Darum gehts
- Wim Wenders zieht Film «Falsche Bewegung» wegen umstrittener Nacktszene zurück
- Nastassja Kinski fordert seit Jahren Entfernung der zweiminütigen Szene
- Wenders: Filmfreigabe erst nach einvernehmlicher Lösung mit Kinski und Experten
Wim Wenders (80) zieht seinen Film «Falsche Bewegung» von 1975 nun doch vorerst aus dem Verkehr. Die gemeinnützige Wim Wenders Stiftung, der das Werk gehört, teilte am Mittwoch mit, der Film werde aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückgezogen. Streaming-, TV- und Vertriebspartner würden angewiesen, ihn nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Auslöser ist der erneute Streit um eine Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski (65), die die Stelle entfernt haben möchte.
In der Mitteilung bat der Regisseur die Schauspielerin um Entschuldigung. «Als einziger der damals für ‹falsche Bewegung› handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen», erklärte Wenders. «Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber.» Die Reaktionen und Gespräche der vergangenen Tage hätten seinen Blick auf die Ereignisse geschärft, dafür sei er dankbar.
Freigabe erst nach einvernehmlicher Lösung
Wenders kündigte an, zunächst einen breiten Austausch zu suchen, unter anderem mit der deutschen Filmakademie und dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF). Die Gesellschaft müsse angemessene Umgangsweisen für strittige Filmwerke des 20. Jahrhunderts finden. Erst nach diesem Austausch und einer «einvernehmlichen Lösung» in Absprache mit Kinski solle der Film wieder freigegeben werden - «auch wenn es länger dauern sollte».
In der strittigen Szene aus «Falsche Bewegung» ist Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen. Nach eigenen Angaben fühlte sich die Schauspielerin schon beim Drehen unwohl und bittet Wenders seit Jahren, die rund zweiminütige Szene zu entfernen. Neue Schärfe bekam die Debatte durch eine Rede des 80-Jährigen bei der Verleihung des deutschen Filmpreises am 29. Mai, bei der er den Ehrenpreis erhielt. Dort sagte Wenders, er würde die Szene «heute nie mehr so machen», seinem damaligen jungen «Ich» könne er aber keinen Vorwurf machen, weil es heutzutage einfach «andere Sensibilitäten» gebe. Zugleich warnte er vor einem Präzedenzfall und warf die Frage auf: «Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?»
Kritik von Kollegen und Anwalt
Diese Rede stiess auf grossen Widerspruch. Kinskis Anwalt Christian Schertz hatte eine Klage angekündigt, sollte die Szene nicht doch noch entfernt werden, und verwies auf die Persönlichkeitsrechte des Kindes. Der Schauspieler Julius Feldmeier etwa forderte Wenders in einem offenen Brief auf Instagram auf, die Szene herauszuschneiden: «Es ist deine Verantwortung, das in Ordnung zu bringen.» Mehrere Medien warfen Wenders vor, sich vor seiner Verantwortung wegzuducken.
Wim Wenders zählt mit Filmen wie «Der Himmel über Berlin», «Buena Vista Social Club» und «Perfect Days» zu den angesehensten Filmemachern Deutschlands. Mit Kinski drehte er etwa auch das Roadmovie «Paris, Texas» (1984).