Darum gehts
- Lisa Christ spricht offen über ihr Leben mit ADHS und Herausforderungen
- Erst Medikamente halfen ihr, das Gedankenchaos zu ordnen
- Die Diagnose erhielt sie 2024
Als Kabarettistin und Autorin hat sie es weit gebracht, «trotz meinem ADHS und mit meinem ADHS», wie Lisa Christ (35) im SRF-«Club» sagt. Ihre Diagnose bekam sie erst im Erwachsenenalter und machte diese vor rund zwei Jahren öffentlich.
Ob sie ihr ADHS (kurz für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), wie etwa Paris Hilton (45) in ihrem Lied «ADHD» (Englisch für ADHS) singt, als eine «Superkraft» versteht, verneint Christ. «Für mich ist es eine Superkraft, dass ich es dahin geschafft habe, wo ich bin.» Trotzdem sei das Leben mit der Neurodiversität ein täglicher Kampf.
«Warum bist du so faul?»
Schon auf Instagram sprach Lisa Christ in der Vergangenheit offen darüber, dass ihr ADHS den Alltag erschwere. «Ich habe zum Beispiel Probleme mit Zeitplanung und Terminen, weil ich keine Prioritäten setzen kann», erklärt sie in einem Video. «Und es fällt mir durch mangelnde Impulskontrolle schwer, mich in Gesprächen zurückzuhalten und mein Gegenüber nicht zu unterbrechen.»
Auch im SRF-«Club» spricht sie von der täglichen Herausforderung, Aufgaben zu bewältigen. «Dringlichkeit ist das Einzige, was mich dazu bewegt, Sachen wirklich anzufangen», erklärt Christ. Nur Deadlines würden sie genügend motivieren; doch auch dann habe sie Schwierigkeiten, bei der Sache zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen.
Aussagen von anderen wie «Du musst einfach disziplinierter sein», habe sie früh verinnerlicht und sich selbst Vorwürfe gemacht: «Warum kannst du das nicht? Warum bist du so faul? Warum bist du nicht disziplinierter?» Solche Gedanken würden schon in der Jugend zu viel Selbsthass führen.
«Mein ganzes Leben wäre ein Scheiterhaufen»
Ihre Schulzeit beschreibt Christ als «täglichen Kampf». Insbesondere das frühe Aufstehen habe ihr grosse Schwierigkeiten bereitet. Ihr ganzes Leben vor der Diagnose war von einem «inneren Aufwand und inneren Druck» begleitet, das Leben trotz ihrer Symptome zu meistern. Damals habe sie gedacht: «Wenn ich nicht streng zu mir selber wäre, würde alles zerbrechen. Mein ganzes Leben wäre ein Scheiterhaufen.»
Obwohl sie die Diagnose im ersten Moment nicht wirklich akzeptieren konnte und sich erst einmal daran gewöhnen musste, habe sie ihr mit der Zeit geholfen, weniger streng mit sich ins Gericht zu gehen. «Man entwickelt dann Taktiken, ohne dass man sich selbst dafür so hassen muss.»
Auf den «Trichter», dass sie ADHS haben könnte, sei sie durch Social Media gekommen. Es sei «so eine krasse Erfahrung gewesen», als sie erstmals Medikamente gegen die Symptome einnahm. Ihre Reaktion damals: «Oh mein Gott, so funktionieren neurotypische Leute? Das ist ja der Wahnsinn!» Zum ersten Mal in ihrem Leben habe sie nicht «hunderttausend Gedanken und Stimmen gleichzeitig» im Kopf gehabt.