Darum gehts
- Dank Blick findet junger Biobauer ein neues Zuhause auf einem Bauernhof
- Verwitweter Bauer teilt neu sein Stöckli mit junger Familie
- Win-Win-Situation für alle auf dem Bauernhof
Dunkle Regenwolken machen sich breit über dem Rheinsberghof bei Bülach ZH. Während Blick bemüht ist, möglichst trocken die Aussenaufnahmen auf dem Bauernhof in den Kasten zu bekommen, nehmen es der pensionierte Bauer Jak Meier (89) und Biobauer Roger von Arb (32) gelassen. Sie nehmen den erwarteten Regen erfreut zur Kenntnis. Die Natur braucht Wasser, sind sich die beiden Bauern einig. Da verstehen sich zwei – da haben sich zwei gefunden. «Ich bin angekommen und fühle mich hier sehr wohl», sagt der neu zugezogene junge Bauer. Das zeigt sich beim Besuch von Blick. Er macht selbstverständlich in der Küche den Kaffee für die Besucher und serviert ihn im Garten. «Seit Roger hier ist, habe ich natürlich auch Bio-Milch im Kühlschrank», sagt Meier lachend.
Seit Anfang April lebt der junge Biobauer Roger von Arb aus Winkel bei Bülach auf dem Hof im Stöckli beim verwitweten Bauer Jak Meier. Meiers Tochter Yvonne Bont, die den elterlichen Hof übernommen hat und auf dem Hof lebt, hat für ihren «Paps» nach dem Tod ihrer Mutter im September 2025 in den sozialen Medien Interessierte zur Gründung einer Bauernhof-WG im Stöckli von Jak Meier gesucht. Keine Pflege, aber wieder etwas mehr Leben im Haus und Gesellschaft, wünschte sich der Witwer nach dem Tod seiner Frau. Die Idee für gemeinschaftliches Wohnen von Yvonne Bont und ihrem Papa Jak Meier ist auf grosses Interesse gestossen.
Durch Blick-Artikel auf Wohnmöglichkeit gestossen
Auch Biobauer von Arb aus Winkel bei Bülach wurde dank Blick auf die geplante WG auf dem Bauernhof im Zürcher Unterland aufmerksam. Er wohnte und arbeitete bis dahin noch bei seiner Mutter auf dem Biohof Bühlhof in Winkel ZH, nicht weit von Jak Meier. Von Arb war auf Wohnungssuche für sich, seine Partnerin Alina Schewtschenko (32) und ihrem Sohn German (7). «Wir wollten zusammenziehen. Auf unserem Hof hatte ich nur ein Zimmer für mich und wir hatten momentan zu wenig Platz, dass Alina und German bei uns hätten einziehen können», sagt von Arb. In ein paar Jahren könnte sich das ändern: Der junge Bauer möchte später den Biohof übernehmen, auf dem er weiterhin arbeitet. So hat er sich für einen Besichtigungstermin gemeldet und war sofort angetan von Jak Meier und der Wohngelegenheit im Stöckli auf dem Reiterhof. «Das Haus und die Umgebung hier sind wunderschön und für unsere aktuelle Lebenssituation ist das perfekt», sagt von Arb.
Mit Biowein zur Wohnungsbesichtigung
Die Sympathie zwischen Jak Meier und dem jungen Biobauer beruhte von Anfang an auf Gegenseitigkeit. «Er kam mit einer Flasche Wein von seinem Hof zur Besichtigung. Das war mir natürlich auch sympathisch», sagt Meier lachend. Er möchte gern in Zukunft wieder mehr Gesellschaft haben zu Hause und bei einem Gläschen Wein plaudern. Zudem war es sein Wunsch, dass seine neuen Mitbewohner naturverbunden sind. Auch Kinder sind im Haus des 89-Jährigen willkommen.
Freundin und Kind planen Einzug
Von Arbs Freundin Alina und ihr Sohn German stellten sich ebenfalls bei Bauer Meier und seiner Tochter vor und fühlten sich auf Anhieb willkommen und wohl. Nach dem Probewohnen ist Roger von Arb gleich im Stöckli eingezogen. Seine Freundin und German werden Ende des Schuljahrs einziehen. Bis German die erste Klasse fertig hat, sind die Mutter und ihr Sohn nur an den Wochenenden in Bülach. Der kleine German freut sich vor allem darüber, dass er in seinem neuen Zuhause ein eigenes grosses Zimmer im Dachgeschoss hat, und an den vielen Tieren auf dem Hof. Mit den Ponys, der Katze und den Hunden hat er sich schon angefreundet. «Alina und German sind jeweils etwas traurig, wenn sie am Sonntag wieder wegfahren müssen und freuen sich auch, bald hier zu wohnen», sagt Roger von Arb. Er freut sich ebenfalls, wenn sie bald erstmals als Familie am neuen Ort zusammenleben.
Chance für junge Familie auf bezahlbare Wohnmöglichkeit
Platz hat Jak Meier in seinem Stöckli für die kleine Familie genug. «Ich möchte nicht in ein Alters- oder Pflegeheim. Meine Frau und ich haben darum schon beim Hausbau eingeplant, dass im Alter jemand für die Pflege bei uns ins Stöckli einziehen könnte.» Noch ist es nicht so weit. Jak Meier ist nicht pflegebedürftig und seinem Alter entsprechend noch ziemlich selbständig. Er ist geistig fit und am Weltgeschehen interessiert. Er weiss auch, wie schwierig die Situation für Wohnungssuchende ist. Das war ein weiterer Grund, warum er bei sich Wohnraum anbieten wollte. «Wir wollten gern einer Familie eine Chance geben und es hat von Anfang an gepasst», sagt Jak Meier. Roger von Arb und seine Partnerin haben im Erdgeschoss ein grosszügiges, möbliertes Schlafzimmer mit eigenem Bad zur Verfügung. Im geräumigen Dachgeschoss mit Fenstern und Aussicht, hat der Biobauer auch noch seinen Büroplatz. Küche und Wohnzimmer teilen sich die neuen Bewohner mit Jak Meier und auch der Garten wird gemeinsam genutzt. «Für uns ist das genug Platz. Fast wie eine eigene Wohnung und der Preis für alles, was wir zur Verfügung haben, ist mit 1200 Franken fair», sagt der junge Bauer.
Win-win-Situation für alle
Von Arb mag es, wie familiär es auf dem Rheinsberghof zu- und hergeht und versteht sich auch mit Yvonne Bont und ihrer Familie gut. «Wir leben hier auf dem Hof wie in einer grossen Familie und essen oft alle zusammen. Das ist wunderschön», findet der junge Bauer. Yvonne Bont bekocht ihren Vater bei sich im Bauernhaus auf dem Hof weiterhin und ist für ihn da, wo immer nötig. Sie ist aber froh, dass ihr Vater mit seiner neuen Mehrgenerationen-WG wieder vermehrt Gesellschaft in seinem eigenen Haus hat. Es sei eine Win-win-Situation für alle, sind sich alle auf dem Rheinsberghof einig. Noch seien sie in der Kennenlernphase, aber der Start verlief sehr gut und alle freuen sich jetzt, dass mit dem Einzug von Alina und ihrem Sohn die «Familie» weiter wächst.
Keine Pläne, aber ein grosser Wunsch
Jak Meier freut sich vor allem, dass er nicht mehr allein lebt und wieder mehr Leben in seinem Haus ist. In seinem Alter möge er keine Pläne mehr schmieden und nehme jeden Tag noch, wie er kommt. Nur einen Wunsch hat er: «Ich möchte bis zu meinem Ende in meinem Zuhause bleiben. Ich hoffe, die neuen Bewohner fühlen sich wohl bei mir und bleiben lange hier.» Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.