«Es waren dramatische Stunden»
So erlebte Dominique Gisin den schweren Skiunfall ihrer Schwester

Im Interview spricht Dominique Gisin über neue Leidenschaften, schwere Zeiten und das Muttersein.
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Ex-Skirennfahrerin Dominique Gisin hat eine neue Leidenschaft: das Jassen.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Dominique Gisin spricht über Skisport, Familie und ihre Karriere.
  • Ihre Schwester Michelle verpasst Olympia nach schwerem Sturz beim Training.
  • Olympische Winterspiele beginnen am 6. Februar 2026 in Italien.
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Gabrielle Jagel
Tele

Die Olympischen Winterspiele stehen vor der Tür. Zur Einstimmung lädt der «Samschtig-Jass» vier Goldmedaillen-Gewinner an den Jasstisch: Bernhard Russi (Sapporo 1972), Tanja Frieden (Turin 2006), Andreas «Sonny» Schönbächler (Lillehammer 1994) und Dominique Gisin (Sotschi 2014).

Die 40-jährige Ex-Abfahrerin Gisin, inzwischen Mutter einer bald dreijährigen Tochter, plauderte mit TELE über Leidenschaften und Gefahren im alpinen Skirennsport.

TELE: Hand aufs Herz: Mussten Sie den Differenzler zuerst noch üben?
Dominique Gisin: In unserer Familie wird gern und viel gejasst. Daher habe ich mich jahrelang davor gedrückt, im Samschtig- oder Donnschtig-Jass mitzumachen.

Wieso das denn?
Weil der Druck von der Familie viel zu gross ist (lacht). Wenn ich da schlecht abschneide, wär das scho bitz en Skandal. Aber bei dieser speziellen Olympia-Ausgabe konnte ich fast nicht Nein sagen. Und weil das so eine grosse Sache ist, habe ich sehr hart trainiert (lacht).

Wer musste dafür herhalten?
Ganz unterschiedlich. Vor allem meine Familie, aber auch die App, denn irgendwann haben alle gesagt: «Jetz isch dänn au mal guet!» (Lacht herzhaft.) Nein, nein, so schlimm war’s dann doch nicht.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Waren Sie in der Show nervös?
Sehr sogar! Dazu kam noch, dass Marianne Abderhalden in unserer gemeinsamen Aktivzeit mein Jass-Gspänli war. Sie ist ja die Schwester von Jass-Schiedsrichter Jörg Abderhalden. Da kam für mich noch mehr Druck hinzu (lacht).

Fernsehen ist nichts Neues für Sie. 2017/18 waren Sie als SRF-Kommentatorin tätig. Was für Erinnerungen haben Sie an jene Zeit?
Sehr gute, es war eine schöne Zeit.

Wieso haben Sie aufgehört?
Als meine Schwester Michelle mal im Training stürzte, wurde mir bewusst, dass mich das in eine emotionale Zwickmühle bringt. Wenn das während einer Livesendung passiert wäre, hätte ich sicher nicht einfach dasitzen und weiter kommentieren können. Daher habe ich die Konsequenzen gezogen und nur eine Saison am Mikro gemacht.

Ihre Schwester ist beim Training in St. Moritz schlimm gestürzt und kann nun nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen. Wie haben Sie den Sturz erlebt?
Ich war gerade auf dem Heimweg, als ich es erfahren habe. Die ganze Familie wäre beim Rennen in St. Moritz vor Ort gewesen. Natürlich sind wir alle sofort zu ihr ins Spital gefahren. Es waren dramatische Stunden – und ich bin froh, dass die Weltklasse-Ärzte so genial reagiert haben, sodass sie wieder komplett gesund wird.

Stürze hat es in letzter Zeit einige gegeben. Wird der Skisport immer gefährlicher?
Im Sport steckt extrem viel Energie, das war schon immer so. Natürlich werden die Sicherheitsvorkehrungen laufend besser, aber die Geschwindigkeit wird ebenfalls immer höher, was bezüglich Risiko leider ein Nullsummenspiel ist.

Die Schweiz brilliert mit Marco Odermatt, Loïc Meillard oder Franjo von Allmen in den Speedrennen, und nun räumt auch Camille Rast in den technischen Disziplinen ab. Da schlägt Ihr Herz sicher höher, oder?
Absolut, da weiss man auch wieder, warum man den Skisport so liebt. Auch kürzlich bei Matthias Iten im Slalom von Wengen – grossartig!

Sind Sie oft an den Rennen?
Nur noch sehr selten, etwa wenn Michelle startet. Ich habe ja eine kleine Tochter, die im Februar drei Jahre alt wird – daher steht Reisen nicht mehr an oberster Stelle. Wenn ich Zeit habe, schaue ich mir die Rennen im Fernsehen an. Jetzt schauen wir aber grad Tennis, das Australian Open in Melbourne – auch immer sehr spannend.

Anfang Januar waren Sie bei der Hermann Maier Star Challenge in Flachau (A) dabei, wo Skilegenden aus der Schweiz und Österreich zum freundschaftlichen Länder- kampf antraten. Sie haben richtig Gas gegeben …
Was das Skifahren betrifft, bin ich noch immer etwas eitel (lacht). Ich habe es jedenfalls sehr genossen, wieder mal eine Piste für mich zu haben und Vollgas zu geben, denn sonst bin ich ja eher auf der Kinderplauschpiste unterwegs. Wenn man das wieder mal spüren darf, hängt man sich natürlich voll rein.

Nicht nur die Leidenschaft ist ungebrochen, das gilt offenbar auch für Ihren Ehrgeiz.
Ja natürlich, ich habe ja auch mein halbes Leben dafür gegeben. Und wenn man dann mal wieder einen halben Blumentopf gewinnen kann! (Lacht.) Es ist dieses Gefühl, das du nach der Profikarriere am meisten vermisst und an dem ich nun ansatzweise schnuppern durfte.

Es war eine Gaudi, nur schon der Fahrstil der Nichtprofis …
Dabei sind die teilweise tipptopp gefahren, aber auf so einer Rennpiste ist der Unterschied schon brutal. Wenn man an einer Weltmeisterschaft oder Olympischen Spielen manchmal über die sogenannten Exoten lacht, muss man sich immer vor Augen halten, dass auch recht gute Skifahrer darunter sind. Aber die Differenz zur Weltspitze, die ausserordentlich talentiert ist und auch nichts anderes macht, ist halt schon riesig. Doch würde man keinen Unterschied sehen, wäre es ja auch etwas komisch.

Am 6. Februar beginnen die Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo und Mailand. Werden Sie vor Ort sein, auch wenn Ihre Schwester nun nicht am Start ist?
Ich habe eine Einladung nach Mailand zum Eiskunstlaufen, worauf ich mich sehr freue. Aber die anderen Wettbewerbe werde ich daheim verfolgen, vor allem Ski alpin. Bei uns wird sicher den ganzen Tag der Fernseher laufen (lacht).

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