«Unfall hat uns zusammengeschweisst»
Dani Fohrler spricht ungewohnt offen über seine Beziehung

Seit rund 35 Jahren sind Moderator Dani Fohrler und sein Mann Thomas Blum ein Paar. Nun öffnen sie erstmals ihr Solothurner Zuhause – und erzählen von einer Liebe, die früh auf eine harte Probe gestellt wurde.
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Verliebt seit fast vier Jahrzehnten: Dani Fohrler (r.), Moderator Radio SRF 1, und Ehemann Thomas Blum in ihrem Eigenheim in Solothurn.
Foto: Fabienne Bühler

Darum gehts

  • Dani Fohrler und Thomas Blum leben seit 1990 eine liebevolle Partnerschaft
  • 1995 überstand Blum nach schwerem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma
  • Paar plant Zukunft nach Pensionierung: Fokus auf Gesundheit und Zusammenhalt
Patricia Broder
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«Wir haben langsam Hunger», sagt Dani Fohrler (59) lachend und führt auf die Terrasse, wo das Frühstück bereitsteht. Es ist später Vormittag. Für den SRF-Moderator und seinen Mann Thomas Blum (64) ist das längst Brunch-Zeit.

«Ein gutes Frühstück ist ein guter Start in den Tag», sagt Thomas und reicht seinem Mann den Brotkorb. «Aber die Zeit dafür hast du nicht einfach», wirft Dani ein. «Die nimmst du dir.» Der Tisch ist liebevoll gedeckt. Es gibt Käse und Eier, selbst gemachte Konfitüre und ein Sauerteigbrot, das Thomas frisch gebacken hat. Sein Erstberuf ist Bäcker-Konditor; heute arbeitet er als Sozialpädagoge und Coach.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

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Während er den knusprigen Laib anschneidet, begutachtet Dani die Früchte. Die Beeren hat er bereits am Vorabend bereitgelegt. «Erdbeeren direkt aus dem Kühlschrank – das ist ein Seich. Die müssen chambriert sein», sagt Dani und lacht. «Ich liebe das Wort chambriert.» Das Haus, das sie 2008 im Norden der Stadt Solothurn bauen liessen, wirkt mit seinen verschiedenen Blautönen und dem Holz maritim, fast wie eine Villa im Süden. «Unser Haus ist unser grösstes gemeinsames Projekt», sagt Dani. «Und unsere Oase.»

Nun gewähren die beiden erstmals gemeinsam Einblick. «Für mich ist es speziell, von uns zu erzählen», sagt der Moderator, der sonst die Fragen stellt. Zudem wollte sich Thomas in den vergangenen Jahrzehnten lieber im Hintergrund halten. «Aber jetzt sind wir alt», sagt dieser grinsend. «Jetzt finde ich es okay.»

Liebe und schwerer Unfall

Kennengelernt haben sich die beiden Anfang der 90er-Jahre im «Bigoudi», damals ein Solothurner Bistro und Treffpunkt für schwule Männer. Dani trat dort an der Fasnacht als Tina Turner auf. Thomas fiel ihm mit seinem rosaroten Pullover sofort auf. «Der Pulli stand ihm sehr gut», erinnert sich Dani. Auch für Thomas war es Liebe auf den ersten Blick. «Ich finde, Dani ist ein schöner Mann», sagt er und blickt zu seinem Partner. Er schätze seine Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft – «und seine Begabung, auf Menschen einzugehen».

1995 wurde ihre damals noch junge Liebe auf eine schwere Probe gestellt. Thomas erlitt bei einem Autounfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und lag wochenlang im Koma. «Wir wussten nicht: Kommt er überhaupt wieder?», sagt Dani mit Tränen in den Augen. Über seine Homosexualität und seine Beziehung zu Thomas hatte er mit seinen Eltern zuvor nicht gesprochen. «Meine ganze Familie erlebte damals mit, wie ich um Thomi bangte. Danach waren keine Erklärungen mehr nötig – meine Eltern haben ihn einfach umarmt», sagt Dani und fasst seinen Mann am Unterarm. «Der Unfall hat uns zusammengeschweisst. Bis heute denken wir jedes Jahr an diesen Tag zurück.»

Nach dem Unfall erholte sich Thomas nicht nur, sondern lief später sogar Marathon. Damit brachte er den einst eher unsportlichen Dani zum Joggen. «Ich bin mehrere Marathons gelaufen. Auf den New-York-Marathon bin ich besonders stolz», sagt er. Thomas wiederum entdeckte durch seinen Mann das gemeinsame Frühstücken. Selbst an freien Tagen setzt er sich manchmal um fünf Uhr zu Dani. Und wenn es zeitlich gar nicht reicht? «Dann schreiben wir uns ein Zettelchen», verrät Thomas lächelnd.

Offene Feedbackkultur

Bei aller Harmonie sind dem Paar auch Freiräume wichtig. Beide haben eigene Freundeskreise und verbringen einmal im Jahr eine Ferienwoche getrennt. «Doch wenn es darauf ankommt, sind wir füreinander da», sagt Dani. So begleitet ihn Thomas gelegentlich zu seinen «Persönlich»-Sendungen. «Ich bin jemand, der manchmal mit Ängsten zu tun hat», sagt Dani. «Thomas ist für mich eine wichtige Stütze im Leben – wie auch ich für ihn.»

Auch beim Streiten haben die beiden ihren Weg gefunden. «Dani kann perfektionistisch, dominant und manchmal sehr mit sich selbst beschäftigt sein», verrät Thomas. Dann setze er klare Grenzen und sage auch mal «halt, so nicht!». – «Wir haben eine sehr offene Feedbackkultur. Da erschrecken manchmal Leute auch», ergänzt Dani und lacht. «Für uns passt es. Wir können über alles miteinander reden.»

Nach dem Frühstück beschliessen die beiden, zum nahe gelegenen Schloss Waldegg zu laufen – ein Spaziergang, den sie sonst jeden Abend machen. Fast gleichzeitig setzen sie sich auf die Treppe, um ihre Schuhe zu binden. Thomas schaut zu Dani. «Ah, du trägst kurze Hosen? Dann ziehe ich auch kurze Hosen an.»

«Pensionierung gibt mir schon zu denken»

Unterwegs sprechen sie über den nächsten Lebensabschnitt. Thomas wird im Dezember 65 und teilweise pensioniert, Dani wird im kommenden Jahr 60. «Die baldige Pensionierung gibt mir schon zu denken», gesteht Dani. «Ich bin Idealist bei der Arbeit und lebe für das, was ich mache. Wenn ich das einmal nicht mehr habe, weiss ich nicht so recht, was dann ist.»

Einen konkreten Plan für die Zukunft haben die beiden bewusst nicht. Von einem durchoptimierten Leben hält Dani Fohrler ohnehin wenig. «Hör mir auf mit Longevity», sagt er und winkt lachend ab. «Wir leben im Grossen und Ganzen gesund – mit ein paar bewussten Sünden wie gutem Essen und gutem Wein.»

«Mein grösster Wunsch ist es, gut zusammen alt zu werden», fasst Thomas seine Gedanken zusammen. Dani schaut zu ihm und nickt. «Und eigentlich tun wir das ja schon.»

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