Darum gehts
- Medienpionier Jürg Marquard (81) verstorben, Schweiz trauert um prägende Persönlichkeit
- Freunde und Wegbegleiter würdigen ihn als warmherzigen, humorvollen und engagierten Menschen
- 1970 gründete er das Magazin «POP – er prägte Schweizer Medienlandschaft nachhaltig
Eine grosse Stimme ist für immer verstummt. Mit dem Tod von Verleger Jürg Marquard (†81) verliert die Schweiz nicht nur einen für die Medienwelt prägenden Mann. Viele verlieren ihren besten Freund, langjährigen Wegbegleiter und kultigen Macher, der sich für nichts zu schade war. Mit würdigenden Worten, schönen, spannenden und witzigen Geschichten nehmen sie Abschied.
Unternehmer Claudio Cisullo (62): Engster Freund
«Mit Jürg Marquard verliere ich heute nicht nur meinen engsten Freund, sondern einen Menschen, der über sehr viele Jahre ein fester Bestandteil meines Lebens war. Mehr als 15 Jahre lang hatten wir praktisch jeden Tag Kontakt. Wir haben Gedanken, Erlebnisse, Sorgen und viele wunderbare Momente miteinander geteilt. Jürg war für mich weit mehr als ein Freund – er war ein Vertrauter, ein Wegbegleiter und ein Mensch, auf den ich mich immer verlassen konnte. Sein Tod nach langer Krankheit macht mich unendlich traurig. Was bleibt, sind tiefe Dankbarkeit für unsere gemeinsame Zeit und unzählige Erinnerungen, die mich für immer begleiten werden. Jürg, Du wirst mir unglaublich fehlen. Ich werde Dich nie vergessen. Ruhe in Frieden, mein Freund. Dein Claudio*.»
TV-Produzent Max Sieber (83): 50 Rappen
«Vor über 50 Jahren haben wir uns bei einem Konzert im Zürcher Volkshaus kennengelernt. Jürg stand am Eingang und verkaufte für 50 Rappen sein Magazin ‹Pop›. Von diesem Moment an waren wir Freunde und haben über all die Jahre eine sehr enge Freundschaft gepflegt – ganz egal, wie es für uns beruflich oder privat gerade stand. Wir haben gemeinsam viele Höhen erlebt, aber auch schwierige Zeiten durchgestanden. Ich habe Jürg zuletzt vor zehn Tagen im Spital besucht. Jürg bleibt mir für immer in Erinnerung, als ein wundervoller, extrovertierter Mensch mit einem riesengrossen Herzen. Er fehlt mir sehr. Seiner Familie wünsche ich von Herzen viel Kraft in dieser schweren Zeit.»
Ex-«Traumjob»-Teilnehmerin Natasha Jackson (52): Sinn für Humor
«Mein aufrichtiges Beileid gilt Jürgs Familie und Freunden. Ich hatte das Privileg, ihn sowohl beruflich während unserer gemeinsamen Zeit bei ‹Traumjob› als auch persönlich in den Jahren danach kennenzulernen. Jürg hatte einen wunderbaren Sinn für Humor – auch darüber, wie er in der Presse dargestellt wurde und sein öffentliches Bild als Unternehmer. Hinter diesem Bild stand jedoch jemand, der viel nachdenklicher und aufrichtiger war, als Vergleiche mit Figuren wie Donald Trump jemals zeigen konnten. Er war aussergewöhnlich freundlich, kontaktfreudig, ohne jemals im Mittelpunkt stehen zu müssen. Es machte Spass, in seiner Nähe zu sein. Er wird von so vielen, die das Glück hatten, ihn zu kennen, sehr vermisst werden.»
Lisa Feldmann (68): Es sind auch Fetzen geflogen
«Jürg war ein wunderbarer Verleger. Er holte mich 1995 zu ‹Cosmopolitan› – für drei irre Jahre bis 1998. Da sind doch oft die Fetzen geflogen, weil Jürg Jürg ist und ich ich bin. Aber es war eine unglaublich lehrreiche und spannende Zeit. Und am Ende ging auch alles gut aus, weil Jürg immer grosszügig, wunderbar und speziell war. Er war wirklich jemand, den ich sehr, sehr, sehr gemocht habe. Dann haben wir uns jahrelang nur aus der Ferne gesehen. Als ich in die Schweiz kam und die Nachricht rauskam, dass ich 2004 als Chefredaktorin bei ‹Annabelle› anfange, bin ich mit meiner Familie zum Brunchen ins ‹Terrasse›. Und da war auch Jürg. Er kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und sagte: ‹Du wirst es so wunderbar machen. Du wirst eine wunderbare Chefredaktorin. Ich freue mich so für Dich. Wunderbar.› Als wir 70 Jahre ‹Annabelle› gefeiert haben, habe ich Jürg natürlich auch eingeladen. Unter anderem, weil er einer der frühen Autoren der ‹Annabelle› war und eine Geschichte geschrieben hatte – man muss sich das vorstellen: ‹Nie wieder St. Moritz› oder ‹Warum eigentlich St. Moritz?›. Es war eine Anti-St.-Moritz-Geschichte, die viele, viele Jahre vor meiner Zeit bei ‹Annabelle› erschienen war. Für die Jubiläumsausgabe haben wir diese Geschichte noch einmal nachgedruckt. Natürlich war Jürg auch auf dem Fest, mit seiner zauberhaften Frau. Wir hatten einen herrlichen Abend und haben gefeiert. Ich habe ihn einfach sehr, sehr gemocht und bin sehr traurig, dass er nicht mehr unter uns ist.»
Alt Bundesrat Adolf Ogi (84): Sehr traurig
«Wir haben uns über die Jahrzehnte immer wieder getroffen, sein Tod stimmt mich sehr traurig. Jürg Marquard hat in der Schweizer Medienwelt viel bewirkt. Er hat stets das Gute in den Menschen gesehen und war immer da, wenn man ihn gebraucht hat.»
Musiker Toni Vescoli (84): Danke, lieber Jürg
«Jürg Marquard verwendete mein Konterfei als Frontseite für die Probenummer der Zeitschrift ‹POP›, seinem allerersten Presseerzeugnis. Gefragt hat er mich nicht, aber ich war ihm nicht böse, denn eine bessere Werbung für mich und meine Sauterelles konnte ich ja gar nicht haben. Auf der allerersten regulären Ausgabe von ‹POP› brachte er Les Sauterelles auf der Titelseite und im Heft eine zwölfseitige Sauterelles-Story. Danke, Jürg! Du wirst wohl da oben im ‹Heavenly Club› so einige von unseren Kollegen treffen. Lass alle herzlich grüssen.»
*Claudio Cisullo ist auch Verwaltungsrat des Ringier-Verlags, zu dem auch Blick gehört.