«Meine Fähigkeit, Menschen zu berühren, hat kein Verfallsdatum»
Mia Aegerter spricht offen übers Älterwerden

Ein QR-Code auf dem Grabstein? Zum 50. Geburtstag verrät die Freiburger Schauspielerin und Musikerin ihre wildesten Ideen und tiefsten Emotionen.
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Mia Aegerter feiert am 9. Oktober ihren 50. Geburtstag. Sie wurde durch die Kult-Serie «GZSZ» bekannt und startete später als Singer-Songwriterin durch. In ihrer Wahlheimat Berlin arbeitet sie zurzeit an einem neuen Album.
Foto: ©Kurt Reichenbach

Darum gehts

  • Schauspielerin und Sängerin feiert 50. Geburtstag mit ihrer Familie
  • Sprung in einen See und Kuchen als Geburtstagswünsche
  • Erzählt, weshalb sie zuletzt geweint hat
Text Sylvie Kempa
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Was bedeutet Ihnen die 50?

Die Zahl löst einiges in mir aus: ungläubiges Kopfschütteln, aber auch Dankbarkeit. Meine Karriere lang hiess es, Frauen dürften in der Schauspiel- und Musikindustrie nicht älter werden. Heute weiss ich: Meine Fähigkeit, Menschen zu berühren, hat kein Verfallsdatum. Im Gegenteil, meine Arbeit gewinnt an Tiefe.

Was bringt das Älterwerden mit sich?

Ich habe Ängste und Blockaden überwunden, das macht mich auf eine Art sogar jünger. Trotz Falten. Mich beschäftigt aber manchmal, meinen fünfjährigen Sohn nicht lange genug begleiten zu können. Gleichzeitig kann ich ihm jetzt mehr geben, als ich es als jüngere Mutter gekonnt hätte.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Wie feiern Sie?

Mit meiner Familie. Ich wünsche mir ein Feuer, einen Kuchen und einen Sprung in einen See oder ins Meer.

Was wollten Sie als Kind werden?

Sängerin und Schauspielerin.

Wie sah Ihr Jugendzimmer aus?

Alles schwarz: Schrank, Schreibtisch, HR-Giger-Poster an der Wand. Meine Grufti-Phase wurde dann abrupt von der Hippie-Phase abgelöst.

Haben Sie einen Spitznamen?

In der Schule nannten mich alle Mitsch.

Wann haben Sie zuletzt geweint?

Gestern erzählte mir eine Freundin von einer Bekannten, deren Kind wegen schwerer Verbrennungen drei Monate im Spital lag. Das hat mich getroffen, obwohl ich die Familie nicht kenne. Seit ich Mutter bin, ertrage ich negative Nachrichten und Erfahrungsberichte über Kinder besonders schwer.

Was wären Sie gern nach Ihrer Wiedergeburt?

Das sind ja Fragen hier (lacht). Vielleicht komme ich als Surferin zurück. Sonnig, gelassen und mit deutlich weniger Hang zum Grübeln.

Wären Sie lieber sympathischer oder intelligenter?

Intelligenter. Dann wäre ich klug genug, so zu tun, als wäre ich sympathisch.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

«Vergeud nicht deine Zeit, lass nichts ungewagt, das Leben schmilzt in deiner Hand wie ’n Eis an ’nem Sommertag.» Und daneben wäre der QR-Code zu meinem Song «Eis an ’nem Sommertag» in Stein gemeisselt.

Auf wen sind Sie eifersüchtig?

Auf Menschen, die Entscheidungen treffen, bevor sie 47 Szenarien durchgespielt haben. Faszinierend.

Was denken andere über Sie, was nicht stimmt?

Dass ich selbstsicher bin. Ich kann Unsicherheit nur gut überspielen.

Wofür sollte es Bussen geben?

Musikhören über den Handy-Lautsprecher an ruhigen Orten in der Natur.

Was verabscheuen Sie noch?

Gewalt und Rücksichtslosigkeit – etwa wenn Menschen extremen Reichtum anhäufen, während andere kaum das Nötigste haben, oder wenn Unternehmen für Profit sogar die Sicherheit von Kindern aufs Spiel setzen. Manche verhalten sich wie Kleinkinder, denen es an Liebe und klaren Grenzen fehlt. Nur dass sie die ganze Welt gefährden.

Wo möchten Sie leben?

Im schwedischen Holzhaus am Meer, mitten im Wald – aber bitte nur fünf Minuten von Cafés, Geschäften und Schulen entfernt. Meine Vorstellung von Wildnis braucht Infrastruktur.

Wie viel sind Sie wert?

Ich bestehe zu 90 Prozent aus Wasser und zu 10 Prozent aus Kaffee. Bei Schweizer Preisen würde ich meinen Marktwert auf ungefähr sechs Franken schätzen.

Mit wem möchten Sie im Lift stecken bleiben?

Mit einem Lehrer für transzendentale Meditation. Das wollte ich schon lange mal ausprobieren, aber ich komme einfach nicht dazu.

Welchen Tag möchten Sie noch einmal erleben?

Einen dieser vollkommen gewöhnlichen Tage mit meiner Familie, von denen man erst Jahre später merkt, dass sie eigentlich die schönsten waren.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?

Du bist nicht verantwortlich für die Gefühle anderer Menschen. Mach dich nicht klein und umgib dich nur mit Menschen, die dich wertschätzen und respektieren. Lerne, dich selbst zu lieben, bevor du deinen Weg als Künstlerin gehst. Beschäftige dich mit Finanzen und Verträgen. Sei grosszügig, aber steh für deine Rechte ein. Geh reisen. Und um Gottes willen: Geh nicht mehr ins Solarium.

Was tun Sie vorm Schlafengehen?

Unser Abendritual als Familie: Jeder von uns nennt drei Dinge, für die er oder sie an diesem Tag dankbar ist.

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