Darum gehts
- Prinz Harry und Prominente klagen gegen «Daily Mail»-Verlag wegen illegaler Recherche
- Anwalt präsentiert Beweise wie Telefonrechnungen und medizinische Unterlagen
- Privatdetektive führten Aktivitäten für über drei Millionen Pfund durch
Am Londoner High Court hat am Montag ein aufsehenerregender Prozess begonnen. Prinz Harry (41), Sir Elton John (78), Elizabeth Hurley (60) und vier weitere Prominente werfen dem Verlag Associated Newspapers Limited, Herausgeber von «Daily Mail» und «Mail on Sunday», vor, über zwei Jahrzehnte hinweg systematisch und illegal Informationen über sie beschafft zu haben.
Die Kläger bezeichnen sich als Opfer «abscheulicher krimineller Aktivitäten». Der Verlag weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Elizabeth Hurley erscheint mit Sohn Damian
Der Fall, der auf neun Wochen angesetzt ist, wird von Experten als entscheidender Moment im jahrelangen Konflikt zwischen Prinz Harry und der britischen Boulevardpresse gesehen. Harry, der in einem dunkelblauen Anzug und passender Krawatte erschien, verfolgte die Eröffnungsrede seines Anwalts David Sherborne aufmerksam aus der ersten Reihe.
Unterstützt wurde er im Gerichtssaal von weiteren Klägern, darunter Schauspielerin Elizabeth Hurley, die in Begleitung ihres Sohnes Damian (23) eintraf, sowie der britischen Schauspielerin Sadie Frost (60). Sherborne erhob in seiner Eröffnungsrede schwere Vorwürfe gegen den Verlag. Er sprach von einer «Kultur der unrechtmässigen Informationsbeschaffung», die mutmasslich zwischen 1993 und 2011 betrieben worden sei. Diese Praktiken hätten das Leben zahlreicher Menschen zerstört. «Es gibt unwiderlegbare Beweise», sagte Sherborne. Er legte dem Gericht Dokumente vor, die sensible Informationen wie Telefonrechnungen, Sozialversicherungsnummern, Flugdaten und medizinische Unterlagen enthielten – Daten, die laut ihm nicht auf legalem Wege beschafft werden konnten.
Anwalt spricht von «unwiderlegbaren Beweisen»
Wie die britische Nachrichtenseite weiter berichtet, ging Sherborne in seiner Eröffnungsrede direkt in die Offensive. Er beschrieb die Verteidigungsstrategie des Verlags als «Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen»-Taktik. Die Dementis seien «aggressiv» wiederholt worden, doch die Beweise sprächen eine andere Sprache.
«Es gibt unwiderlegbare Beweise», erklärte Sherborne vor Gericht, dass hochrangige Mitarbeiter des Verlags von der unrechtmässigen Informationsbeschaffung wussten. Dies sei «kein sauberes Geschäft» gewesen, so der Jurist. Er präsentierte dem Gericht Dokumente, die Telefonrechnungen, Sozialversicherungsnummern, Flugdaten und sogar medizinische Unterlagen enthalten sollen – Informationen, die auf keinem legalen Weg beschafft werden könnten.
«Leben zerstört» - schwere Vorwürfe gegen den Verlag
Die Dimension der Vorwürfe ist enorm. Laut Sherborne sollen Privatdetektive im Auftrag des Verlags Aktivitäten im Wert von mehr als drei Millionen Pfund durchgeführt haben. In seinen schriftlichen Ausführungen formulierte er es drastisch: «Es kann kaum Zweifel daran geben, dass Journalisten und Führungskräfte aller Mail-Titel an der Kultur der unrechtmässigen Informationsbeschaffung beteiligt waren oder sich daran mitschuldig gemacht haben, die das Leben so vieler Menschen zerstört hat.»
Besonders brisant: Der Anwalt verwies auf die Leveson-Untersuchung, bei der Verantwortliche des Verlags unter Eid jegliche unrechtmässige Aktivität bestritten hatten. Diese Dementis seien falsch gewesen, so die Position der Kläger. «Sie wussten, dass sie Leichen im Keller haben», sagte Sherborne.
Am Donnerstag soll Prinz Harry in den Zeugenstand treten, wie «Sky News» vor Prozessbeginn unter Berufung auf einen vorläufigen Zeitplan berichtet.