Darum gehts
- Brendan Fraser wurde in den 90ern durch «Die Mumie» weltberühmt
- Er zog sich nach Verletzungen und persönlichen Rückschlägen zurück
- Er ist Vater von drei Söhnen, darunter Griffin mit Autismus
Brendan Fraser ist heute kein klassischer Actionheld mehr, kein Blockbuster-Star – sondern ein Schauspieler, der bewusst Rollen wählt, die Tiefe haben und unter die Haut gehen. Seine Karriere reicht über drei Jahrzehnte: vom Idol einer Generation über Jahre des Rückzugs bis hin zur späten Wiederentdeckung als Charakterdarsteller.
Ein Weltenbummler: Die Wurzeln des Erfolgs
Brendan Fraser wurde im US-Bundesstaat Indiana als Sohn kanadischer Eltern geboren. Sein Vater arbeitete in der Tourismus- und Reisebranche, darum musste die Familie regelmässig umziehen. Mit seinen drei älteren Brüdern verbrachte er längere Zeit in den Niederlanden, der Schweiz, in Rom, in London und auch in verschiedenen Städten in den USA. Auch später verlor er seine Reiselust nicht und bereiste viele fernöstliche Länder. Diese Erfahrungen machten ihn früh zu einem aufmerksamen Beobachter – eine Eigenschaft, die sein späteres Schauspiel auszeichnete und schon im Alter von zwölf Jahren trat Fraser in Londoner Theatern auf.
Er studierte Schauspiel am Upper Canada College in Toronto und machte den Abschluss am Actor’s Conservatory Cornish College of the Arts in Seattle.
Nach seinem Schauspielstudium am Cornish College of the Arts in Seattle zog es ihn 1991 mit nur 22 Jahren nach Los Angeles. Der Durchbruch liess nicht lange auf sich warten: Mit «Steinzeit Junior» und dem Drama «Der Aussenseiter» bewies er 1992 zeitgleich sein komödiantisches und dramatisches Talent.
Fraser besitzt sowohl die US-amerikanische als auch die kanadische Staatsbürgerschaft und spricht fliessend Französisch.
Die goldenen Jahre: Der König der 90er
Zwischen seinem 23. und 30. Lebensjahr wurde Fraser zum Weltstar. Mit «George – Der aus dem Dschungel kam» (1997) und vor allem als Rick O’Connell in «Die Mumie» (1999) kombinierte er körperliche Präsenz mit einem unwiderstehlichen Charme. Doch der Erfolg forderte einen hohen Preis. Da er viele seiner extremen Stunts selbst ausführte, erlitt er schwere Verletzungen, die ihn über ein Jahrzehnt lang begleiten sollten.
Rückzug und Schicksalsschläge
Ab etwa 2009 wurde es stiller um den Schauspieler. Hinter den Kulissen kämpfte Fraser an mehreren Fronten:
Körperlicher Zerfall: Zwischen 2000 und 2010 musste er sich zahlreichen Operationen unterziehen, darunter Eingriffe am Knie, an den Stimmbändern und eine Laminektomie am Rücken.
Persönliche Krisen: Eine schmerzhafte Scheidung im Jahr 2007 und der Tod seiner Mutter belasteten ihn schwer.
Das Schweigen Hollywoods: Erst Jahre später, in einem Interview mit dem Magazin GQ im Jahr 2018, machte Fraser öffentlich, dass er 2003 Opfer eines sexuellen Übergriffs durch Philip Berk, dem damaligen Präsidenten der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), geworden war. Die darauffolgende psychische Belastung und das Gefühl, von der Industrie isoliert zu werden, führten zu seinem Rückzug. Fraser gab an, dass ihn der Vorfall depressiv machte und er sich tief verunsichert fühlte. Er hatte zudem das Gefühl, danach auf einer «schwarzen Liste» gelandet zu sein, da die Rollenangebote ausblieben.
Das historische Comeback 2022: «Der Wal»
Mit der Rolle des Charlie in «Der Wal» kehrte Fraser triumphal zurück. Er spielt einen massiv übergewichtigen, zurückgezogen lebenden Literaturprofessor, der in seinen letzten Tagen versucht, die Beziehung zu seiner entfremdeten Tochter im Teenageralter wieder aufzubauen.
Entgegen weit verbreiteter Mythen nahm er für die Rolle nicht massiv an Gewicht zu, die beeindruckende Verwandlung zum schwerübergewichtigen Professor wurde durch hochmoderne Prosthetics (Spezialeffekt-Masken und ein komplexer Fettanzug) realisiert.
Die Darstellung brachte ihm stehende Ovationen und im Jahr 2023 den Oscar als bester Hauptdarsteller ein. Es war die Geburtsstunde der «Brenaissance», der Rückkehr eines verloren geglaubten Talents.
Meilensteine einer Karriere: Die wichtigsten Filme
Brendan Frasers Filmografie ist so vielseitig wie sein Lebensweg. Hier sind seine wichtigsten Werke, die man kennen muss:
Steinzeit Junior (1992): der grosse Durchbruch. Als prähistorischer Höhlenmensch, der in den 90ern auftaut, bewies Fraser sein Talent für physische Comedy.
Der Aussenseiter (1992): Im selben Jahr zeigte er seine ernste Seite. Als jüdischer Schüler an einer Eliteschule kämpft er gegen Antisemitismus – an der Seite der damals noch unbekannten Matt Damon und Ben Affleck.
George – Der aus dem Dschungel kam (1997): Mit dieser Disney-Parodie wurde er zum absoluten Frauenschwarm und Fitness-Idol. Der Film markierte den Höhepunkt seiner physischen Präsenz.
Götter und Monster (1998): An der Seite von Sir Ian McKellen bewies er in diesem Oscar-prämierten Drama, dass er mühelos mit den ganz Grossen des Fachs mithalten kann.
Die Mumie (1999) & Die Mumie kehrt zurück (2001): Als Abenteurer Rick O’Connell wurde er zum weltweiten Blockbuster-Garanten. Die Reihe gilt heute als Kult-Klassiker des Abenteuer-Kinos.
Der stille Amerikaner (2002): In dieser Verfilmung des Graham-Greene-Romans glänzte er neben Michael Caine in einem politisch komplexen Thriller.
Der Wal (2022): Die Krönung seiner Karriere. Für die Rolle des Charlie erhielt er den Oscar als bester Hauptdarsteller und rührte die Welt zu Tränen.
Killers of the Flower Moon/Die Mörder des Blumenmondes (2023): Unter der Regie von Martin Scorsese zeigte er in einer markanten Nebenrolle, dass er nun fest in der Riege der grossen Charakterdarsteller Hollywoods verankert ist.
The Rental Family (2025): In der Tragikomödie von Hikari spiellt Brendan Fraser die Rolle eines abgehalfterten US-amerikanischen Schauspielers, der in Tokio lebt und «Mietfamilienmitglied» arbeitet.
Privatleben: Die Familie als Anker
Heute lebt Brendan Fraser zurückgezogen auf seiner Farm in Bedford, New York. Sein Privatleben hält er weitgehend aus dem Scheinwerferlicht fern. Er hat drei Söhne aus der Ehe mit der Schauspielerin Afton Smith, die von 1998 bis 2007 dauerte. Seine inzwischen erwachsene Kinder bleiben bis heute sein Lebensmittelpunkt:
Griffin Arthur (geb. 2002): Der älteste Sohn lebt mit Autismus. Er ist Brendans emotionaler Anker und der Grund, warum sich der Schauspieler heute stark für Inklusion einsetzt.
Holden Fletcher (geb. 2004): Er studiert an der NYU in New York und arbeitet erfolgreich als Model (u. a. für die Marilyn Agency). Er begleitet seinen Vater oft zu Preisverleihungen.
Leland Francis (geb. 2006): Der Jüngste Sohn von Fraser ist ebenfalls als Model tätig und zudem leidenschaftlicher Musiker.
Seit 2022 ist Fraser glücklich mit der Make-up-Künstlerin Jeanne Moore liiert, hält sein Privatleben jedoch weitestgehend vor der Öffentlichkeit fern.
Mehr als ein Comeback - ein Sieg der Menschlichkeit
Brendan Frasers Geschichte ist mehr als ein klassisches Hollywood-Märchen. Sie ist der Beweis, dass man auch nach dem tiefsten Fall wieder aufstehen kann. Seine Narben, die körperlichen Operationen und die seelischen Wunden, versteckt er heute nicht mehr. Sie machen ihn zu dem, was er ist: ein Kämpfer mit Herz.
Wenn Fraser heute mit Tränen in den Augen auf den roten Teppichen steht, sieht man keinen unnahbaren Action-Gott. Man sieht einen Vater, einen Mann und Partner, der seinen Frieden gefunden hat. Er muss keine Mumien mehr jagen oder durch den Dschungel schwingen, um die Welt zu begeistern. Sein grösster Sieg ist nicht der Oscar in seiner Vitrine, sondern das Lächeln an der Seite seiner Söhne.
Brendan Fraser ist zurück. Nicht als der strahlende Held von früher, sondern als ein Mensch, der uns zeigt: Es ist nie zu spät für ein zweites Glück.