«Die ersten drei Monate waren Horror»
Miss Helvetia über ihr Leben in der Westschweiz

Die Jodlerkünstlerin zog mit 20 Jahren vom Berner Oberland ins ferne Genf. Dort lernte Miss Helvetia Französisch, jodelte mit Menschen aus aller Welt und entdeckte die Lockerheit der Romands. Auf ihrem neuen Album singt die Bernerin über diese Zeit.
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Miss Helvetia ist im Diemtigtal aufgewachsen und lebt heute wieder hier. Wohl fühlt sich die Musikerin aber an vielen Orten.
Foto: Chiara Schmed

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Miss Helvetia tourt mit Album «Röschtigrabe» von September bis März 2027
  • In Genf gründete sie einen Jodelchor, öffnete ihn für alle Nationalitäten
  • Acht Jahre in Genf prägten sie, jetzt ist sie wieder im Diemtigtal daheim
Chiara Schmed, GlücksPost
Glückspost

Mit 20 Jahren wollte sie nur «Furt vo dihei», wie Miss Helvetia alias Barbara Klossner (45) in einem ihrer Lieder singt. Vom zauberhaften Diemtigtal BE, wo die Jodlerkünstlerin mit zwei Brüdern und drei Cousins aufgewachsen ist, zog sie nach ihrem KV-Lehrabschluss nach Genf. «Ich musste einfach etwas anderes sehen und meinem eigenen Ich Luft lassen», erinnert sie sich.

Über diese bereichernde Zeit singt sie unter anderem auf ihrem aktuellen Album «Röschtigrabe». Einige Lieder sind eine Mischung aus Schweizerdeutsch und Französisch. Mit dem Album geht die Berner Oberländerin von Ende September bis März auf Tournee. Grund genug, auf jene Zeit in der Romandie zurückzublicken.

Nachdem die junge Barbara Klossner das Nötigste zusammengepackt hatte, zog sie in ein kleines Studio in Carouge GE. Um finanziell über die Runden zu kommen, arbeitete sie im Büro eines Medizinalunternehmens. Die französische Sprache beherrschte die Deutschschweizerin damals kaum. «Die ersten drei Monate waren Horror. Ich habe fast nichts verstanden.» Doch wo ein Wille, da ein Weg: Sie biss sich durch, lernte die Sprache und verschaffte sich schliesslich auch im Job Respekt. «Ich musste dafür kämpfen.»

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Jodeln für alle

Nicht nur beruflich, sondern auch musikalisch blühte Miss Helvetia in der Westschweiz auf. Barbara jodelt, seit sie «im Bauch meiner Mutter» war. Um ihrer Leidenschaft nachzugehen, gründete sie in Genf einen Frauenjodelchor. Zudem dirigierte sie den Jodlerklub Alphüttli und änderte dessen Vereinsstatuten: Nicht nur Deutschschweizer, sondern jede und jeder, der in Genf dazu Lust hatte, durfte ab sofort im Klub jodeln. Diese Idee kam gut an: «Franzosen, Marokkaner, Russen und Chilenen wollten plötzlich Schweizerdeutsch singen und jodeln», verrät Miss Helvetia lachend.

Auch kulinarisch hat Barbara Klossner die Romandie in guter Erinnerung behalten. Bis heute liebt sie das Käsegericht Malakoff und den Waadtländer Eintopf Papet vaudois. Ihre Mama und deren Küche vermisste sie trotzdem – besonders «Härdöpfelstock mit Sauce». Ins Diemtigtal fuhr sie während ihrer Zeit in der Westschweiz allerdings nur selten zu Besuch.

Lockerheit gefällt ihr

Insgesamt verbrachte die Sängerin acht Jahre in Genf. Dass sie so lange bleiben würde, hätte sie nie gedacht. Besonders die Lockerheit der Romands gefällt ihr. «Sie sind entspannter, nehmen vieles leichter.» Von den Deutschschweizern könne man sich dafür beim Organisieren etwas abschauen.

Die Zeit in Genf hat das «Dorfmeitschi» in eine selbständige Frau verwandelt – und paradoxerweise ihre Verbundenheit mit der Heimat verstärkt. «Wenn du weiter fort bist, bist du deinen Wurzeln näher», sagt Miss Helvetia. Mittlerweile wohnt sie wieder im Diemtigtal – alleine in ihren vier Wänden. Wenn sie einmal nicht jodelt, tanzt sie Ballett, geht ins Wellness oder entdeckt die Welt: «Besonders gerne fliege ich nach Brasilien.»

Die Westschweiz ist im Herzen von Miss Helvetia geblieben – und in ihrer Musik. Auf ihrem neuen Album schlägt sie musikalisch eine Brücke über den Röstigraben. Am liebsten würde sie diesen gleich ganz zuschaufeln. Weil das aber nicht so einfach geht, singt sie eben darüber – und verbindet mit ihrer Musik das, was weiter auseinander scheint, als es tatsächlich ist.


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