Darum gehts
- Die frühere «Mini Playback Show»-Moderatorin kehrte nach über 30 Jahren nach Zürich zurück
- Amado berichtet von ihrem Einsatz für Frauen in der Fernsehbranche seit den Siebzigerjahren
- Amado produziert mit Sohn Kay den Podcast «Gut frittiert» und testet eine Serie über Ältere
«Ja, Grüezi wool!», sagt Marijke Amado (72) mit einem grossen Strahlen beim Termin mit Blick diese Woche in der Zürcher Innenstadt. «Mir chönd Schwiizertüütsch rede! Ich han lang i de Schwiiz gläbt!»
Tatsächlich war die niederländische Moderatorin, die in den Neunzigerjahren mit der deutschen «Mini Playback Show» auf RTL internationale Bekanntheit erlangte, mit einem Schweizer verheiratet. «Er war Tessiner, und wir lebten im Kanton Zürich, unter anderem in Küsnacht ZH. Das waren schöne Jahre», erinnert sich Amado. «Schweizerdeutsch habe ich damals gelernt, um den Schweizer Pass zu bekommen. Das war wie bei Emil damals, bei ‹Die Schweizermacher›.» Den Pass habe sie damals zwar bekommen, ihn mittlerweile aber wieder zurückgegeben. «Ich war lange nicht mehr hier», so Amado.
«Zürich war fast fünf Jahre meine Stadt»
Am Donnerstag kehrte die Moderatorin in die Schweiz zurück – nach über 30 Jahren. «Für Zürich wollte ich mir jetzt wieder Zeit nehmen. Es war fast fünf Jahre meine Stadt. Das ist schon was Besonderes.» Sie war zu Gast am Zürcher Oktoberfest und machte dort an Hanselmann's Wiesn von Partykönig Reto Hanselmann (45) den Anstich. «Ich bin sehr feierfreudig und mag gute Stimmung, das passt wunderbar», so Amado.
Amado gehört bis heute zu den bekanntesten Namen der deutschen Fernsehlandschaft. 1978 startete die ehemalige Reiseleiterin und Animateurin als Assistentin in Rudi Carrells «Am laufenden Band». In den Neunzigerjahren präsentierte sie einem Millionenpublikum die «Mini Playback Show». «Das war eine wunderschöne Zeit», erinnert sie sich. Auch wenn es Kritik gab, dass die Kinder dort sexualisiert würden. «Ich habe gekämpft wie eine Löwin, die Kinder haben es geliebt, und das war für mich das Wichtigste. Das war doch einfach Verkleidung, wie bei Karneval.»
Engagiert in Feministinnengruppe
Amado ist eine Kämpferin: In den Siebzigerjahren engagierte sie sich in der niederländischen Feministinnengruppe Dolle Mina. Die Stärkung von Frauen war ihr auch im TV ein Anliegen: «Als ich bei Rudi Carrell angefangen habe, waren keine Frauen da. Weder hinter der Kamera, in der Maske noch nirgendwo anders. Wir waren dort die Assistentinnen und mussten quasi den Göttern die Sachen bringen», erzählt Amado. «Mit Frauen wie Birgit Schrowange, Isabel Varell, Frauke Ludowig habe ich über Jahre für eine bessere Position der Frau in der Fernsehbranche gekämpft. Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen, aber es ist auf jeden Fall hundertmal besser als damals.»
Bis heute ist Marijke Amado regelmässig im Fernsehen zu sehen. In diesem Jahr moderierte sie den «ZDF-Fernsehgarten» an der Seite von Andrea Kiewel (61) und war in der RTL-Krimi-Reality «Die Verräter» zu sehen. «Ich will nicht zu Hause hinter den Gardinen sitzen. Ich mag Action», sagt Amado. In «Die Verräter» musste Amado ihre Mitstreiter hinters Licht führen, darunter auch die Schweizer Schiri-Legende Urs Meier (67). Für Unterhaltung sorgte Amado auch, weil sie aus ihrer Schwärmerei für Meier kein Geheimnis machte. «So ein schöner Mann!», sagte sie.
Engagement für ältere Generation
Mit ihrer Fernseharbeit will sie auch älteren Menschen ein Gesicht geben. «Es gibt viele Leute, die sind um die neunzig und würden gerne noch etwas machen, aber kriegen keine Chancen mehr. Ich würde viel mehr die Generationen zusammenbringen, so wie das früher in Italien oder im Tessin war», sagt sie. «Der Nonno hat bei der Familie gelebt, und man hat füreinander gesorgt. Also nicht dieses abgeschobene ‹Dein Leben ist vorbei›. Das haben sie nicht verdient, sie haben immer gearbeitet.»
Aktuell produziert Amado gemeinsam mit ihrem Sohn Kay (40) den Podcast «Gut frittiert». «Wir haben ein wahnsinnig gutes Verhältnis und viel Spass. Wir besprechen viel, aber ich gehe ihm nicht auf den Wecker», stellt sie mit einem Lachen klar. Die beiden wohnen unweit voneinander in Belgien, in der Nähe der niederländischen Grenze. «Ich habe dort ein sehr schönes Bauernhöfchen gekauft, da lebe ich mit Tieren mitten in der Natur. Es ist wirklich schön.»
Zieht sie bald wieder in die Schweiz?
Kritisch ist Amado, wenn es um Trash-TV geht. 2013 war sie mit David Hasselhoff und Pamela Anderson im deutschen «Promi Big Brother»-Haus. Viele weitere Formate abklappern will sie aber nicht. «Ich mag die Reality mit all den Schreihälsen und Mitleidshaschern nicht so. Ich mag fröhliche Unterhaltung», sagt sie. «Für gute Reality bin ich aber offen. Kein Dschungelcamp. Die rufen jedes Jahr an. Ob ich einen Känguru-Pimmel essen will? Lieber nicht. Da gibt es schönere Sachen.»
Eine erneute Schweiz-Reise ist also wahrscheinlicher als ein Abstecher nach Australien. Ob Amado auch schon mit dem Gedanken gespielt hat, wieder hierherzuziehen? «Dann muss das deutsche Fernsehen aber besser bezahlen», meint sie lachend zu den hiesigen Preisen. Und fügt keck an: «Oder ich suche mir hier wieder einen Schweizer Mann. Das wäre auch eine nette Option.»