Darum gehts
- Mario Muntwyler feiert 20 Jahre Manege und bald seinen 30. Geburtstag
- Wegen Arthrose erhielt er 2026 eine Hüftprothese, trainiert trotzdem weiter
- Im Finale jonglierte er mit 10 Bällen; Weltrekord liegt bei 14
Stimmengewirr aus Französisch, Deutsch und Englisch hallt durch das ikonische rot-gelbe Chapiteau-Zelt des Circus Monti. Obwohl heute keine Vorstellung auf dem Programm steht, herrscht reges Treiben. Die Artistinnen und Artisten wärmen sich für ihr Training auf. Mittendrin steht Mario Muntwyler. Der 29-Jährige schäkert mit der Crew, wechselt mühelos zwischen den Sprachen und legt die Jonglierbälle für seine Probe bereit.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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«Das Üben alleine macht mir am wenigsten Spass», gesteht der Jongleur. Sein Glück: In dieser Saison performt er im Duo mit dem Kanadier John Witte (29). «Diese Kombination treibt mich an, meine Grenzen neu zu stecken.» Erst kürzlich gelang ihm eine neue Spitzenleistung mit zehn Bällen gleichzeitig. «Der aktuelle Weltrekord liegt bei 14 Bällen», meint er stolz.
«Mir fehlte die Abwechslung»
Seine Begabung kommt nicht von ungefähr. Bereits sein Vater Johannes Muntwyler (62) hat sich weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen als Jongleur gemacht. «Er ist ein Vorbild für mich», sagt Muntwyler. Schon als Kind habe er ihm gebannt zugesehen und davon geträumt, selbst in der Manege zu stehen – was er mit seiner spitzbübischen Art schliesslich selbst eingefädelt hat. Eigentlich sollten 2003 nur Vater Johannes und Bruder Tobias als Diabolo-Duo auftreten.
Der damals sechsjährige Mario schlich sich aber wenige Tage vor der Premiere heimlich in die Nummer und empfahl sich dem Regisseur. Es reichte gerade noch für ein Kostüm. Seither ist er aus der Manege nicht mehr wegzudenken. Doch er gesteht, auch Krisen gehabt zu haben: «Deshalb verliess ich nach meiner KV-Lehre den Zirkus mit dem Wunsch, an anderen Orten als Jongleur aufzutreten. Lange hielt ich es aber nicht aus – mir fehlte die Abwechslung. In meinen Adern fliesst nun mal Zirkusblut.»
In diesem Jahr feiert er während der Tournee sein 20-Jahre-Jubiläum in der Manege. «Es ist verrückt, wie die Zeit vergeht. Gleichzeitig führt es einem vor Augen, wie sich alles verändert hat.» Die Sägemehl-Zeiten sind vorbei, Tiere gibt es keine mehr. Das Zelt ist modernisiert, doch die Romantik geblieben. «Wir spicken Tradition bewusst mit Innovationen», sagt der Junior-Chef. «Klar ist aber: Zirkuszauber braucht Nostalgie und daran halten wir fest!»
Schmerz hinter den Kulissen
Mario Muntwylers Meilenstein im Scheinwerferlicht ist keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick hinter den schimmernden Samtvorhang zeigt. Im Hinterzelt zwischen Requisiten und Technik-Kisten sorgt die hochgekrempelte Zeltplane für schummriges Licht. Muntwyler begrüsst Elias Grillo herzlich, ehe er sich auf die Liege legt. «Streck dein Bein nach aussen», fordert ihn der Physiotherapeut auf und führt die Bewegung mit gezieltem Griff. Der Therapeut weicht Mario seit Monaten nicht von der Seite.
Durch jahrelanges Training und harte körperliche Arbeit hatte sich beim Jongleur eine schmerzhafte Arthrose entwickelt. «Es gab Momente, da konnte ich vor Schmerzen kaum mehr gehen», erinnert er sich. Anfang 2026 musste sich der Artist schliesslich einer Operation unterziehen und erhielt eine Hüftprothese auf der linken Seite. Ein Eingriff, der sonst meist ältere Menschen betrifft. Dank konsequentem Training kämpfte er sich zurück auf die Bretter. Dass der Physio nun regelmässig auf den Platz kommt, nützt dem ganzen Team: «Ohne gesunde Mitarbeitende gibt es keine Show.»
Liebe und Freiraum auf Rädern
Neben der medizinischen Betreuung war vor allem sie seine stärkste Stütze: Freundin Nicole Martres (28). Die argentinische Artistin lernte er 2024 kennen. «Mein Onkel war der Amor unserer Liebesgeschichte», verrät Mario schmunzelnd. Er führte damals Regie und engagierte Martres. «Auf Tournee lernt man sich extrem intensiv kennen – entsprechend hat es ein Jahr später zwischen uns gefunkt.»
Mittlerweile teilen sich die beiden Mario Muntwylers Wohnwagen. Auf 25 Quadratmetern ist von der Küche bis zur Waschmaschine alles da. Zu eng? Platzangst? «Keineswegs!», sagen beide lachend. «Wir sind das gewohnt», meint Muntwyler. Seine Freundin ergänzt scherzend: «Ich habe eher im Winter das Gefühl, dass wir zu viel Platz haben.» Dann ziehen die zwei jeweils in ihre gemeinsame Wohnung nach Baden AG. Genauso unaufgeregt blicken sie auf das Thema Hochzeit. «Heiraten ist nicht so mein Ding, wohl wegen der Trennung meiner Eltern», erklärt er offen. «Aber sag niemals nie. Wir geniessen einfach das Jetzt.»
Ohnehin steht bald das nächste grosse Fest an: Am 6. Oktober feiert Mario Muntwyler seinen 30. Geburtstag – mitten im Tournee-Trubel beim Gastspiel in Bern. Das schönste Geschenk macht er sich bis dahin jeden Abend im Scheinwerferlicht gleich selbst. «Auch nach 20 Jahren hat der Moment des Finales eine ganz eigene Magie», schwärmt der Jubilar. «Man blickt ins Publikum, sieht die strahlenden Gesichter – und spürt diese pure, unbezahlbare Energie im Raum. Dafür mache ich das alles.»