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Schreckmoment für Peach Weber:«Ich wusste mitten im Satz nicht, wie er weitergeht»

Peach Weber über Abschieds-Auftritte
«Ich rechne mit etlichen freien Plätzen»

Mit drei grossen Hallenstadion-Auftritten will sich Peach Weber an seinem 75. Geburtstag in knapp einem Jahr von der Bühne verabschieden. Meint er das wirklich ernst?
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Peach Weber wird in einem Jahr kürzertreten.
Foto: Lucia Hunziker / Lucia Hunziker / Ringier Schweiz

Darum gehts

  • Peach Weber will 2027 mit drei Hallenstadion-Shows abtreten
  • Eine Tour schliesst er aus; geplant ist ein Best-of
  • Der Erlös wird gespendet, Klima und Weltlage beschäftigen ihn
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Michel ImhofTeamlead People

Peach Weber (74) wird zum Weltrekordhalter! Tritt der Komiker am 15. Oktober 2027 im Zürcher Hallenstadion auf, endet der längste Vorverkauf der Welt. Bereits 2008 kündigte er diesen Abschied an. Mit Blick spricht er über sein letztes Arbeitsjahr, den Ruhestand und die aktuelle Weltlage.

Blick: Wie ernst ist es Ihnen mit dem Bühnen-Abschied?

Peach Weber: Zumindest so ernst, dass ich sicher keine Tour und kein neues Programm machen werde. Wenn aber ein Dorffest oder ein Benefiz-Anlass anfragt, schaue ich mir das an. Die Tour ist das, was in meinem Alter anstrengend wird. Aber ich weiss auch, dass es mir am besten tut, wenn ich immer etwas mache.

Wie läuft das im Hallenstadion mit den ganz alten Tickets?

Das ist mir wurst, das ist die Sache von Ticketcorner, die das Ganze begleitet haben und diese irre Aktion mittragen. Ich rechne beim ersten Auftritt, den wir 2008 angesagt haben, allerdings mit etlichen freien Plätzen. 10'500 haben wir verkauft, am Ende rechne ich mit vielleicht 7000 Anwesenden. Weil in der Zwischenzeit bei vielen Menschen einiges passiert ist: Man kann das Billett verlieren, auswandern, sich scheiden lassen, sich trennen, sterben oder krank werden.

Wie viel steht schon vom Abschiedsprogramm?

Null. Bislang stand einfach die Ankündigung. Ich kann mich ja nicht 18 Jahre mit dem Programm beschäftigen. Das mache ich ab Frühling. Aber es gibt ohnehin nicht viel vorzubereiten: Ich werde weder eine Big Band auch ein Ballett haben, noch werde ich an einem Drahtseil durchs Hallenstadion fliegen. Momentan ist meine Idee, dass es eine Art Best-of wird.

Wie planen Sie Ihr letztes Arbeitsjahr?

Bis Ende Jahr mache ich noch die letzten Vorstellungen meiner Tour «King of Gäx». Zudem habe ich Buchungen für Galas. Und im kommenden Frühling beginne ich mit der Planung des Abschiedsauftritts.

Und was passiert nach Ihrem Abschied?

Meine Bucketlist ist relativ leer. Die Sachen, die ich wirklich machen wollte, habe ich gemacht. Seit 30 Jahren reise ich nicht mehr. Ich gehe jährlich mit einem Freund ans Montreux Jazz Festival und mache Ausflüge in der Schweiz, beispielsweise nach Luzern. Oder wenn ich ins Zürcher Oberland muss, fahre ich immer mit der Fähre Horgen–Meilen. Das gibt mir dieses 12-minütige Kreuzfahrt-Feeling, das kann ich völlig geniessen, ohne drei Wochen auf dem Ozean herumzuschippern. Ich freue mich, wenn ich daheim bin und nicht weit wegfahren muss.

Also wandern Sie nicht aus?

Nein. Ich musste immer lachen, wenn früher Gleichaltrige meinten: «Ja, jetzt noch ein bisschen chrampfen bis 50, und dann gehe ich nach Spanien!» Da dachte ich immer: «Ja, wenn du Pech hast und 100 wirst, bist du noch 50 Jahre in Spanien!» Ich reise auch seit Jahren nicht in den Süden, weil der Sommer bei uns für mich perfekt ist. Ausser in diesem Sommer. Alles über 30 Grad ist für mich unnötig.

Wie haben Sie den Sommer 2026 erlebt?

Überlebt! Ich habe es erstaunlicherweise gut vertragen, weil es meist eine trockene Hitze war. Tropisch-feuchte Wärme kann ich kaum aushalten. Aber ich habe stets um 7 Uhr gelüftet und den Tag dann im Schatten verbracht.

Was macht so ein Sommer mit Ihnen?

Nicht nur dieser Sommer, auch andere Anzeichen vom Klimawandel geben mir zu denken. Ich habe extrem Mühe mit Menschen, die solchen Unsinn behaupten wie: «So etwas hat es immer gegeben.» Das sind für mich Ignoranten. Und in der Politik finde ich es bedenklich, dass viele den Schuss noch nicht gehört haben. Eigentlich müssten alle das Parteiprogramm weglegen und für dieses massive Problem gemeinsam eine Lösung finden. Trotzdem bekämpfen sich alle und schieben sich den Schwarzen Peter zu. Wo das hinführt, sieht man ja in Deutschland.

Inwiefern?

Da diskutiert man zum Beispiel, ob man den Kanzler auswechseln soll. Das ist eine witzlose Diskussion, denn wenn man ihn austauscht, sind die Probleme nicht weg. Und nachher rennen alle zur AfD, weil die behaupten, sie hätten die Lösung für alles. Am Ende hat man einen Trump als Präsidenten, der in 24 Stunden den Ukrainekrieg beendet hat. Ich bin mir zwar gar nicht sicher, ob das wirklich geklappt hat ...

Die Spaltung der Gesellschaft wird immer grösser.

Das hat auch viel mit sozialen Medien zu tun. Durch die Algorithmen kann sich auch eine Minderheit aufplustern und sehr laut werden. Das hilft den Leuten, die einfache «Lösungen» auftischen. Aber die richtigen Lösungen sind nie einfach. Doch wenn man etwas länger erklärt, hören die Leute weg. Noch schlimmer ist Tiktok. Das verkürzt die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern enorm. Auch deswegen war ich schon immer für ein Handyverbot an Schulen, aber erst jetzt bewegt sich etwas.

Sind Sie froh, bei dieser Weltlage aufzuhören? Oder gäbe es jetzt erst recht Material für ein Programm?

Ich bin kein politischer Kabarettist, ich mache Unterhaltung. Darum hat das keinen Einfluss. Ich glaube auch nicht, dass man mit politischem Kabarett die Welt gross verändern kann. Man kann höchstens Denkanstösse geben. Ich sage meine Meinung schon, aber dies abseits der Bühne, beispielsweise in meinen Kolumnen.

Ihre drei Abschiedsauftritte im Hallenstadion sind bereits ausverkauft. Gibts einen vierten?

Diese Entscheidung musste ich vor einem halben Jahr treffen. Es wäre schon möglich gewesen, das Stadion ein viertes Mal zu füllen. Und mich fragen auch immer wieder Menschen, ob ich noch eine Möglichkeit für Tickets habe. Aber nein, alle sind verkauft. Und man hatte ja 18 Jahre Zeit, sich eins zu sichern. Am Ende habe ich mir gesagt: Wenn es mir gesundheitlich gut geht, gehen vier Auftritte. Wenn nicht, sind schon drei zu viel. Darum war mir das Risiko am Ende zu hoch.

Wie geht es Ihnen denn gesundheitlich?

Ich bin eine «Ruine», wie viele im gleichen Alter. Aber ich gehe nicht wegen jedem «Wehwehli» zum Doktor. Im Alter kommen halt gewisse Beschwerden. Und mit den Sprüchen «70 ist das neue 50» muss mir niemand kommen. Wenn du 70 Jahre richtig gelebt hast, bist du 70 und nicht 50. Ich bin zufrieden, kann ich immer noch alleine wohnen und mir unfallfrei Spaghetti kochen.

Der Erlös Ihrer Abschieds-Gigs wird gespendet. Wohin?

Das werde ich noch kommunizieren, sicher an fünf bis sechs Organisationen. Aber wie viel Geld zusammenkommt, werde ich sehen. Für den ersten Auftritt haben wir ja die billigsten Tickets für 19 Franken verkauft, was heute lächerlich tief ist, wenn man die Kosten für so einen Event anschaut. Auch darum will ich jetzt nicht mit grossen Spezialeffekten auffahren, damit am Ende doch noch ein schöner, sechsstelliger Betrag übrig bleibt.

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