Suchtfaktor Social Media
Mit diesen drei Tricks machen uns Tech-Firmen zu Laborratten

Social-Media-Plattformen wie Tiktok, Instagram oder Snapchat machen genauso süchtig wie Kokain. Das lässt sich im Hirn zeigen.
Publiziert: 12.04.2024 um 00:04 Uhr
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Aktualisiert: 12.04.2024 um 10:11 Uhr
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Trick Nummer 1: Likes und andere Reaktionen auf unsere Posts sorgen dafür, dass wir immer wieder auf die Plattform zurückkehren.
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Silvia TschuiGesellschafts-Redaktorin

Zu viel Social Media und Smartphone schadet. Warum hören wir nicht einfach damit auf? Die Antwort ist simpel: Weil die Plattformen so designt sind, dass sie süchtig machen. Um genauer zu sein: genauso süchtig wie etwa Spielautomaten oder Kokain. Das zeigt eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2018. Das sind die drei wichtigsten psychologischen Tricks, derer sich Social-Media-Firmen bedienen.

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Likes

1948 hat der US-Psychologe B.F. Skinner mithilfe von Ratten herausgefunden, was uns süchtig macht. Die Ausgangslage des Experiments: Drückten die Ratten einen Hebel, fiel aus einer Klappe Futter heraus. Vereinfacht kann das Experiment so abgekürzt werden: Fiel bei jedem Drücken zuverlässig Futter heraus, drückten die Ratten die Taste, bis sie satt waren. Fiel hingegen Futter nur nach wiederholtem Drücken heraus, und waren die Anzahl Wiederholungen zufällig, drückten die Ratten die Taste immer und immer wieder – die Anzahl Wiederholungen konnte dabei schier endlos dauern. Genauso sind auch Likes designt: Man weiss nicht, wann und ob man eins oder gar mehrere bekommen wird, und drückt deshalb – wie die Ratte im Experiment – immer und immer wieder. In der Fachsprache nennt sich dieser Belohnungszyklus «Variable Interval Reinforcement» («Variable Intervall-Verstärkung»).

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Scrollen

Früher war Mediennutzung anders: Ein Film war irgendwann fertig und man ist aus dem Kino gegangen. Beim Fernsehen war irgendwann Sendeschluss und man hat ausgeschaltet. Ein ausgelesenes Buch klappt man zu. Auf Social Media hingegen hören die Inhalte nie auf – man kann auf Instagram und Facebook ewig nach unten scrollen, auf Tiktok und Youtube wie auch auf Streamingdiensten wie Netflix beginnen automatisch neue Videos. Das bedeutet, dass man nie aus einer Erwartungshaltung herauskommt und so viel länger auf den Plattformen verweilt, als man eigentlich möchte – und sogar in Gesellschaft manchmal lieber scrollt, als sich zu unterhalten.

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Benachrichtigungen

Sie leuchten uns auf unseren Smartphone-Screens über den rechten oberen Ecken diverser Apps entgegen: Die roten Bömbeli mit einer weissen Nummer drin, die sagen: So viel Neuigkeiten warten hier auf dich! Klick mich! Sobald man klickt, sind wir aber sofort wieder Trick eins und zwei ausgesetzt. Um nicht auf diese alarmierend roten «Klick mich»-Reize hereinzufallen, lohnt es sich, das Handy-Display auf Schwarz-Weiss zu schalten.


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