Darum gehts
- Luc Oggier von Lo & Leduc studiert zurzeit an der Hochschule der Künste Bern
- Für seine Abschlussarbeit hat er den Mattelift in eine Klanginstallation verwandelt
- «Lift Me Up» ist bis am 24. Juni zu hören. Jede Fahrt ist einzigartig und anders
Normalerweise bespielt der Berner Luc Oggier (37) zusammen mit Lorenz Häberli (39) als Rapduo Lo & Leduc die grossen Musikbühnen der Schweiz. Doch Oggier ist auch Student an der Hochschule der Künste Bern HKB in der Sparte «Contemporary Arts Practice».
Für seine Masterarbeit «Lift Me Up» hat er nun den Mattelift in eine temporäre, klingende Kunstinstallation verwandelt.
«Lifte faszinieren mich als soziale und akustische Zwischenräume seit längerem. Als Räume, in denen man sich im Alltag gar nicht übermässig viel überlegt, sondern einfach rasch zu- und wieder aussteigt. Deshalb ist dieser Raum extrem spannend zum Bespielen für mich», sagt Oggier.
Jede Fahrt ist ein neues Kunsterlebnis
Der Mattelift sei ein ganz besonderes Objekt – nicht nur wegen seiner über 125-jährigen Geschichte. «Er ist schon an sich ein Kunstobjekt, ein Instrument und Resonanzraum. Und jede Fahrt erzeugt grundsätzlich ein neues, einzigartiges Erlebnis. Ich habe mit meiner Installation also nur verstärkt, was schon da ist.»
Der 36 Meter hohe Mattelift verbindet das tieferliegende Matte-Quartier mit der Münsterplattform, er verbindet unten und oben, Stillstand und Bewegung, Vergangenheit und Gegenwart. Der Lift führt die Fahrgäste durch verschiedene Klangschichten, die sich überlagern und fortlaufend verändern.
Ausgangsmaterial der Komposition von Oggier sind Aufnahmen der Armensünderglocke des Berner Münsters. «Lift Me Up» greift auch die Anwesenheit der Passagiere und mitfahrenden Kondukteure auf und webt Fragmente ihrer Stimmen als leises Echo in das Klanggeschehen ein.
«Ursprünglich war Liftmusik da, um die Menschen abzulenken und ihnen die Angst vor den neuen Geräten zu nehmen, die durchs Vertikale rasen. Mittlerweile haben wir die Angst davor abgelegt und die Musik löst andere Gedankengänge in unseren Köpfen aus.»
Oggier hat bereits unzählige Lifte besucht, auch zu verfolgen auf der Website seines Projektes. «Ich versuche den Begriff ‹Liftmusik› neu und anders zu interpretieren.»
Der Künstler ist persönlich anwesend
Während der Ausstellung bis zum 24. Juni ist er regelmässig persönlich vor Ort und sucht das Gespräch mit den Fahrgästen. «Ich nehme auch Tipps für andere spannende Liftanlagen entgegen. Doch es wird schwierig sein, gegen die Ausdrucksstärke des Matteliftes anzukommen.»
Im Übrigen möchte er sich beim Mattelift-Team und dem Berner Liftbauunternehmen Emch bedanken. «Was hier zu hören ist, entspringt einer Kollektivleistung und wäre ansonsten nicht möglich gewesen.»
«Lift Me Up»; bis 24. Juni während des normalen Liftbetriebes bis 20.30 Uhr, eine Fahrt kostet 1.50 Franken.