Darum gehts
- Janosch Nietlispach (37) und Alina (31) trennen sich nach sieben Monaten Ehe
- Das Paar hat zwei Kinder
- Expertin: Trennung beeinträchtigt Babys nicht, wenn Eltern verlässlich bleiben
Am Sonntag gab Janosch Nietlispach (37) das Aus der Beziehung mit seiner Frau Alina (31) bekannt. «Wir haben es probiert und sind gescheitert», schreibt der Ex-Bachlor zu einer Serie von Bildern auf Instagram.
Erst im letzten Sommer heiratete das Paar – genau fünf Jahre nach ihrem Kennenlernen. Wenige Monate später wurden Janosch Nietlispach und seine Alina zum zweiten Mal Eltern: Am 13. November 2025 kam ihre Tochter Amy zur Welt. Es war genau zwei Jahre nach der Geburt ihre Sohnes Sunny.
«Zwei Kinder, die für immer Teil von uns sind. Zwei Herzen, die uns ein Leben lang verbinden werden – egal welchen Weg wir als Paar nun gehen», schreibt Janosch Nietlispach in seinem Trennungs-Statement auf Instagram. Sie hätten sich mit Blick auf die Kinder entschieden, den Schritt der Trennung bewusst und respektvoll zu gehen. «Kinder brauchen kein perfektes Bild nach aussen – sie brauchen ein Umfeld, das ihnen Halt gibt und in dem sie gesund aufwachsen können.
Expertin erklärt: Eine Trennung muss für ein Baby kein Problem sein
Die ersten Monate mit einem Baby gelten als eine der intensivsten Phasen im Leben als Eltern: voller Nähe, Hoffnung und Erschöpfung. Wenn ausgerechnet in dieser Zeit eine Beziehung zerbricht, gerät nicht nur das Paar ins Wanken, sondern das gesamte Familiensystem. Wo soll das Baby künftig schlafen? Wie oft soll es den anderen Elternteil sehen? Und spürt es den Konflikt?
Auch wenn Säuglinge die Gründe einer Trennung nicht verstehen, reagieren sie sensibel auf Spannungen und Veränderungen. Gleichzeitig ist das erste Lebensjahr entscheidend für den Aufbau sicherer Bindungen. Kann das unter zwei Dächern gelingen? Und was brauchen Babys und ihre Eltern in dieser Ausnahmesituation besonders? SI Online (in Zusammenarbeit mit Blick) hat bei Manuela Gröber, langjährige Mütter- und Väterberaterin bei Pro Juventute, nachgefragt.
SI Online: Manuela Gröber, was bedeutet eine Trennung für ein Baby im ersten Lebensjahr aus entwicklungspsychologischer Sicht?
Manuela Gröber: Wenn Eltern die Situation gut handhaben und das Wohl des Kindes ins Zentrum stellen, muss eine Trennung für ein Baby kein Problem sein. Ein Baby hat in der Regel von Anfang an zwei Bezugspersonen. Entscheidend ist, ob diese weiterhin verlässlich da sind. Mit etwa vier Monaten reagieren Babys zunehmend differenziert auf vertraute und weniger vertraute Personen. Sie können irritiert reagieren, wenn jemand sehr forsch auf sie zugeht oder ihre Signale nicht liest. Um den achten Monat zeigt sich oft eine ausgeprägte Fremdelphase. Das Kind sucht aktiv nach seinen Hauptbezugspersonen und kann auf unbekannte oder selten gesehene Personen mit Weinen reagieren. Babys sind stark auf Bindung ausgerichtet. Sie entwickeln in diesem ersten Jahr grundlegendes Vertrauen zu ihren Bezugspersonen, das ihnen Sicherheit gibt. Für das Kind ist weniger entscheidend, dass die Eltern zusammenleben, sondern dass beide Eltern verlässlich, feinfühlig und emotional präsent bleiben.
Können Babys eine Trennung «verstehen» oder reagieren sie primär auf Spannungen und Veränderungen?
Babys können eine Trennung nicht wie wir Erwachsene «verstehen», sie reagieren jedoch sehr sensibel auf emotionale Spannungen und veränderte Stimmungen. Kinder verfügen über erstaunlich feine Antennen. Schon während der Schwangerschaft nehmen sie emotionale Zustände wahr. Wenn sich Spannungen häufen, teilen Babys sich über Weinen, Unruhe oder verändertes Schlaf- und Essverhalten mit. Anders gesagt: Sie reagieren nicht auf das «Konzept Trennung», sondern auf das emotionale Klima. Ein ruhiges, stabilisierendes Umfeld und die Verlässlichkeit der Bezugspersonen sind daher entscheidend für ihr Sicherheitsgefühl.
Wie können beide Eltern trotz Trennung eine stabile, sichere Bindung zum Baby aufbauen?
Eine sichere Bindung entsteht durch drei zentrale Erfahrungen: Vertrautheit, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit. Wenn ein Baby erlebt, dass eine Bezugsperson seine Signale wahrnimmt, feinfühlig reagiert und emotional erreichbar bleibt – durch Trösten, Füttern, Blickkontakt, oder gemeinsames Spielen – dann entsteht Sicherheit. Diese Bedürfnisse ernst zu nehmen, ist kein Verwöhnen, sondern wichtige Beziehungsarbeit. Können beide Eltern dies bieten, ist eine tragfähige Basis gelegt, unabhängig, ob sie als Paar zusammenleben oder nicht.
Wie sollten Besuchs- oder Betreuungsmodelle bei Babys idealerweise gestaltet sein?
Es gibt kein Modell, das für alle Familien gleichermassen passt. Entscheidend ist, dass die Lösung für alle Beteiligten stimmig ist. Im Zentrum steht immer das Kindeswohl. Das passende Betreuungsmodell kann sich im Laufe der Zeit ändern und muss flexibel angepasst werden. Grundsätzlich wachsen Babys in ihre jeweilige Lebenssituation hinein und können mit unterschiedlichen Modellen gut zurechtkommen. Wichtig ist, sich zu fragen: Was braucht das Baby im aktuellen Moment? Auch praktische Faktoren spielen eine Rolle: Liegen die Wohnorte der Eltern weit auseinander, können längere Betreuungsintervalle sinnvoll sein. Wohnen sie nah beieinander, sind häufigere Übergaben möglich. Weitere Aspekte wie die Wohn- und Arbeitssituation oder das Stillen können ebenfalls Einfluss haben. Zentral für ein gelingendes Modell sind verlässliche Absprachen, die Kooperationsbereitschaft der Eltern und möglichst konfliktfreie Übergaben.
Wie lässt sich eine Trennung am besten organisieren, wenn das Baby noch gestillt wird?
Organisatorisch ist vieles möglich, etwa durch Abpumpen, Sammeln und Weitergeben von Muttermilch. Das bedeutet jedoch einen Mehraufwand für die Mutter, der berücksichtigt werden muss. Betreuungsmodelle sollten Stillrhythmen respektieren. Auch hier gilt: individuelle, pragmatische Lösungen suchen, zumal sich Babys an verschiedene Situationen gewöhnen können.
Was braucht ein Baby, um sich bei beiden Eltern sicher zu fühlen?
Ein Baby fühlt sich sicher, wenn beide Eltern emotional und körperlich präsent sind, feinfühlig auf seine Signale reagieren und seine Bedürfnisse ernst nehmen. Ein respektvoller Umgang zwischen den Eltern stärkt das Sicherheitsgefühl, Spannungen hingegen können es reduzieren. Dabei müssen Mami und Papi nicht alles gleich handhaben. Unterschiedliche Rituale oder Abläufe sind kein Problem. Entscheidend ist vielmehr eine stabile, vertrauensvolle Beziehung zu beiden Elternteilen, auf der das Kind seine Bindung entwickeln kann.
Welche Kommunikationsregeln empfehlen Sie frisch getrennten Eltern mit einem Baby?
Für Eltern, die sich getrennt haben, steht das Wohl des Kindes an erster Stelle, und dass sich die Kommunikation am Kind orientiert. Paarkonflikte sollten konsequent von elterlichen Themen getrennt werden. Es ist wichtig, sachlich zu bleiben und vor dem Kind nicht wertend über den anderen Elternteil zu sprechen. Kritik sollte nicht über das Kind ausgetragen werden. Den Vater zum Beispiel bei der Übergabe sofort zu kritisieren, weil das Kind angeblich «falsch gewickelt» wurde, ist nicht sehr hilfreich. Es kann auch sinnvoll sein, Absprachen schriftlich festzuhalten, um Missverständnisse zu vermeiden. Ebenso wichtig ist der regelmässige Informationsaustausch über Schlaf, Essen, Vorlieben oder Auffälligkeiten des Babys. Wenn Gespräche blockiert sind oder Konflikte zu stark belasten, kann externe Unterstützung – zum Beispiel Beratung oder Mediation – helfen, die Zusammenarbeit als Eltern zum Wohle des Kindes zu verbessern.
Wie wichtig sind Rituale, feste Übergaben, vertraute Gegenstände?
Strukturen und Rituale, aber auch ein vertrautes Nuscheli oder ein Stofftier geben Babys viel Halt. Gleichzeitig dürfen Rituale in beiden Haushalten unterschiedlich aussehen, zum Beispiel, wenn man beim Papi vor dem Schlafengehen noch im Bett herumturnen kann, bei Mami aber nicht. Entscheidend ist Verlässlichkeit, nicht Gleichförmigkeit.
Eine Trennung kurz nach der Geburt fällt oft in eine ohnehin vulnerable Phase. Wie beeinflussen Wochenbett, Schlafmangel und hormonelle Veränderungen die Situation?
Das Wochenbett ist durch massive körperliche und emotionale Umstellungen geprägt. Schlafmangel, hormonelle Veränderungen und die Aufgabe, ein Neugeborenes kennenzulernen und «lesen» zu lernen, ist eine enorme Herausforderung, und das rund um die Uhr. Zusätzlich können gesellschaftliche Idealbilder, in denen Mutterschaft scheinbar mühelos und perfekt inszeniert wird, das Gefühl verstärken, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Das kann Stress und Druck noch erhöhen.
Gerade in dieser vulnerablen Phase ist deshalb Unterstützung besonders wichtig. Ein tragendes Umfeld hilft Elternteilen, die Bindung zum Kind zu stärken und die ersten Wochen nach der Geburt besser zu bewältigen. Praktische Hilfe kann zum Beispiel darin bestehen, dass jemand Essen vorbeibringt, im Haushalt entlastet oder einfach emotional und ohne Wertung begleitet. Die beiden Elternteile sollten diese Unterstützung bewusst annehmen, sei es durch Familie, Freund/innen oder professionelle Fachstellen. Solche Angebote entlasten, reduzieren Druck und tragen dazu bei, dass die beiden Elternteile ihre neue Rolle gestärkt und stabil erleben können, was sich wiederum auch positiv auf das Baby auswirkt.
Gibt es besondere Risiken für postpartale Depression oder Überforderung in Trennungssituationen?
Eine Trennung kann ein zusätzlicher Risikofaktor sein, neben der ohnehin grossen Umstellung nach der Geburt. Schuldgefühle oder finanzielle Sorgen können zum Beispiel ebenfalls belasten. Gleichzeitig gilt: Eine postpartale Depression kann auch in stabilen Partnerschaften auftreten. Eine Trennung bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung. Alleinerziehend zu sein kann unter Umständen auch Ressourcen freisetzen, etwa ein starkes Befreiungs- und Autonomiegefühl.
Können Kinder trotz früher Trennung genauso sicher gebunden aufwachsen?
Familienform ist nicht gleichbedeutend mit Bindungsqualität. Klar, eine Trennung ist eine grosse Umstellung für die Eltern, besonders im ersten Lebensjahr eines Kindes. Entscheidend ist jedoch, dass die Eltern Verantwortung übernehmen, kommunizieren und dem Baby Sicherheit vermitteln. Wenn Kinder verlässlich, feinfühlig und stabil begleitet werden, können sie unabhängig von der Familienkonstellation sicher gebunden aufwachsen. Eltern leisten in dieser Phase enorm viel. Das verdient Anerkennung, Verständnis und Unterstützung.
Wann sollte professionelle Hilfe beigezogen werden?
Sobald Eltern das Gefühl haben, dass die Situation sie überfordert. Dazu können Anzeichen gehören wie längerfristige Traurigkeit, Freudlosigkeit, oder Zweifel an den eigenen Fähigkeiten als Mutter oder Vater. Auch für die Kommunikation mit dem anderen Elternteil kann Unterstützung hilfreich sein, insbesondere, wenn Konflikte den Alltag belasten. Am besten ist es, wenn Eltern selbst merken, dass sie Hilfe brauchen, und den Schritt eigenständig gehen. In akuten Situationen kann natürlich auch das Umfeld aufmerksam werden und «einschreiten». Wichtig ist: Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil, es ist ein zentraler Schritt, um für das Kind und sich selbst die bestmögliche Unterstützung sicherzustellen.