Eidgenössisches Trachtenfest 2024
Schweizer Promis sprechen über ihre Trachten

Schweizer Prominente erzählen der GlücksPost, woher ihre Trachten kommen, was sie an ihnen mögen – aber auch, was man beim Tragen der traditionellen Kleidung beachten muss.
Publiziert: 25.06.2024 um 06:19 Uhr
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Aktualisiert: 25.06.2024 um 09:27 Uhr
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Hinter jeder Tracht steckt eine Geschichte. Bei Musiker und Moderator Nicolas Senn reicht die Geschichte bis hin zurück in seine Kindheit: «Ich habe die Trinkgelder von den ersten Auftritten so lange zusammengespart, bis ich mir wieder ein Teil der Tracht kaufen konnte.»
Irene Lustenberger und Aurelia Robles, GlücksPost
Glückspost

Nicolas Senn (34), Musiker und Moderator

«Die Appenzeller Tracht gehört bei mir seit meinen Anfängen als Hackbrettler dazu. Ich habe die Trinkgelder von den ersten Auftritten so lange zusammengespart, bis ich mir wieder ein Teil der Tracht kaufen konnte. Mit etwa neun Jahren war dann die Tracht komplett. Aufgrund meines Wachstums waren aber bald wieder grössere Teile notwendig. Eine Besonderheit ist die ‹Chüeliuhr› an der Uhrenkette, ein Erbstück meines Grossvaters. Ebenso hat jede historische Münze an der Uhrenkette eine besondere Geschichte oder ist ein Geschenk von Bekannten. Die Art, wie die Uhrenkette getragen wird, verrät, ob der Träger aus Inner- oder Ausserrhoden kommt.

Mit ihrem roten Brusttuch und dem Schmuck aus Messing, Gold und Silber ‹strahlt› die Appenzeller Tracht für mich richtig. Ich trage sie bei allen meinen Auftritten als Hackbrettler, auch wenn es im Sommer mit den braunen Trachtenhosen schon mal etwas warm werden kann. Mit einer Tracht ist man einfach ‹aagleit› und macht eine gute Falle. Eine Uhr am Handgelenk gehört übrigens nicht dazu, und auch die Gesässtasche fürs Portemonnaie fehlt.»

Peter (50) und Silvia Rymann (58), Jodler

«Die grüne Obwaldner Werktagstracht habe ich von meinen Eltern bekommen, da war ich 15 Jahre alt. Diese Tracht gibt es noch in Braun und Blau. Zugleich habe ich von meinen Eltern auch die Obwaldner Sonntagstracht erhalten. Diese habe ich oft bei Auftritten mit meiner verstorbenen Schwester Annemarie getragen. Jetzt bin ich nur noch mit meiner grünen Tracht anzutreffen. Sie ist schlicht, einfach und bequem. Mit dieser Tracht könnte ich joggen, turnen und wandern – auch tanzen geht wunderbar und lange! Mein Bruder Peter hat eine Obwaldner Trachtenbluse mit Hut, die er vom Jodlerklub Giswil bekommen hat und mit der er bei öffentlichen Auftritten immer korrekt angezogen ist, aber er trägt sie auch bei Freud und Leid in der Kirche und bei Auftritten mit dem Jodelklub. Wir beide sind in unseren Trachten vom 28. bis 30. Juni am Zentralschweizerischen Jodlerfest in Sempach zu sehen, wovon wir Botschafter sind. An unseren Trachten ist nichts herausfordernd. Aber Sorge tragen sollte man natürlich schon. Wenn reinigen, dann in einer Reinigung. Auf keinen Fall selbst waschen. Besser noch ist, sie nach draussen zu hängen zum Durchlüften, idealerweise bei Nebelwetter. Generell finden wir es wichtig, die Tracht mit Stolz und Freude zu tragen und unser Brauchtum zu pflegen.»

Miss Helvetia (43), Jodlerin und Sängerin

«Ich habe nicht nur eine Tracht, sondern etwa 16 verschiedene. Mit den verschiedenen Schürzen gibt es schlussendlich 25 Kombinationen. Ich hatte immer meine eigenen Trachten, und als mein Mutti zu den Engeln ging, habe ich noch einige geerbt. Ich habe 3 Simmentaler Wärchtigstrachten, 2 Simmentaler Sonntagstrachten, 1 wollige Berner Tracht, 4 Berner Sonntagstrachten, 1 Tschöplitracht, 4 Gotthelftrachten und 1 Freudenbergertracht. Jede einzelne erzählt eine Geschichte, und es ist das Kostüm, welches ich in meinem Leben am meisten getragen habe. Die Tracht gibt mir ein gutes Körpergefühl, und ich muss nicht überlegen, was zusammenpasst. Wichtig ist, dass sie massgeschneidert angefertigt wird und perfekt auf den Körper passt. In meinen Bühnenshows komme ich deshalb aber manchmal an meine Grenzen. Da das Korsett sehr eng ist, kann ich den Rücken nicht biegen, somit ist es schwierig, einen Purzelbaum zu machen. Jedoch zelebriere ich an meinen Auftritten den Spagat oder tanze mit den Spitzenschuhen Ballett. Schwitzen oder frieren tut man in der Tracht sehr schnell. Ein bequemer und grosser Wintermantel ist immer zur Stelle. Beim Schwitzen ist es schwieriger. Ich habe aber jeden Auftritt und Videodreh durchgezogen – auch bei 40 Grad!»

Die Geschichte der Tracht

Als Tracht bezeichnet man die regionalspezifische festliche Kleidung der ländlichen Bevölkerung. Menschen begannen sie im 18. Jahrhundert als Ausdruck des gestiegenen Regional- und Standesbewusstseins zu tragen. Während des 19. Jahrhunderts wurden die Trachten wegen der zunehmend populären moderneren städtischen Kleidung mehrheitlich wieder abgelegt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Tracht zu einem Bekenntnis zur heimatlichen Gesinnung. Die Herstellung und das Tragen von Trachten unterliegen kantonal unterschiedlichen Regeln. Als Grundsatz gilt, dass man Trachten nicht ausleihen und nur jene des Heimatoder Wohnorts tragen darf. Zudem sollten sie bei repräsentativen Anlässen nicht mit anderen Kleidungsstücken kombiniert werden. 

Als Tracht bezeichnet man die regionalspezifische festliche Kleidung der ländlichen Bevölkerung. Menschen begannen sie im 18. Jahrhundert als Ausdruck des gestiegenen Regional- und Standesbewusstseins zu tragen. Während des 19. Jahrhunderts wurden die Trachten wegen der zunehmend populären moderneren städtischen Kleidung mehrheitlich wieder abgelegt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Tracht zu einem Bekenntnis zur heimatlichen Gesinnung. Die Herstellung und das Tragen von Trachten unterliegen kantonal unterschiedlichen Regeln. Als Grundsatz gilt, dass man Trachten nicht ausleihen und nur jene des Heimatoder Wohnorts tragen darf. Zudem sollten sie bei repräsentativen Anlässen nicht mit anderen Kleidungsstücken kombiniert werden. 

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Matthias Sempach (38), Landwirt

«Schon als kleiner Junge habe ich die Tracht getragen. Zusammen mit meinem Bruder war ich im Chinderjodlerchörli und trug den ‹Chüjer-Mutz› jeweils bei Auftritten. Meine eigene Tracht habe ich als Gutschein an einem Schwingfest gewonnen. Ich durfte mir damit meinen Berner Chüjer-Mutz massschneidern lassen und habe noch heute viel Freude an diesem schönen Gewand. Die Trachten in der Schweiz sind wie ein Heimatschein. Anhand der Tracht kann ich herausfinden, aus welcher Region die Person stammt oder wo ihre Wurzeln sind. Mit einer Tracht ist man einfach angezogen. Sie symbolisiert für mich Bodenständigkeit und Feierlichkeit. Als Schwinger habe ich die Tracht immer zu den Siegerehrungen angezogen. Wenn man als Sennen-Schwinger vor die Ehrendamen treten darf, gehört es sich, dass man die Tracht trägt. Heute trage ich das edle Gewand zu ganz speziellen Anlässen – für mich ist die Tracht ein Festkleid. Ich habe sie zum Beispiel auch bei der Taufe unserer Tochter Paula angezogen. Wenn ich in die Tracht steige, fühle ich mich sofort festlich und gut angezogen. Ich bin stolzer Träger des Trachtengewands und freue mich, wenn ich sehe, dass auch meine Kinder Freude empfinden, wenn sie ihre Tracht anziehen dürfen. Das Tragen der Tracht zu besonderen Anlässen ist eine Tradition, die ich gerne weitergebe.» 2013 trägt Matthias Sempach bei der Ehrung zum neuen Schwingerkönig den Berner «Chüjer-Mutz».

Nadja Räss (44), Jodlerin und Gesangspädagogin

«Da ich verschiedene Trachten besitze, gibt es auch unterschiedliche Geschichten. Drei meiner Trachten durfte ich von jemandem erben, die sie schon lange und mit viel Herzblut getragen hat. Ich fände es spannend, wenn diese Kleidungsstücke sprechen könnten, sie haben bestimmt schon viel erlebt, und mit mir sind noch ein paar Geschichten hinzugekommen. Besonders gefällt mir der Schmuck meiner Appenzeller Tracht, diesen trage ich manchmal auch einfach so. An der Einsiedler Festtagstracht mag ich, dass sie einen festlich kleidet. Ich trage sie in einer etwas unüblichen Farbe, in einem schönen Dunkelblau. Ich ziehe die Tracht vor allem an Auftritten mit meinem Chor an oder wenn ich mit einem eher traditionellen Repertoire auftrete. Und natürlich an den Jodlerfesten. Die Kopfbedeckung bei der Einsiedler Festtagstracht, die sogenannte Haube, ist nicht ganz ohne. Ich muss mir gut überlegen, wann ich diese anziehe, Auto fahren geht damit zum Beispiel nicht. Doch es gibt auch Vorteile: An einem Jodler- oder Trachtenfest sieht man seine Trachtengspändli schon von weitem. Es hilft, wenn man beim Anziehen ein gewisses System hat. Ich ziehe jede Tracht immer in der gleichen Reihenfolge an, denn so gehe ich sicher, dass ich die Bluse nicht ‹verwurstle›, bevor ich auf der Bühne stehe, oder die Kette nicht aushänge, wenn ich den Jupe anziehe.»

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Bernhard Betschart (47), Jodler

«Ich bin auf einem stotzigen Bergbauernhof hoch ob dem Muotatal aufgewachsen. Meine Eltern hatten keine Trachten vererbt bekommen und auch kein Geld, um eine solche zu erwerben. So kam es, dass mein Vater, ein urchiger, bärtiger Bergler, eine eigene Art von ‹Tracht› zusammenstellte: weisses Hemd, schwarze Hosen, schwarze Tanzschuhe und einen Chüeligurt. Dazu je nachdem ein weisses oder blaues besticktes Hirtenhemd. Durch meinen Vater wurde ich inspiriert, diese einfache Tracht zu übernehmen. Mir gefällt die Schlichtheit und die Eigenheit der Tracht. Ganz besonders gefällt mir mein persönlich gestalteter, mit Silber beschlagener Gurt. Die darauf ziselierten Details erzählen alle ihre eigenen Geschichten: das Muotataler Wappen, das Betschart-Wappen, ein Notenschlüssel. Ich trage meine Tracht vorwiegend an meinen folkloristischen Konzerten, an einem Jodlerfest, beim Männerchor Heimweh unter dem Mutz, seltener auch mal an einem meiner Juuz-Workshops. Dabei achte ich darauf, dass das Edelweisshemd fleckenfrei und gebügelt, die Schuhe sauber und die Silberbeschläge am Gurt poliert sind.»

Francine Jordi (46), Schlagersängerin

«Die Tracht auf dem Kinder-Foto war ausgeliehen für eine Hochzeit von Verwandten in Deutschland, da ich damals noch keine eigene Tracht hatte. Mit 9 Jahren stand ich dann das erste Mal mit meiner Familie auf der Bühne im Kursaal Interlaken, wir jodelten und brachten den Touristen unsere Schweizer Volksmusik näher. Natürlich in Tracht – also meine Schwestern. Da eine dritte Tracht nicht ins Familienbudget passte, blieb für mich der Kinder-Chüjer-Mutz von meinem Onkel übrig. Mit 14 Jahren habe ich dann von meinen Eltern eine eigene, massgeschneiderte Tracht bekommen. Eine Berner Sonntagstracht. Auf die bin ich heute noch sehr stolz! Sie ist mit ihrem Schmuck sowie dem schwarzen Samt und dem roten oder blauen Seidenschurz eine Augenweide. Eine Tracht zu tragen, bedeutet für mich Wurzeln, Tradition, Heimat – alles Themen, die ich in der heutigen Zeit als wichtig erachte. Ich trage sie, wenn es der Dresscode verlangt, und fühle mich dabei sehr gut. Wobei ich auch sagen muss: Der schönste Moment ist, wenn man das Mieder wieder ausziehen kann. Das Sitzen mit dem Mieder ist herausfordernd, besonders im Auto.»

Das sind die Höhepunkte

Am Eidgenössischen Trachtenfest in Zürich werden am Wochenende hunderttausend Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz erwartet. Es wird in der Innenstadt ganz viele Jodelkonzerte, Trachtenausstellungen, Alphornkurse, Kinderfeste und am Sonntag schliesslich einen grossen Umzug geben.

Freuen Sie sich auf folgende Highlights am grossen Heimat-Fest, das nur alle zwölf Jahre stattfindet:

Freitag, 28 Juni:

12 bis 21 Uhr: Trachtenausstellung

13 Uhr: Eröffnungsumzug mit der Stadtmusik

18 Uhr: Appenzeller Abend 20 Uhr: Volkstanz nonstop und Konzert der Trachtenchöre

Samstag, 29 Juni:

10 Uhr: offenes Singen

11 Uhr: Volkstanz- und Kinderfest

18 Uhr: Live-Sendung «Potzmusig»

20 Uhr: Konzert Oesch’s die Dritten

Sonntag 30 Juni:

10 Uhr: Festgottesdienst mit TV-Übertragung

11.30 Uhr: Festakt

14 Uhr: Grosser Festumzug

Am Eidgenössischen Trachtenfest in Zürich werden am Wochenende hunderttausend Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz erwartet. Es wird in der Innenstadt ganz viele Jodelkonzerte, Trachtenausstellungen, Alphornkurse, Kinderfeste und am Sonntag schliesslich einen grossen Umzug geben.

Freuen Sie sich auf folgende Highlights am grossen Heimat-Fest, das nur alle zwölf Jahre stattfindet:

Freitag, 28 Juni:

12 bis 21 Uhr: Trachtenausstellung

13 Uhr: Eröffnungsumzug mit der Stadtmusik

18 Uhr: Appenzeller Abend 20 Uhr: Volkstanz nonstop und Konzert der Trachtenchöre

Samstag, 29 Juni:

10 Uhr: offenes Singen

11 Uhr: Volkstanz- und Kinderfest

18 Uhr: Live-Sendung «Potzmusig»

20 Uhr: Konzert Oesch’s die Dritten

Sonntag 30 Juni:

10 Uhr: Festgottesdienst mit TV-Übertragung

11.30 Uhr: Festakt

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