«Die beste Nummer landete im Papierkorb»
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Komikerin Regula Esposito (58):«Die beste Nummer landete im Papierkorb»

Komikerin Regula Esposito im Interview
«Als Wirtin habe ich ein Schweigegelübde»

«Ich weiss» heisst das neue Programm von Regula Esposito als Bühnenfigur Helga Schneider. Zurzeit ist sie damit im Bernhard Theater Zürich zu sehen. Im Interview mit Blick spricht Esposito über die Zumutungen des Alters, Krankheiten, Indiskretionen und Eifersucht.
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Regula Esposito als Bühnenfigur Helga Schneider. Mit «Ich weiss» tourt sie zurzeit durch die Deutschschweiz. Aktuell gastiert sie im Bernhard Theater in Zürich.
Foto: PD

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Regula Esposito tritt seit 40 Jahren als Helga Schneider auf, seit 16 Jahren solo
  • Zusammen mit ihrem Mann hat sie das Rössli Mettmenstetten ZH gepachtet
  • Ihr neues Comedy-Programm heisst «Ich weiss» und thematisiert das Älterwerden
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Jean-Claude GalliRedaktor People

Blick trifft Regula Esposito (60), die seit 40 Jahren als Bühnenfigur Helga Schneider unterwegs ist, im Rössli in Mettmenstetten ZH. Sie führt das stattliche Gasthaus seit 2025 mit ihrem Mann, Ex-Fussball-Manager Fredy Bickel (61). Zurzeit tourt sie mit ihrem neuen Comedy-Soloprogramm «Ich weiss» durch die Deutschschweiz.

Blick: Danke für den Kaffee. Was würden Sie uns um 12 Uhr empfehlen?
Regula Esposito: Ein feines Menü oder Sie könnten à la carte bestellen, gutbürgerliche Schweizer Gerichte. Wir haben drei Thailänder in der Küche, die auch Speisen ihrer Heimat auf den Teller zaubern. Und unser Chef-Koch ist ein halber Spanier und spezialisiert auf Tapas.

Haben Sie eine gastronomische Vorprägung?
Keineswegs. Ich bin Quereinsteigerin und mit meinem Mann nun Pächterin und Gastgeberin. Fredy ist von hier und kennt alle. Wir führen das Haus zusammen mit einem Gastronomen-Paar. Mein Herz schlägt für den Saal. Kultur ist hier seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil, und ich kümmere mich nebst dem Programm um die Grafik oder die Website. Wir sind ein Begegnungsort, so abgedroschen es klingen mag.

Fliessen Geschichten von Ihren Gästen in Ihre Programme ein?
Es ist ein No-Go, Dinge, die ich als Wirtin höre, auf der Bühne zu verwenden und die Leute in die Pfanne zu hauen. Ich bekomme viel mit und stehe regelmässig hinter der Bar. Dort bin ich Pfarrerin, Anwältin und Ärztin in einem. Ich habe ein Schweigegelübde. Was ich höre, bleibt bei mir.

Woher nehmen Sie Ihre Inhalte denn?
Aus meinen Beobachtungen in der Welt. Ich versuche Geschichten zu erzählen, in denen sich andere Menschen ebenfalls erkennen.

Sie sind schonungslos ehrlich und halten sich und anderen den Spiegel vor. Hat Humor Grenzen?
Grenzen gibt es dort, wo es respektlos wird. Für mich gibt es keine Tabu-Themen. Aber man sollte gut vorbereitet sein oder die Dinge selber erlebt haben, über die man Witze macht. Wenn ich auf der Bühne über Krankheiten spreche, habe ich sie selber auch. Und wenn nicht, habe ich viel darüber gelesen und mit Betroffenen gesprochen.

Wie gross ist die Schnittmenge zwischen Helga Schneider und Ihnen?
Die gibt es nicht. Helga ist Regula. Aber natürlich in einer anderen Form. Helga ist ein Werkzeug, Dinge, die ich selber erlebe, ad absurdum zu führen. Helga hat eine Carte blanche, noch ein wenig dümmer zu tun und aus einer Maus einen Elefanten zu machen. Mit Helga wird es noch extremer. Doch es bleibt immer Regula.

Helga spricht häufig und gerne über Krankheiten. Geht es Ihnen so schlecht?
Nein, mir geht es blendend (lacht schallend). Ich bin jetzt 60 geworden und habe meine Baustellen. Jetzt könnte ich zu Hause bleiben und jammern, oder ich kann die Dinge mit Humor angehen. Mit Galgenhumor. Das ist ein Ventil, die unangenehmen Dinge des Lebens einfacher zu machen.

Woran leiden Sie?
Ich habe eine Temporallappenepilepsie oder ein kaputtes Knie, Nachwirkung eines schlimmen Motorradunfalls mit 18. Ich habe Augenprobleme, und auf einem Ohr höre ich nicht mehr gut. Ich habe Diabetes Typ 2. Viele kleine Dinge, nichts Gravierendes. Schlimm wäre ein Schlaganfall, eine Krebsdiagnose oder wenn man sonst den Tod vor Augen hätte. Ich bin zufrieden.

Und Sport treiben Sie wirklich nicht?
Ich bin hyperaktiv und bewege mich in einem Gasthaus mit vier Stockwerken zwangsläufig sehr viel. Ich habe Betonoberschenkel. Ich gehe an der frischen Luft spazieren und fahre Velo, mittlerweile E-Bike. Aber ich hasse Sport.

Gibt es Erhebungen zu Ihrem Publikum?
Untersuchen muss ich das nicht, ich sehe es, wenn ich auf der Bühne stehe. Das Publikum eines Kleintheaters ist Ü50 und vor allem Ü60. Ich habe ein Stammpublikum, ein treues, schon seit meiner Zeit bei der Comedy-Gruppe Acapickels. Diese Menschen werden mit mir älter. Das ist sehr schön. Aber auch ein Problem, weil sie irgendwann endgültig weg sind. Und die Frage ist: Wie lange mache ich es noch? Wie lange bin ich noch glaubwürdig?

Gibt es eine Altersobergrenze in Ihrem Metier?
Man spürt den eigenen Körper und beobachtet andere Leute. Da gibt es schon Beispiele, bei denen ich denke, jetzt ist es dann gut. Namen nenne ich keine ... Wenn ich noch topfit im Kopf bin und mich nicht wiederhole, mache ich weiter. Es gibt Leute, die mit 80 noch grossartig sind auf der Bühne, andere nicht. Es gibt kein Gesetz, das ist individuell.

Auch Helga wird im neuen Programm älter ...
Ja, sie ist weiss geworden. Es geht ums Aufhören und um die eigene Beerdigung. Natürlich mit sehr viel Humor. Die letzte Phase sollte aber schon früher ein Thema sein. Niemand weiss, wann er sein Ablaufdatum erreicht. Zum Glück auch nicht. Der Tod gehört zum Leben. Dass Themen wie Patientenverfügungen und Vorsorgeaufträge bei 20-Jährigen keine Priorität haben, ist jedoch klar. Die sollen etwas lernen und die Welt entdecken.

Wie beziehen Sie Ihr Publikum ein?
Ich habe eine starke Interaktion mit dem Publikum während der Show und gehe direkt auf Saal-Antworten ein. Das ist eine Improvisation, die mir sehr viel Spass macht. Aber ich hole niemanden auf die Bühne und mache ihn zum Affen. Das mag ich nicht.

Merkt man es Ihnen an, wenn Sie zufrieden waren mit Ihrem Auftritt?
Ich bin mittlerweile genug Profi, dass ich ein gewisses Level nicht unterschreite. Doch es gibt einen Bereich nach oben, den ich «Magic Moment» nenne. Einen Abend mit ganz tollen Leuten und einem Top-Timing. Der setzt sich aus der Mondkonstellation, meiner physischen Konstitution, der Luftfeuchtigkeit im Saal und vielem mehr zusammen. Manche handwerklichen Dinge kann ich beeinflussen, anderes ist fremdbestimmt und oft auch unerklärlich.

Gibt es Acts, auf die Sie eifersüchtig sind, weil sie so gut sind?
Nein, ich denke dann, das ist grandios und freue mich für sie. Mich inspiriert im Übrigen alles, was ich sehe. Auch grottenschlechte Dinge. Ich gehe immer erfüllt aus einem Theater, auch wenn ich es fast nicht ausgehalten habe. Wir hatten letztes Jahr einen jungen Kollegen hier im Haus, Jozo Brica. Ich dachte zuerst, ein klassischer junger Stand-up-Comedian. Doch es gab einen Moment in der Show, in der er mich derart berührte, dass ich weinen musste. Er hatte mich an der Seele gepackt.

Aufgrund der Besetzung des SRF-Comedy-Sendeplatzes gab es Diskussionen um eine Frauenquote. Wie sehen Sie das Thema?
Ich stehe für Qualität und nicht für Geschlecht ein. Aber das wäre eine Diskussion, die man in einem separaten Interview führen müsste. Im gesamtschweizerischen Hirn ist es sehr vereinfacht gesagt so: Frauen sind nicht lustig, und man geht zuerst alle Männer schauen, bevor man die Show einer Frau besucht. Männer sind selbstbewusster und stehen schneller auf eine Bühne. Eine Frau ist kritischer mit sich selbst. Frauen haben eine andere Gürtellinie und suchen den Witz woanders. Toll ist, wenn alles nebeneinander Platz hat.

Was hatten Sie für Vorbilder?
Viele kamen aus der Musikwelt, wie Tina Turner. Aber auch Schauspielerinnen, so «Miss Marple»-Darstellerin Margaret Rutherford. Und Revueshows liebe ich bis heute. Als kleines Mädchen wollte ich Tänzerin bei der TV-Sendung «Teleboy» werden. Damals hatte ich auch noch keine Ahnung, was es alles für Berufe gibt. Später sagte mir die Berufsberaterin, ich solle Gärtnerin werden. Wahrscheinlich hatten sie gerade zu wenig Lehrlinge in diesem Jahrgang (lacht). Ich hätte mir vieles vorstellen können. Aber Gärtnerin? Ich habe dann auf Wunsch meiner Eltern eine Lehre zur Hochbauzeichnerin gemacht. Was für den Anfang gar nicht das Dümmste war.

Sind Sie heute immer noch nervös vor Ihren Auftritten?
Natürlich. Ich habe ein komisches Gefühl in der Brust und schwitze mehr. Das hört nie auf. Und das ist auch nötig. Wenn du nicht mehr nervös wirst vor der Show, geht es bergab. Dann musst du aufhören.

Biobox Regula Esposito

Regula Esposito ist 1965 in Zürich geboren und im Niederdorf aufgewachsen. Nach einer Lehre zur Hochbauzeichnerin und der Theaterschule für Bewegungsschauspiel Comart machte sie eine Weiterbildung zur Raum- und Produktgestalterin. 1990 war sie Mitgründerin der A-cappella- und Kabarett-Gruppe Acapickels, die bis zur Trennung 2008 über 1000 Mal auftrat. 2010 lancierte Esposito als Helga Schneider ihre Solo-Karriere mit «Helga is bag». 2018 war sie mit dem National-Circus Knie und dem Programm «Formidable» auf Tournee in der Deutschschweiz. Seit 2025 ist sie mit ihrem Mann Fredy Bickel Pächterin des Gasthauses «zum weissen Rössli» in Mettmenstetten ZH.

Regula Esposito ist 1965 in Zürich geboren und im Niederdorf aufgewachsen. Nach einer Lehre zur Hochbauzeichnerin und der Theaterschule für Bewegungsschauspiel Comart machte sie eine Weiterbildung zur Raum- und Produktgestalterin. 1990 war sie Mitgründerin der A-cappella- und Kabarett-Gruppe Acapickels, die bis zur Trennung 2008 über 1000 Mal auftrat. 2010 lancierte Esposito als Helga Schneider ihre Solo-Karriere mit «Helga is bag». 2018 war sie mit dem National-Circus Knie und dem Programm «Formidable» auf Tournee in der Deutschschweiz. Seit 2025 ist sie mit ihrem Mann Fredy Bickel Pächterin des Gasthauses «zum weissen Rössli» in Mettmenstetten ZH.

Helga Schneider ist bis am 13. Juni im Bernhard Theater Zürich zu sehen. Weitere Tourdaten unter www.helgaschneider.ch 

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