Eidgenössisches Jodlerfest in Basel
«In der Tracht sind alle gleich»

Ende Juni wird in Basel gejodelt, Alphorn geblasen, Fahnen geschwungen: Es ist Eidgenössisches Jodlerfest!
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Karin Niederberger-Schwitter ist seit 2009 Zentralpräsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands.
Foto: Swissimage/Andy Mettler

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das Eidgenössische Jodlerfest startet heute in Basel nach jahrelanger Verzögerung
  • 250'000 Gäste erwartet, über 1000 Vorträge und 700 Freiwillige im Einsatz
  • Rund 12'000 Aktive, über 100 Festbeizen, Temperaturen über 30 Grad befürchtet

Am 26. Juni ist es so weit, endlich. Pandemiebedingt auf 2021 verschoben, dann ganz abgesagt, findet das Eidgenössische Jodlerfest nun doch noch statt. In Basel. Und die Stadt am Rheinknie erlebt «drey scheenschte Dääg im Sommer», wie die Zentralpräsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands es einmal scherzhaft nannte.«Mal abgesehen von den drei Anläufen», sagt Karin Niederberger-Schwitter, «ist das Besondere daran, dass der Anlass nach dem allerersten Eidgenössischen Jodlerfest 1924 wiederum in Basel stattfindet.» 

Das OK erwartet bis 250'000 Gäste an den drei Tagen, 700 ehrenamtliche Helfer und Helferinnen sind im Einsatz. Auch sie können sich hoffentlich einige der 1000 Bewertungsvorträge im Jodelgesang, Alphornblasen oder Fahnenschwingen anhören. Fürs leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt, in über 100 Festbeizen und an Essständen auf dem Festgelände in der Innenstadt. Bleibt zu hoffen, dass Petrus nicht 30 Grad plus auftischt, sonst schmelzen nebst dem Raclette auch die rund 12'000 Aktiven in ihren Trachten!

TELE Welche Tracht tragen Sie am Anlass?
Karin Niederberger-Schwitter: Schanfigger Festtagstracht. Zwar besitze ich noch eine wunderschöne schwarze Sonntagstracht, aber bei der werde ich oft gefragt, ob jemand gestorben sei.

Was sollte, wer noch nie an einem Jodlerfest war, kleidermässig in Basel unterlassen?
Dirndl oder Lederhose tragen – damit ist man schon ziemlich deplatziert! Wer keine Tracht besitzt wie wir 12'000 Aktiven, hat vielleicht eine Mama oder einen Papa, Opa oder Oma, die eine besitzen. Und sonst ganz normal kommen, also casual, das ist auch okay.

Sonstige Ratschläge?
Das Herz öffnen, so möchte ich das empfehlen – und gut hinhören, was die Liedtexte sagen. Sie vermitteln nämlich Werte und bringen einen wieder auf den Boden in unserem verrückten, hektischen Alltag, in dieser Narrenwelt von heute. Und du merkst, was wirklich wichtig ist.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Was bedeutet es für Sie und den Verband, dass die Unesco 2025 das Jodeln als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannte?
Ich sehe es vor allem als Wertschätzung dafür, was unsere Mitglieder all die Jahre gepflegt, weiterentwickelt und weitergegeben haben. Wir erhoffen uns unter anderem, dass man in der Schule wieder jodelt, das wäre schön!

Ihr Highlight in Basel?
Das ganze Fest natürlich! Die Leute haben wie verrückt geübt und kommen mit einer gewissen Erwartungshaltung, auch an sich selbst. Spannung liegt spürbar in der Luft. Die Vorträge dauern bis in den Samstagabend, nachher atmet man auf und geht gässeln. In Basel wird das sehr schön, weil es so viel Platz hat in der Innenstadt und man sich nicht gegenseitig stört. Der Gegensatz zwischen dem Urbanen und diesem Fest ist ebenfalls toll.

Da sind wir schon beim Motto: Wieso das Bekenntnis «Stadt und Land mitenand»?
Den Stadt/Land-Graben gibt es, das sieht man auch in den Abstimmungen, und ich denke, er ist tiefer geworden. Wir auf dem Land haben ganz andere Herausforderungen als Leute in der Stadt, leben anders. Umso wichtiger ist der Austausch, die Akzeptanz. Andere Meinungen sind auch okay, nicht nur meine. Das sollte man vermehrt spüren und die Werte unserer Vorfahren, die die Schweiz gross gemacht haben, gemeinsam pflegen und leben.

Das passt zu Basel und seiner humanistischen Tradition.
Genau! Schön finde ich auch, dass es egal ist, ob jemand Reinigungskraft oder Regierungsrätin ist – in der Tracht sind alle gleich. Wir haben Secondos in unseren Klubs, Tamilen, Deutsche oder Neuseeländer, die es schön finden, dass wir diese Tradition leben. Sie sind herzlich willkommen und schnell integriert. Fürs Jodeln musst du halt einfach die Sprache können, bei den Alphornbläsern und Fahnenschwingern nicht unbedingt.

Wo überall gibt es Schweizer Jodel-Hochburgen?
Dort, wo der Ursprung des Jodelns ist: Appenzell Inner- und Ausserrhoden, Toggenburg, Berner Oberland, Entlebuch, Zentralschweiz, Ob- und Nidwalden, Freiburger Berge. Da wird das alles noch gelebt, da rutschst du rein und bist nach der Lehre, wenn du ein bisschen gefestigt bist im Leben, schnell einmal im Klub.

Jodeln mehr Männer oder Frauen?
Wir müssen bald schon Männerförderung machen, aber Frauen haben wir zum Glück sehr viele (lacht).

Jodeln hat ein konservatives Image. Hören Sie das oft?
Ja, und ob wir offen für Neues seien. «Das waren wir schon immer», sage ich dann. Den Techno-Jodel von Christine Lauterburg gibt es seit 1994. Oder Oesch’s die Dritten – super! Aber am Jodlerfest ist es nun mal wie im Fussball, da hast du Regeln, sonst ist das nicht bewertbar.

Und die passt man auch an?
Ständig!

Keine Gräben also zwischen den Jodlerinnen und Jodlern?
Christine war auch schon bei mir zu Besuch. Und was jodelt sie? Ein Zäuerli mit Geigenbegleitung!

Trotzdem: Manche sagen, dass ältere Liedtexte nostalgisch, idealisierend oder überholt seien.
Abgesehen davon, dass es schon früher durchaus Leute gab, die anders texteten, war es damals halt so. Und passiert heute noch: Ich zum Beispiel habe meinen Mann auch auf der Alp kennengelernt – und zwar nicht vor 50 Jahren.

Noch ein Blick in die Zukunft: Sind Sie in Gedanken bald schon beim nächsten Fest?
Was heisst gedanklich? Wir überarbeiten bereits den Vertrag von Basel für Burgdorf! (Lacht.)

Festumzug live vom 32. Eidgenössischen Jodlerfest 2026 Basel, kommentiert von Nicolas Senn, läuft am Sonntag ab 14.15 Uhr auf SRF1 

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