ORF steht nach einem Chat-Skandal am Scheideweg
«In meiner Welt haben wir Sex, wenn ich Sex will»

Nach dem Rücktritt und der anschliessenden fristlosen Entlassung von Sender-Chef Roland Weissmann arbeitet der ORF die Hintergründe der Affäre auf. Im Zentrum stehen schwere Compliance-Verstösse, explizite Chatnachrichten – und eine drohende Klage gegen den Sender.
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Skandal beim ORF: Ex-Chef Roland Weissmann soll seine Stellung gegenüber einer Mitarbeiterin missbraucht haben.
Foto: imago/SKATA

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • ORF-Chef Roland Weissmann fristlos entlassen wegen Machtmissbrauchs
  • Chat enthüllt: «In meiner Welt haben wir Sex, wenn ich Sex will»
  • Weissmann klagt auf 3,58 Mio. Franken Schadenersatz nach Kündigung
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Die Krise an der Spitze des Österreichischen Rundfunks (ORF) hat sich zu einem juristischen und führungspolitischen Konflikt entwickelt. Roland Weissmann (58), der das Unternehmen seit 2022 als Generaldirektor geleitet hatte, schied im Frühjahr 2026 aus seinem Amt aus. Was zunächst als freiwilliger Rückzug am Weltfrauentag (8. März) kommuniziert wurde, mündete nach internen Prüfungen in einer fristlosen Entlassung im April. Der Vorwurf wiegt schwer: Weissmann soll seine hierarchische Stellung gegenüber einer Mitarbeiterin missbraucht haben.

Für Aussenstehende wurde das Ausmass der Vorwürfe erst durch die Veröffentlichung interner Chatprotokolle greifbar. Wie das Magazin «Falter» unter Berufung auf die betroffene Mitarbeiterin berichtete, dokumentieren die Nachrichten eine schwerwiegende Grenzüberschreitung. In einer der Nachrichten soll Weissmann geschrieben haben: «In meiner Welt haben wir Sex, wenn ich Sex will». Diese Dokumente waren massgeblich dafür verantwortlich, dass die ORF-interne Compliance-Prüfung zu dem Schluss kam, dass eine Fortführung des Dienstverhältnisses untragbar sei, auch wenn eine sexuelle Belästigung im strafrechtlichen Sinn von Weissmanns Seite bestritten wird.

War die ORF-Führung informiert?

Die Auswirkungen auf den öffentlich-rechtlichen Sender sind tiefgreifend. Ingrid Thurnher (63), die interimistisch die Leitung übernahm, bezeichnete die Vorfälle in einem Interview mit dem Radiosender Ö1 als «verstörend, schockierend und inakzeptabel». Sie steht nun vor der Aufgabe, die Governance-Strukturen des Hauses neu zu ordnen. Dabei gerät die Führungsebene selbst massiv unter Druck: Laut dem österreichischen «Standard» stellen sich am Donnerstag im Stiftungsrat kritische Fragen zur Rolle von Thurnher und dem Manager Pius Strobl (69). Es geht um die Klärung, ab welchem Zeitpunkt die Führung über die Vorwürfe informiert war und ob die internen Kontrollmechanismen rechtzeitig griffen.

Finanziell und juristisch steht dem ORF eine langwierige Auseinandersetzung bevor. Roland Weissmann akzeptiert die fristlose Kündigung nicht und klagt auf Schadenersatz sowie die Fortzahlung seiner Bezüge bis zum Ende der Vertragslaufzeit. Dabei steht eine Summe von bis zu 3,9 Millionen Euro im Raum – umgerechnet 3,58 Millionen Franken.

Doppelmoral à la Weissmann?

In früheren Statements und Interviews, etwa anlässlich seiner Bestellung, hatte Weissmann stets betont: «Jeder Anschein eines einer Führungskraft unangemessenen Verhaltens ist zu vermeiden». Dieser ethische Anspruch wird nun vor Gericht im Kontext der tatsächlichen Ereignisse geprüft werden. Der Fall belastet nicht nur das Budget des Senders, sondern führt auch zu einer Debatte über die Besetzung von Spitzenpositionen – und die Notwendigkeit einer unabhängigen Compliance-Kultur.

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