Darum gehts
- Bei Hausi Leutenegger wurde vor einem Jahr bei einer Routinekontrolle kardiale Amyloidose entdeckt
- Die seltene Herzkrankheit versteift den Herzmuskel und kann Atemnot und Erschöpfung auslösen
- Hausi spricht ungern über seine Krankheit, nimmt Medikamente und ist laut eigenen Angaben oft müde
Hausi hier! Hausi da! Es ist Oktober und Olma-Eröffnungstag in St. Gallen. Hausi Leutenegger (86) spaziert stolzen Schrittes mit seiner Entourage – inklusive Bodyguard Stefan Burkhalter – durch die Degustationshallen. Hier ein Selfie, dort ein Selfie. Der Aufmarsch gleicht einem Triumphzug, einem Schaulaufen, vielleicht einer Abschieds- Kür. Alle kennen ihn, alle mögen ihn, alle rufen ihm was zu. Die Reaktionen sind ein Spiegel dessen, wie der Mehrfach-Millionär mit seinen Mitmenschen umgeht: herzlich, jovial und ohne jegliche Berührungsängste.
Hausi National geniesst das Bad in der Menge. Er schmunzelt, er scherzt, er blüht auf – und macht im Vorbeigehen jeder Dame noch schnell ein Kompliment. «Das kostet nichts, aber sorgt für viel Freude», sagt er später bei einem Glas Weisswein in Toni Brunners «Haus zur Freiheit»-Dependance an der Olma. Es ist einer der guten Tage von «Hausi-Dampf-in-allen-Gassen». Daneben gibt es auch schlechtere Tage. Und die werden immer mehr.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Diagnose bei Routineuntersuchung
Bei einer Routinekontrolle haben die Ärzte bei Hausi Leutenegger vor rund einem Jahr ein Herzleiden entdeckt. Nach weiteren Untersuchungen in einem Genfer Spital war die Diagnose dann klar: kardiale Amyloidose. Dabei handelt es sich um eine seltene Herzerkrankung, bei der sich fehlgefaltete Eiweissmoleküle im Herzmuskel ablagern, diesen verdicken und versteifen. Dadurch kann sich das Herz nicht mehr richtig mit Blut füllen oder das Blut gleichmässig weiterpumpen.
Hausis Herzproblem
Wenn Eiweisse das Herz lähmen: Bei der kardialen Amyloidose lagern sich fehlgefaltete Proteine im Herzmuskel ab. Das Gewebe versteift, das Herz verliert seine Dehnbarkeit, und die Pumpleistung sinkt.
Typische Symptome sind Atemnot und Erschöpfung, Schwellungen der Beine (Wasseransammlungen), Schwindel und Herzrhythmusstörungen. Lange Zeit glich die Diagnose einem Todesurteil mit einer Lebenserwartung von maximal vier Jahren. Dank neuer Medikamente hat sich das Blatt inzwischen aber gewendet. Früh erkannt, können modernste Therapien den Verlauf verlangsamen und die Lebensqualität verbessern. Eine direkte Vorbeugung ist nicht möglich.
Über seine Krankheit redet der umtriebige Unternehmer und einstige Spitzensportler nicht gerne. Beim Besuch der GlücksPost in seiner Villa am Genfersee bei Perroy VD umschifft Hausi Leutenegger die Fragen nach seiner Gesundheit immer wieder. «Es geht mir gut. Ich bin zwäg», sagt er laut – und nimmt einen extra grossen Schluck aus seinem Glas mit Roséwein. Später dann wird er anfügen, dass er doch «schon oft müde» sei und nun eigentlich dem Rummel um seine Person am liebsten aus dem Weg gehe. «Deswegen halte ich bei meinen Fahrten zwischen der Ostschweiz und Genf in den Autobahn-Raststätten nicht mehr an. Da wollen stets alle was von mir.» Die Herzerkrankung habe er gar nicht bemerkt und sie schränke ihn eigentlich auch nicht ein, behauptet Lebemann Leutenegger weiter. Eine verschleppte Grippe, die nicht recht ausheilen wolle, störe ihn viel mehr.
Nun aber muss er mit der Diagnose leben und «halt ein paar Tabletten mehr schlucken», wie er beinahe schon trotzig sagt. Ehefrau Anita (71) schaut, dass er die Medikamente regelmässig einnimmt. Und Sohn Jean-Claude (54), der das Leutenegger-Immobilien-Imperium verwaltet, schaut, dass Papa sich einigermassen an die Empfehlungen der Ärzte hält. «Das gelingt leider nicht immer», seufzt dieser und verdreht die Augen. Natürlich macht er sich Sorgen um Papa. Er weiss nicht, wie viel Zeit ihnen noch bleibt. Auch die Ärzte können es ihm nicht sagen.
Legendäre Grosszügigkeit
Beim Lunch in seiner Villa am Genfersee möchte Hausi Leutenegger lieber über die schönen Dinge des Lebens reden, über seine unglaubliche Karriere mit den vielen wunderbaren Momenten und abenteuerlichen Geschichten. Eben habe er eine E-Mail gekriegt, dass er erneut in der legendären «Bilanz»-Liste der «300 Reichsten in der Schweiz» aufgeführt sei, in der Kategorie 100–150 Millionen. Die «Bilanz» wird im November schreiben: «Die Grosszügigkeit von Hausi Leutenegger, der immer einen Bund Hunderternoten zum Verteilen dabei hat, ist legendär.»
So etwas freut Hausi Leutenegger ungemein, so was liest er gern – und es lenkt ab. Später erzählt er, dass er sich wegen der Herzgeschichte doch schon ein paar Gedanken mache. «Alle meine vier Brüder sind wegen Herzerkrankungen gestorben», sagt er besorgt. «Vielleicht sind die Gene schuld, ich weiss es nicht.» Und dann meint er plötzlich wieder: «Ach, die Ärzte sind doch alle verrückt! Ich mache noch immer meine 30 Liegestütze täglich.»
Keine Angst vor dem Tod
Natürlich weiss auch Hausi, dass alles vergänglich ist. «Mir ist bewusst, dass das Leben endlich ist, und ich empfinde inzwischen jedes zusätzliche Lebensjahr als Geschenk. Angst vor dem Tod habe ich keine. Ich weiss, dass es morgen schon vorbei sein könnte.» Und bereuen tue er nicht viel in seinem bewegten Leben: «Ich war gewiss nicht immer der Bravste, aber auch kein grosser Sünder.» Das Allerwichtigste für ihn sei, dass er immer grosszügig mit allen war. «Ich habe für meine Familie und Freunde immer gut gesorgt. Ich war nie geizig oder neidisch. Denn das sind für mich die grössten Sünden.»
Auch wenn er Ehrenbürger von Bichelsee TG ist und in 13 Kantonen Liegenschaften besitzt, möchte der gläubige Katholik Leutenegger dereinst in der Westschweiz seine letzte Ruhe finden. «Da, wo meine Ehefrau und mein Sohn in der Nähe sind», sagt er. Und was soll denn auf seinem Grabstein stehen? «Oh, das soll dann meine Familie entscheiden. Oder vielleicht einfach: ‹Er war einmalig. Er kam aus dem Nirgendwo und eroberte die Welt›.» Er sagt dies schmunzelnd, so wie es nie was Grossspuriges hat, wenn er aus seiner Millionärslaufbahn erzählt.
Als er die GlücksPost zum Villentor rausbegleitet, zündet er sich genussvoll eine Zigarre an und strahlt. Es scheint ganz so, als wäre dies einer seiner guten Tage.