Darum gehts
- Tony Marshall (1938–2023) war Schlagerstar und Ehrenbürger in Baden-Baden, Bora-Bora
- Sein grösster Hit «Schöne Maid» entstand trotz anfänglicher Abneigung gegen das Lied
- Marshall nahm 1971 20'000 Mark Kredit für seinen Karrieredurchbruch auf
Was haben Baden-Baden (D) und Bora-Bora (Französisch-Polynesien) gemeinsam? Beide Orte ernannten den bekannten Schlagersänger Tony Marshall (1938–2023) einst zum Ehrenbürger. Eingefädelt hatte diese Ehrungen sein Manager Herbert Nold (86). 44 Jahre stand er Marshall in dieser Funktion treu an der Seite. Nun hat Nold zusammen mit der Journalistin Andrea Röthe das Buch «Tony, die schöne Maid und ich» veröffentlicht. Dieses strotzt nur so vor Erinnerungen und Anekdoten.
Der gemeinsame Weg der beiden Süddeutschen begann 1969. Nach einem Ausflug hörte Nold im Hotel einen unbekannten Sänger und war überaus beeindruckt von dessen Stimme: «Was für ein Rohjuwel», erinnert er sich. «Ich ging gleich zu ihm hin und sprach ihn an.»
Grosses Risiko, rascher Erfolg
Nold arbeitete damals noch als Kriminalbeamter und begann nebenbei, Tony Marshall zu managen. «Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung vom Musikbetrieb», sagt Nold gegenüber der GlücksPost. Doch er scheint von Beginn an einen guten Riecher gehabt zu haben «Um Tonys Durchbruch zu erzwingen, setzten wir alles auf eine Karte.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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So luden sie 1971 alle relevanten Unterhaltungsjournalistinnen und -Journalisten zu einem Konzert ins Kurhaus von Baden-Baden, der Heimatstadt von Tony Marshall, ein. Und zwar inklusive Übernachtung, Verpflegung und Anfahrtsspesen. «Tony hat dafür einen Kredit von 20 000 Mark aufgenommen, was ein riesiges Risiko war.» Doch sein Mut sollte sich auszahlen. Das Konzert wurde frenetisch gefeiert, ganz besonders Tony Marshalls neues Lied «Schöne Maid». Ab jenem Abend war Marshall im ganzen Land gefragt.
«Schöne Maid» stammt aus der Feder des bekannten Produzenten Jack White (†85). Marshall hasste das Lied zu Beginn abgrundtief: Als ausgebildeter Opernsänger wollte er eigentlich viel lieber Chansons à la Jacques Brel (†49) singen. «So einen Mist singe ich nicht!», habe Marshall bei White im Tonstudio ausgerufen und sei ins nächste Lokal verschwunden.
«Er trank ein, zwei Flaschen Rotwein, bis er richtig betrunken war. Mit voller Absicht. Er dachte tatsächlich, wenn er besoffen ist und völlig daneben singt, schmeisst Jack White ihn raus und er muss diesen ihm verhassten Titel nicht singen», beschreibt Nold die Szene. Es sollte anders kommen – das Lied wurde Marshalls grösster Hit.
Bewegender Besuch in Graceland
Nicht nur in Deutschland war Tony Marshall schon bald ein gefragter Musiker. Auch in Kanada, den USA, Russland, Afrika und Südamerika war er auf Tournee. Als Elvis Presley (†42) starb, war dessen grosser Fan Tony Marshall sehr erschüttert. Drei Monate später kam die Band im Rahmen einer US-Tour in Graceland vorbei, wo sie von Elvis’ Vater Vernon Presley (†62) empfangen wurde – ein bewegender Moment für die deutschen Gäste.
Fröhlicher ging es auf Bora Bora zu. Der gleichnamige Hit, der ebenfalls von Jack White geschrieben wurde, machte die Südseeinsel zum Sehnsuchtsort der Deutschen. Da fädelte Herbert Nold ein, dass Marshall 2008 medienwirksam zum Ehrenbürger des Atolls gekürt wurde.
«Tony war ein super Typ. Er hatte keinerlei Starallüren und war vollkommen normal», sagt Herbert Nold. Streit habe es zwischendurch zwar schon gegeben. Schliesslich würden Künstler manchmal die Welt zu sehr in rosaroter Farbe sehen, während er als Manager stets einen klaren Kopf habe bewahren müssen.
Tony Marshalls Sohn Marc (62), der als Sänger und Entertainer längst in die Fussstapfen seines Vaters getreten ist, beschreibt im Vorwort zum Buch die Beziehung zwischen Tony Marshall und Herbert Nold als «echte Männerfreundschaft über den Tod hinaus».
Freundschaft blieb trotz beendeter Zusammenarbeit
Das turbulente Leben an der Seite eines Schlagerstars forderte aber auch seinen Tribut: Nach zwei Schlaganfällen trat Nold 2013 schweren Herzens als Marshalls Manager zurück. Doch die Freundschaft blieb. Der Sänger hatte mit 65 Jahren öffentlich gemacht, dass er an Polyneuropathie leidet. Doch erst etwa 20 Jahre später verriet er seinem langjährigen Freund, welch unerträgliche Schmerzen er deswegen tatsächlich ertragen musste: «Das fühlt sich an, als würde mir jemand nonstop mit Brennnesseln gegen die Beine schlagen.»
An seinem 85. Geburtstag war Marshall schon sehr geschwächt. Gefeiert wurde im kleinen Kreis: Neben der Familie waren nur Herbert Nold und Gattin Elisabeth (82) sowie der befreundete TV-Mann Frank Elstner (84) anwesend. Gemeinsam mit seinen Söhnen Marc und Pascal (59) habe Tony Marshall einige Lieder gesungen. «Er war sehr schwach, aber seine Stimme klang noch sehr gut. Zum Schluss sang Tony ‹My Way›. Für mich fühlte es sich an wie der endgültige Abschied», erzählt Nold. Nur wenige Tage später war Tony Marshall tot.