäre Bestellung, es müssten SRF-intern aber viele sehr weit über den eigenen Schatten springen. Wird letztlich nicht notwendig sein, weil Gehaltsvorstellungen und persönlicher Karriereplan dagegensprechen.»

Nun haben sich die Parteien offenbar trotzdem gefunden, auch lohnmässig. Zur Einordnung: Nathalie Wappler verdiente gemäss verschiedenen Medienberichten jährlich ungefähr 450'000 Franken.

Im Zusammenhang mit Elseners Vorgängerin sollte ein wichtiger Punkt nicht unerwähnt bleiben. Der SRG-Verwaltungsrat mit Präsident Jean-Michel Cina (62) hat nun nicht nur einen neuen SRF-Direktor gewählt, sondern mit Moritz Stadler (40) und Nicolas Pernet (46) auch die Leiter der neuen Abteilungen Operationen sowie Angebot und Distribution.

Zweitere umfasst künftig alle Fiktions- und Sportsendungen, nicht nur bei SRF, sondern auch bei RTS, RSI und RTR. Diese neue Struktur gab Susanne Wille im November 2025 bekannt.

Roger Elsener hat dadurch «nur» noch die deutschsprachigen Inhalte in den Bereichen Information, Gesellschaft und Wissen, Kultur und Unterhaltung unter sich. Das schmälert den Einfluss seines Postens bei der SRG und wirkt sich auch auf die Finanzmittel aus.

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