Darum gehts
- Sängerin Fannie Wilkens erhebt Vorwürfe gegen Stefan Raab und «Chefsache ESC 2025»
- Bernerin kritisiert schlechte Behandlung und finanzielle Belastung durch die Show
- Über 3000 Bewerbungen, nur 15 Teilnehmer, Fannie fühlte sich als Lückenfüller
Gnadenlos rechnet sie ab. In einem zwei Minuten langen Tiktok-Video erhebt die Berner Sängerin Fannie Wilkens (42) schwere Vorwürfe gegen das einst gehypte RTL-Format «Chefsache ESC 2025» von Stefan Raab (59). Was ihr hinter den Kulissen passierte, war für die Singer-Songwriterin ein Drama mit schlimmen Folgen.
Dabei schien es ursprünglich ein Privileg: Als einzige Schweizerin schaffte sie es aus über 3000 Talenten unter die letzten 15 des deutschen Castingshow-Experiments. Auch wenn sie den Namen Raab und den Titel des Formats in dem über 30'000 Mal aufgerufenen Beitrag nicht explizit nennt, ist durch Hinweise wie Zeitraum, Anzahl Bewerbungen und Musik-TV-Show klar, worum es geht – was sie Blick gegenüber auf Nachfrage auch bestätigt.
Nach der Show kam die Depression
Kurz zuvor hatte Wilkens einen grossen Social-Media-Erfolg gefeiert: Per Tiktok-Aufruf gewann sie Star-Rapper Sido (45) für ein Feature ihres Songs «Easy». Doch die Zeit bei RTL fühlte sich alles andere als leicht an. Als sie es in Raabs Show schaffte, habe sie zunächst gedacht: «Wie geil ist das denn, ich habe mich wirklich gefreut.» Das zuständige Team sei total nett gewesen, «fast ein bisschen zu lieb, so, dass man sich wirklich gut gefühlt hat».
Ganz anders habe sie die Jury und den Hauptmoderator erlebt. «Die haben mich behandelt wie Dreck am Schuh», sagt die Musikerin. Nach der ersten Show habe sie nicht nur ihre Euphorie verloren, sondern auch ihr Vertrauen – es sei zu Misstrauen geworden. «Mittlerweile denke ich, ich war da als Lückenfüller. Da kamen Leute weiter, die live wirklich nicht singen konnten. Und andere, die geil gesungen haben, sind nicht weitergekommen.»
Nach dem Ende des ganzen Rummels um die deutsche Vorausscheidung «bin ich in eine ziemlich krasse Depression gefallen». Es habe gedauert, bis sie wieder zu sich selbst gefunden habe.
Die Wunden sind mittlerweile geheilt
Gegenüber Blick ergänzt Wilkens: «Ich hatte eine harte Zeit, weil vor und während der Show Dinge passiert sind, die die Zuschauer nicht mitbekommen haben. Ich will aber weder Raab die Schuld geben noch irgendjemanden in den Dreck ziehen.» Die ganze Show sei für sie einfach eine grosse Enttäuschung gewesen. «Wir mussten Geld für die Produktion der ESC-Songs ausgeben, und viele durften diese nicht einmal live zeigen. So wie ich zum Beispiel.»
Mit ihrem Tiktok-Video wolle sie Menschen inspirieren. «Dass man sich nach einem Sturz wieder aufrichten kann – und dass es mir ein Jahr später wieder super geht.» Aus der Depression habe sie sich selbst gekämpft, «indem ich einfach weitergemacht habe. Wieder auf die Bühne, wieder ins Studio, um neue Songs zu schreiben.» Die ersten Auftritte hätten sich seltsam angefühlt. «Ich musste mein Selbstvertrauen wiederfinden. Mittlerweile sind die Wunden geheilt.»
Die in Berlin lebende Sängerin ist im ersten Halbjahr ausgebucht. Am 13. Juni kehrt sie musikalisch auf die Schweizer Bühne zurück – am Leimentaler Open Air in Oberwil BL.
Stefan Raab scheiterte mit seinem ESC-Experiment am Finale vom 17. Mai letzten Jahres in Basel. Die Sieger seiner Castingshow, das Geschwisterduo Abor & Tynna, landeten mit ihrem Song «Baller» auf Platz 15. Eine Blick-Anfrage liess Raab bislang unbeantwortet.