«Man kann es nicht einfach vergessen»
Diese Fälle lassen «XY gelöst»-Moderator Sven Voss nicht los

Sven Voss besucht für «XY gelöst» Tatorte von Verbrechen. Aufgeklärt wurden sie auch dank Handys. Es gibt aber eine Schattenseite.
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Sven Voss löst ungelöste Kriminalfälle.
Foto: ZDF und Oliver Rüther / Brand Ne

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Sven Voss moderiert seit 2022 «XY gelöst», ein True-Crime-Spinoff
  • Handys helfen bei Ermittlungen, lenken jedoch oft von wichtigen Beobachtungen ab
  • 2022 startete «XY gelöst» und beleuchtete erfolgreich alte, aufgeklärte Kriminalfälle
Gabrielle Jagel
Tele

Wieder konnten einige Fälle aus «Aktenzeichen XY … ungelöst» doch noch gelöst werden. Und genau die sind die Grundlage für das Spinoff «XY gelöst». «Tele» sprach mit Moderator Sven Voss (50) darüber, warum solche Formate wichtig sind, was Handys dabei für eine Rolle spielen und wie er persönlich mit dem Wissen um solche reale Fälle umgeht.

Tele: True-Crime-Storys sind sehr beliebt im Fernsehen, und «Aktenzeichen XY … ungelöst» ist ja quasi die Mutter dieses Genres bei uns.
Sven Voss: Da gebe ich Ihnen recht. «Aktenzeichen XY» fand ich schon als Kind faszinierend. Dass 2022 dieses Format mit «XY gelöst» erweitert wurde, finde ich toll. Wir gehen ja an die Orte, wo es passiert ist. Die Verbrechen sind aufgeklärt – und wir zeigen noch einmal, warum es so schwierig war, die Täterschaft zu finden. Tragischerweise macht das niemanden mehr lebendig, das ist mir bewusst.

Was reizt Sie persönlich an dieser Sendung?
Ich glaube, wenn wir das Verbrechen zeigen mit all seinen Facetten, in all seiner Brutalität, dann lernt vielleicht jemand daraus und kann eventuell durch gezielte Beobachtung auch mal ein anderes Verbrechen verhindern.

In der Sendung rekonstruieren Sie spektakuläre, aufgeklärte Kriminalfälle. Wie ist die Resonanz bislang?
Meine Mutter sagt immer zu mir: Ich gucke lieber «XY gelöst», denn dann weiss ich, wie es ausgegangen ist. Das ist genau der Punkt. Die Realität kann brutal und furchtbar sein, doch wir zeigen nochmals, wie es passiert ist und wie die Polizei durch Kriminaltechnik und hartnäckige Ermittlungen das Verbrechen aufklären konnte. Das macht uns zu einer relevanten Sendung.

Auch wenn die Fälle gelöst wurden: Es geht um viel Leid. Wie gehen Sie damit um?
Ich bin schon auch ziemlich aufgeregt, wenn wir vor Ort sind, am Tatort stehen. In diesem Moment bekommt für mich das Verbrechen nochmals einen viel bewussteren Schrecken. Aber tatsächlich geht es mir genauso wie meiner Mutter, die sagt, es wurde ja aufgeklärt. Und dann weckt es bei mir die Neugier: Wie haben die das geschafft?

Viele Verbrechen ereigneten sich vor einer Ewigkeit. Umso erstaunlicher ist die Aufklärungsrate solcher Fälle dank dem Fernsehen.
Das finde ich auch sehr eindrücklich. Ich hatte kürzlich mit einem Phantombildzeichner zu tun. Wie der jeweils rangeht an jene Personen, die etwas gesehen haben! Und wie er versucht, nichts zu suggerieren, sondern nur Möglichkeiten zu geben, wie der oder die ausgesehen haben könnte – extrem spannend. Er sagte mir dann auch, Erinnerungen seien so flüchtig, man könne sich nicht immer darauf verlassen. Deswegen gibt es Phantombilder, die zwar gut gemacht sind, aber mit dem Täter nicht viel zu tun haben. Ich finde es vor allem wichtig, dass man überhaupt hinschaut.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Wie meinen Sie das?
Wir wissen alle, wie sehr man sich heute durch Handys ablenken lässt. Bei mir zu Hause führt ein Schulweg vorbei. Wenn ich manchmal sehe, wie wenig Jugendliche, aber auch Erwachsene, überhaupt mitbekommen, was um sie herum passiert … Es ist so fahrlässig. Das ist, überspitzt gesagt, auch ein Nährboden für Verbrechen, weil das Geschehen um uns herum nicht mehr wahrgenommen wird.

Oft wird leider nicht geholfen, sondern nur gefilmt. Kann das gleichwohl hilfreich sein?
Was die Statistik dazu sagt, weiss ich nicht. Aber Sie haben recht: Es ist Fluch und Segen zugleich. Die Möglichkeit, dass man in einer bedrohlichen Situation jemanden anrufen oder auch den Täter fotografieren oder filmen kann, ist natürlich unglaublich wichtig für die Zeugenaufnahme und die Ermittlungen. Aber es ist auch ein Fluch, weil man von den Geräten so abgelenkt wird. Deswegen finde ich es einerseits toll, dass es die Technik gibt, andererseits müssen wir es auch schaffen, dieses Teil mal wegzulegen. Einigen wir uns darauf: Zuerst 117 (Polizeinotruf in der Schweiz) wählen und Hilfe holen – und dann wirklich Hilfe leisten.

Haben Sie aus all den Fällen auch persönlich was gelernt?
Mittlerweile habe ich schon eine kleine Expertise, was Kriminalfälle betrifft. Aber ich masse mir nicht an, Verbrecherjäger zu sein. Ich bewundere jeden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, als Kommissar solche Verbrechen zu klären, und finde es auch faszinierend, wie sich die Technik entwickelt hat im Bezug auf Verbrechensbekämpfung.

Wie viel von den kriminellen Inhalten nehmen Sie nach der Sendung mit nach Hause?
Es ist bis heute so, dass mich die Sachen natürlich nicht kaltlassen. Das ist nicht wie bei einem Sportwettkampf, wo man sagt, der Bessere hat gewonnen, morgen gibt es ein neues Spiel. Was da jeweils passiert ist, das ist in der Realität so schrecklich, dass man es nicht einfach vergessen kann. Ich bin ja Familienvater – und gerade bei Fällen mit Kindern bin ich besonders sensibel. Ich nehme schon sehr viel mit nach Hause, das geht aber dem ganzen Team so, wenn wir unterwegs sind.

Wie gehen Sie damit um?
Wir unterhalten uns auf dem Hin- und Rückweg darüber, das hilft schon mal ziemlich. Auch zu Hause mache ich das. Meine 18-jährige Tochter ist sehr interessiert, was all die Kriminalfälle betrifft, mit ihr tausche ich mich sehr gerne aus. Zusammengefasst: Wenn es dazu führt, dass wir mit dieser Sendung eine Aufmerksamkeit für schwierige Situationen erzeugen oder für Verbrechen, die passieren können, dann hilft uns das glaube ich allen.

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