Darum gehts
- Beat Mörker und Carsten Stahl kritisieren ZDF-Team nach Interview-Abbruch
- Streit um ungefilterte Aufnahmen führt zu juristischen Drohungen
- Mörker plant Veröffentlichung des Materials trotz Verbots durch Produktionsfirma
Der Basler Unternehmer Beat Mörker (45) machte sich als WC-Papier-König einen Namen. Während der Corona-Pandemie 2021 begann er, rosafarbenes Klo-Papier unter die Leute zu bringen – und erarbeitete sich damit ein Vermögen. Auf Mörkers Umtriebigkeit wurde jetzt auch das ZDF aufmerksam. Allerdings eskalierte ein geplanter Interviewtermin. Und könnte sogar ein juristisches Nachspiel haben.
Gegenstand der geplanten ZDF-Dokumentation – produziert von einer externen Firma – sollte Mörkers Rolle als erfolgreicher Unternehmer sowie sein soziales Engagement im Bereich des Kinderschutzes sein. In auf Tiktok veröffentlichten Ausschnitten des Aufeinandertreffens wird die angespannte Atmosphäre allerdings rasch deutlich. Der Konflikt entbrennt am Wunsch Mörkers und seines Geschäftspartners Carsten Stahl (53), das Interview mit eigenen Kameras ungeschnitten mitzufilmen, um sich eigenen Angaben nach vor sinnverfälschenden Kürzungen im späteren TV-Beitrag zu schützen.
Das TV-Team schlägt dem Duo weiter vor, den kompletten Mitschnitt zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen – und zwar nach der Ausstrahlung des TV-Beitrags. Während die Journalistin betont, dass sie sich ein Gespräch «auf einer gemeinsamen Ebene über alle Punkte» gewünscht hätte, verwehren sich die beiden gegen Belehrungen. Als die Journalisten auf die übliche Praxis des Schneidens hinweisen, entgegnet Medienveteran Stahl, dass er selbst seit 14 Jahren in der Branche tätig sei. Mörker stellte ausserdem klar: «Ich habe eigentlich keine Zeit für Interviews mit Leuten wie Ihnen.» Kurzum: Der Dreh ist zu Ende.
Kurz nach dem abgebrochenen Drehtermin ging eine anwaltliche Aufforderung der Produktionsfirma ein, die die Veröffentlichung des privaten Bildmaterials untersagte. Der WC-Papier-König verkündet daraufhin auf Tiktok, das Material dennoch in den nächsten Tagen mit seiner Community zu teilen.
«Böser Kapitalist?»
Mörkers und Stahls zentraler Vorwurf richtet sich gegen die inhaltliche Ausrichtung der Recherche. Die beiden beschuldigen das Fernsehteam, von Beginn an das Narrativ vom «bösen Kapitalisten» bedienen zu wollen. Positives Engagement – wie Mörkers Spenden, das Verschenken eines Ferraris oder Hilfeleistungen für ein autistisches Kind – würde von den Journalisten bewusst ignoriert, da es nicht in ihr Weltbild passe. «Es passt denen halt einfach nicht, dass ein Kapitalist wie ich sich für den Kinderschutz einsetzt», so Mörker.
Zudem kritisieren sie das Vorgehen der Produktionsfirma im Vorfeld. Dass Stahl zunächst nicht angefragt wurde, deutet das Duo als Versuch, Mörker alleine «in die Zange zu nehmen». Mörker berichtet zudem von einer zeitgleichen zweiten Interviewanfrage eines anderen ZDF-Formats. Er vermutet dahinter eine abgesprochene Taktik unter den Produktionsfirmen, um ihn «zu testen» – quittiert dies jedoch mit der Aussage, er sei «nicht auf den Kopf gefallen». Stahl spricht beim Vorgehen des Produktionsteams sogar von «kriminellen Zügen».
«Video hat mehr Leute erreicht als das ZDF»
Gegenüber Blick nimmt Mörker am Donnerstagmittag Stellung – und erklärt sein Vorgehen noch einmal: «Wir haben mit unserer Aktion ein klares Zeichen für Transparenz gesetzt. Wir wollen nicht mehr weiter zulassen, dass Unwahrheiten über uns verbreitet werden und totgeschwiegen wird, was wir Monat für Monat tun.» Und weiter: «Alleine die Resonanz, die unser Video erzeugt hat, beweist, dass wir einen Punkt getroffen haben. Das Video hat mehr Leute erreicht, als es das ZDF tut.» Carsten Stahl schliesst sich seinem Vorredner an. Gegenüber Blick erklärt er: «Seriöser und neutraler Journalismus hat die Pflicht, transparent, ungeschnitten, und unzensiert sein, damit sich die breite Öffentlichkeit ein objektives Bild und eine eigene Meinung von beiden Seiten bilden kann.»
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels hat das ZDF noch nicht auf eine entsprechende Anfrage seitens Blick reagiert.