Darum gehts
- Bündner Polizeidirektor Peter Peyer kritisiert Trumps WEF-Rede als «wirr und unwahr»
- Peyer erhält Unterstützung von Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr
- Davoser Landammann Philipp Wilhelm ist verärgert über Bundespräsident Guy Parmelin
Als Bündner Polizeidirektor ist Regierungsrat Peter Peyer (60, SP) für die Sicherheit am Weltwirtschaftsforum (WEF) zuständig. Mit Hunderten Polizisten aus anderen Schweizer Kantonen beschützte Peyers Korps in Davos die Mächtigen – Donald Trump (79), die anderen Staatsoberhäupter, globale Wirtschaftsleader und weitere Prominenz.
Am Mittwoch verfolgte Peyer Trumps Rede im Livestream – und ärgerte sich gewaltig. In sozialen Medien machte der Polizeidirektor seinen Unmut öffentlich: «Eine lange Stunde wirr, unwahr und moralisch kaputt. Unglaublich», schrieb er in einem Post. Auf dem Account «rrpeterpeyer», also offiziell als Regierungsrat.
Soll gesagt werden
Er sei «nicht einfach nur Polizeidirektor», sagt Peyer auf Anfrage von Blick, sondern auch ein «mündiger Bürger». Trumps Rede halte keinem Faktencheck stand. Wenn jemand wie der US-Präsident eine verunglimpfende und respektlose Rede halte und über Menschen mit anderen Meinungen herziehe, solle das gesagt werden.
Einen Widerspruch zu seiner Aufgabe sieht Peyer in der harschen Kritik nicht. Er habe sich über den Inhalt von Trumps Rede mokiert, «die Polizei hingegen hat den Auftrag, völkerrechtlich geschützte Personen, die anderen Gäste sowie die einheimische Bevölkerung zu schützen», sagt Peyer. Diesen Auftrag nehme sie professionell und unabhängig wahr.
Nicht abgesprochen
Die vier weiteren Mitglieder der Bündner Regierung hätten nichts davon gewusst, dass er seinen Unmut über die Trump-Rede in sozialen Medien kundtun würde. Peyer hält fest: «Für ihre persönlichen Meinungsäusserungen sind die anderen Angehörigen der Regierung selbst verantwortlich.»
Unterstützend kommentierte Jacqueline Fehr (62, SP) Peyers Post. Was er schreibe, so die Zürcher Regierungsrätin, treffe zu: «Narzissmus ist nicht heilbar.» Bei Personen, die so auftreten, schaffe man sich nicht mit Nachgeben Raum, sondern mit Gegendruck, schreibt die Zürcher Justizdirektorin und Parteikollegin Peyers.
Davoser Landammann verärgert
Guy Parmelin (66, SVP) hingegen unterliess es im Anschluss an Trumps Rede, den US-Präsidenten zu kritisieren – vielmehr schmeichelte der Bundespräsident dem hohen Gast: «Davos ohne Sie wäre nicht wirklich Davos.»
Ein Satz, der beim Davoser Landammann Philipp Wilhelm (37, SP) gar nicht gut ankam. Dass Parmelin Trump auf diese Weise umgarne, sei «beschämend», so der Gemeindepräsident. Der US-Präsident habe kurz zuvor mit Unwahrheiten, arroganten Beleidigungen und aggressiven Drohgebärden auch noch die letztjährige Bundespräsidentin vor der Weltöffentlichkeit lächerlich gemacht. Wilhelm: «Das ist inakzeptabel.»
Viele Menschen engagierten sich in Davos Jahr für Jahr für den Dialog am WEF. Gerade auch aus Respekt ihnen gegenüber müsse angesprochen und Widerstand markiert werden, wenn jemand wie Trump unverhohlenen Imperialismus zeige, so der Landammann.