30 Jahre «Art on Ice»
Das sind die Köpfe hinter der legendären Eisrevue

Es waren einmal ein Eiskunstläufer, ein Radiomann und eine grössenwahnsinnige Idee. Jetzt können Oliver Höner und Reto Caviezel 30 Jahre magische Eislauf-Revue feiern.
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Prost auf 30 Jahre «Art on Ice», da darf es auch eine Magnumflasche sein: Reto Caviezel (l.) und Oliver Höner in Caviezels Wohnzimmer im Zürcher Oberland.
Foto: David Biedert

Darum gehts

  • «Art on Ice» feiert 30 Jahre mit Shows in Zürich, Fribourg, Davos
  • 2004 schrieb die Gala Geschichte: Supertramp vereinte sich erstmals wieder
  • Budget wuchs auf 10–12 Mio. CHF, 80'000 Zuschauer jährlich erwartet
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Ruth Brüderlin
Ruth Brüderlin
Schweizer Illustrierte

Bis zum letzten Moment kann sehr viel schiefgehen: So passt 2013 das Bühnenequipment nicht in den Frachtraum des Flugzeugs nach Helsinki, weil die Masse nicht stimmten. Oliver Höner (59) Mitbegründer von «Art on Ice», erinnert sich mit Schrecken: «Nur eine Stunde vor der ausverkauften Show konnten wir mit dem Material proben, das halt da war – und improvisieren.» Zudem übertrug das finnische Fernsehen die Show im Abendprogramm – live! «Es wurde ein grandioser Erfolg», sagt Reto Caviezel (56) mit maliziösem Lächeln.

Gerade in Stressmomenten funktionierten er und Oliver Höner ohne viele Worte. Und ohne Gejammer. Seit 30 Jahren stemmen Höner und Caviezel mit ihrem Team die preisgekrönte Eiskunst-Gala. Es ist ein aufwendiges Spektakel mit Livemusik und grossen Namen aus Sport- und Showbiz.

Zum 30-Jahr-Jubiläum sind ab Februar neun Shows in Zürich, Fribourg und Davos geplant. Mit Stars, unter anderem James Bay und Stress, den Schweizer Eisstars Lukas Britschgi und Kimmy Repond sowie den Olympiasiegern und dreimaligen Weltmeistern Madison Chock und Evan Bates. Sie gelten als Anwärter auf eine Medaille an den Olympischen Winterspielen, die wenige Tage vor der Premiere von «Art on Ice» stattfinden.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

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Höner war selbst Schweizer Meister und in den weltweiten Top Ten klassiert, als er beschloss, eine Show auf die Beine zu stellen. Mit Reto Caviezel, damals Werbe- und Marketingleiter bei Radio 24, besprach er eine mögliche Medienpartnerschaft. Es endete damit, dass die beiden Männer eine gemeinsame Firma gründeten und sich 1995 unter dem Titel «Eiskunstlauf der Weltklasse» vor 6000 Zuschauern auf die KEK wagten, die Kunsteisbahn Küsnacht an der Zürcher Goldküste.

Künstlerischer Leiter Oliver Höner (oben) und Geschäftspartner Reto Caviezel hatten in 30 Jahren viel Stress, aber kein einziges Mal Krach.
Foto: David Biedert

Von der KEK ins Hallenstadion

Der Abend war ein Erfolg, der Gewinn reichte für ein paar Gläser Whiskey in der Splendid Piono Bar im Zürcher Niederdorf, wo man beschloss: Das machen wir nächstes Jahr wieder – und zwar im Hallenstadion und mit Livemusik! Was keiner ahnte: Aus der Schnapsidee wurde eine Erfolgsstory. Caviezel hatte ein paar Tausend Franken im Sparstrumpf, Höner auch nicht viel mehr. Die ersten Jahre waren eng. «Nie hätten wir gedacht, dass wir es mal mit einem Budget von zehn bis zwölf Millionen Franken und 80'000 Zuschauern zu tun haben», so Caviezel.

Zurück an den Ort, wo alles begann: Reto Caviezel (l.) und Oliver Höner auf der Kunsteisbahn KEK, wo sie die erste Eisshow inszenierten.
Foto: David Biedert

Die Aufgabenteilung funktionierte von Anfang an: Höner kümmert sich um alle künstlerischen Belange. Caviezel um Administratives und Marketing. Allerdings zieht er sich nun aus dem operativen Geschäft zurück. «Wir haben einen CEO eingestellt, Michael Gubelmann hat per 1. Januar 2026 übernommen. Oliver und ich bleiben aber Geschäftspartner und hälftig Inhaber.» 1996 fand die Show zum ersten Mal unter dem Namen «Art on Ice» und im Hallenstadion statt. Gast war der Opernstar Simon Estes. «Ihm gefiel die Idee, Livemusik und Eiskunstlauf zu kombinieren, so gut, dass er am Telefon spontan zusagte», erinnert sich Höner. Ein Jahr später war Operndiva Montserrat Caballé (1933–2018) Stargast, für die Höner «drei, vier Monate oder noch länger» beim Management baggerte, bis es klappte.

1999 wagten sie den Tabubruch: Statt Klassik gab es Popmusik von Chris de Burgh. Einige Zuschauer fanden das zu frech und gingen, 30'000 andere in drei ausverkauften Shows waren begeistert. Musikgrössen wie Zucchero, Mick Hucknall oder Anastacia sind ein Markenzeichen von «Art on Ice». Doch Stars haben so ihre Eigenheiten. Einer war bei der Premiere nicht ganz nüchtern. Alle weiteren Shows habe er aber tadellos performt. Dafür brannte in einem Jahr der Chef der deutschen Partneragentur mit der Kasse durch. «Wir verloren Hunderttausende und wissen bis heute nicht, wo der Kerl steckt», sagt Caviezel.

Erstes «Art on Ice» 1996 im Hallenstadion mit Simon Estes und Denise Biellmann.
Foto: Keystone

Sie schreiben Musikgeschichte

Erfreuliches gab es 2004, da schrieb «Art on Ice» sogar Musikgeschichte: Die verkrachten Mitglieder von Supertramp standen zum ersten – und einzigen – Mal wiedervereint auf einer Bühne. Am nächsten Tag kommunizierten sie wieder über ihre Anwälte. Grosse Namen allein genügen nicht. Es gebe Künstler, meint Oliver Höner, die nicht zu «Art on Ice» passten. Manche hätten ein zu grosses Ego, um sich dem Gesamtkonzept unterzuordnen. «Bei einer so grossen Produktion kann aber niemand sein eigenes Ding durchziehen. Nur wenn alles passt, entsteht diese spezielle Magie von ‹Art on Ice›.»

2000 wirbelte Höner zum letzten Mal persönlich übers Eis. Seither zieht er keine Schlittschuhe an, wenn er nicht muss. Fun Fact: Reto Caviezel kann gar nicht Schlittschuh laufen. «Am Anfang wollte es mir Oliver mal beibringen, nach fünf Minuten gab er aber auf.» Privat haben Caviezel und Höner viele Parallelen: Beide spielen Golf, haben ein schönes Haus, Familie und je zwei Kinder. Kleiner Unterschied: Caviezels haben zwei Katzen, Höners einen Hund.

Oliver Höner 1998 während seiner Aktiv-Zeit als Eiskunstläufer.
Foto: Keystone

Ein Traum hat sich für Caviezel und Höner leider nicht erfüllt: Tina Turner hätten sie gern in der Show gehabt. Und sonst? In 30 Jahren Zusammenarbeit hatten die zwei kein einziges Mal Krach. Auch das muss man ihnen erst mal nachmachen.

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