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Komiker Guy Landolt (63) hatte zwei Schlaganfälle:«Danach hatte ich drei Jahre keinen Sex»

Guy Landolt erlitt zwei Schlaganfälle in 24 Stunden
«Am Ende hat mich der Humor gerettet»

Zwei Schlaganfälle rissen Komiker Guy Landolt vor zehn Jahren aus seinem bisherigen Leben. Nun hat er sein erstes Buch veröffentlicht und spricht, begleitet von seinem besten Freund Helmi Sigg, über Lebensmut und die Kraft des Lachens.
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Blick nach vorn: Komiker Guy Landolt lässt sich von den Folgen seiner beiden Hirnschläge nicht entmutigen. Seine Devise: «Füreluege!»
Foto: Joseph Khakshouri

Darum gehts

  • Komiker Guy Landolt (63) verarbeitet Schlaganfälle in Buch «Schlagfertig»
  • Ex-Freundin rettete ihm 2016 nach zwei Schlaganfällen das Leben
  • Alle 30 Minuten erleidet jemand in der Schweiz einen Hirnschlag
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Patricia Broder
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«Das farbige Zeug da – nicht essen!», warnt Guy Landolt (63) und deutet auf eine Schachtel mit seinen Medikamenten. Sein alter Freund Helmi Sigg (74) schaut hinein. «Sind das Smarties?», fragt er. «Nein. Aber du kannst Gummibärchen haben, die sind da drüben», antwortet Landolt. Sigg legt sofort nach: «Gummibärchen? Die sind für mich wie Drogen.» Beide lachen.

Die beiden stehen in der Küche von Guy Landolts heller Wohnung nahe der Zürcher Hardbrücke. Draussen leuchten die Baumkronen, drinnen ist es ruhig. Wenige Möbel, kaum Bilder. «Je minimalistischer, desto besser für meinen Kopf», sagt er und setzt sich an den eckigen Küchentisch.

Genau hier ist ein grosser Teil seines neuen Buches «Schlagfertig» entstanden, das im September erschienen ist. Den Rest schrieb er «schön faul im Liegen» auf dem Sofa oder während seiner Winterferien auf Mauritius. In seinem ersten Buch erzählt der Komiker von dem Moment, der sein Leben vor zehn Jahren für immer verändert hat: zwei Schlaganfälle innerhalb von 24 Stunden.

Warum jetzt ein Buch? «Ehrlich gesagt, weiss ich es selber nicht», sagt Landolt und lacht. «Wahrscheinlich wollte er schauen, an wie viel er sich noch erinnert», wirft Helmi Sigg ein. Sein Freund nickt. «Und ich möchte auch anderen Betroffenen Mut machen und sensibilisieren», sagt er. Alle 30 Minuten erleidet in der Schweiz jemand einen Hirnschlag. «Es kann jedem passieren. Und dann muss man richtig handeln.»

Ex-Freundin rettete ihm das Leben

Richtig handelte in jener Julinacht 2016 Landolts Ex-Freundin. Die beiden waren bereits getrennt, lebten aber noch zusammen. «Ich wachte auf, weil ich mich schlecht fühlte. Als ich ins Bad wankte, wachte auch sie auf und realisierte, dass etwas nicht stimmte», erinnert sich der Komiker. «Wenn sie nicht da gewesen wäre, wäre ich gestorben.»

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Im Spital erlitt der damals 53-Jährige einen zweiten, schweren Schlaganfall. Als Ursache wurde später eine seltene Form von Blutkrebs diagnostiziert. Dagegen nimmt er heute täglich eine Kapsel. Landolt sass im Rollstuhl, war halbseitig gelähmt und konnte kaum sprechen. An vieles aus dieser Zeit erinnert er sich nicht mehr. Seine Ex-Freundin hingegen erlebte alles bewusst mit. «Wir haben heute keinen Kontakt mehr. Das war für sie wahrscheinlich zu extrem.»

Freundschaft wurde stärker

Während dieser Kontakt abbrach, wurde der zu Helmi Sigg stetig enger. Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten. Gemeinsam mit Midi Gottet bildeten sie in den 1990er-Jahren das Trio Eden, das mit «Eden-TV» vor allem im Zürcher Raum Kultstatus genoss. Beim Musical «Ewigi Liebi» standen Landolt und Sigg Hunderte Male als Murmeltier-Ehepaar Guschti und Martha auf der Bühne.

Wie eingespielt sie noch immer sind, zeigt sich beim Fotografieren in der Küche. Kaum stehen sie nebeneinander, stupst Helmi seinem Freund mit dem Finger auf die Nase. Kurz darauf puffen sie einander in die Seite und grinsen wie zwei Schulbuben, die genau wissen, wie sie einander aufziehen können. «Der Schlaganfall hat uns noch enger zusammengeschweisst», sagt Sigg. «Ausserdem ist Guy offener und netter geworden.» – «Hey, ich höre dich im Fall!», wirft Landolt gespielt eingeschnappt ein. Sigg lacht und klopft ihm auf die Schulter: «Da seht ihr’s: Der Humor ist derselbe. Der verbindet uns wie eh und je.»

Nach den Hirnschlägen war jener Humor zunächst verschwunden. Seine ersten Schreibversuche aus jener Zeit findet Landolt heute «alle grauenhaft». Doch irgendwann war der alte Witz wieder da. «Am Ende hat mich genau dieser Humor gerettet», sagt Landolt heute. Sein früheres Leben kehrte allerdings nicht zurück.

Auch Gespräche kosten Kraft

«Morgens brauche ich zwei bis drei Stunden, bis mein System hochgefahren ist», beschreibt Landolt seinen Tagesablauf. An schlechten Tagen fühlt sich alles «unklar oder wie besoffen» an. Manchmal gehorcht ihm die rechte Hand nicht richtig, rennen und schwimmen kann er nicht mehr. Auch ein Gespräch wie dieses kostet Kraft. «Wahrscheinlich muss ich morgen und übermorgen ein bisschen leiden.»

Mit seinem Schicksal habe er dennoch nie gehadert. «Warum auch? Ich hätte es gerne anders gehabt. Aber es ist so, wie es ist. Füreluege!»

Leben im eigenen Rhythmus

Und das macht er: Der Komiker ist sehr aktiv, geht regelmässig spazieren und fährt pro Woche zwischen 150 und 200 Kilometer Velo. «Ich sagte: Spinnst du?», erinnert sich Sigg an die ersten Fahrversuche seines Freundes. Doch der fuhr trotzdem.

Seinen Freundeskreis hält Landolt heute bewusst klein. Eine Beziehung sucht er nicht. «Ich bin froh, dass ich mich nur um mich kümmern muss.» Mit sich allein komme er gut zurecht. «Deshalb kann ich im Winter auch gut allein verreisen.» Kälte vertrage er seit den Schlaganfällen schlecht, in der Wärme gehe es ihm «bedeutend besser». Nach zwei Wintern auf Mauritius überwintert er dieses Jahr auf den Seychellen. «Darauf freue ich mich schon sehr.»

Später machen die beiden Freunde einen Spaziergang durchs Quartier. Landolt wirkt fit, auch wenn sein Gang noch leicht beeinträchtigt ist. Sigg geht neben ihm und stützt ihn immer wieder sachte – ganz selbstverständlich.

Angst vor einem weiteren Schlaganfall habe er nicht, erzählt Landolt unterwegs. «Ich habe mehr Angst davor, einen erneuten Schlaganfall zu überleben.» Davor, danach schwer gelähmt, blind oder dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Sollte es noch einmal geschehen, möchte er lieber gehen dürfen. «Ich hatte ein schönes Leben», sagt er und lächelt.

Auf die Comedybühne kehrt Guy Landolt vorerst nicht zurück. Dafür freut er sich auf die Lesungen und seine Auszeit im Süden. Und dann? «Vielleicht folgt ein zweites Buch», sagt er und grinst. «Oder ich werde Motivationscoach. Vom Sofa aus, hinter einer Bezahlschranke.»

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