Team gelingt Durchbruch
Schweizer Forscher bergen in der Antarktis bisher längsten Bohrkern

Ein Schweizer Forschungsteam hat einen 228 Meter langen Bohrkern aus der Westantarktis geborgen – der längste je unter einem Eisschild. Er soll helfen, die Folgen der Klimaerwärmung für den Meeresspiegel vorherzusagen.
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Das 29-köpfige Forschungsteam verbrachte 10 Wochen in einem abgelegenen Forschungscamp in der Antarktis, um den Bohrkern zu gewinnen.
Foto: Ana Tovey/SWAIS2C

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Team bohrt 228 Meter Kern unter antarktischem Eisschild
  • Ross-Schelfeis stabilisiert Gletscher, Meeresspiegelanstieg droht bei Erwärmung
  • Bohrkern enthält Sedimente bis 23 Millionen Jahre alt laut ETH
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Ein Forschungsteam unter Schweizer Leitung hat einen 228 Meter langen Bohrkern von unter dem antarktischen Eisschild hervorgebracht. Es ist der längste Bohrkern, der je aus Ablagerungen unter einem Eisschild geborgen wurde.

Der Bohrkern soll helfen, die Folgen der Klimaerwärmung für den Meeresspiegel vorherzusagen, wie die ETH Zürich mitteilte. So wollen die Forschenden daran ablesen, bei welcher Temperatur das antarktische Eisschild schmilzt.

Zehn Wochen in abgelegenem Camp

Das 29-köpfige Forschungsteam aus zehn Ländern unter Co-Leitung der ETH Zürich und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) verbrachte für die Forschung zehn Wochen in einem abgelegenen Camp auf dem sogenannten Ross-Schelfeis, rund 700 Kilometer von der nächsten Forschungsstation entfernt.

Um an die schwer zugänglichen Sedimente zu gelangen, schmolz das Team zunächst ein Loch durch das 523 Meter dicke Eis. Anschliessend bohrten sie 228 Meter weiter in den Grund der Westantarktis.

700 Meter tief gebohrt

Damit handelt es sich um den mit Abstand längsten jemals unter einem Eisschild gebohrten Kern. Die zuvor tiefste Bohrung war kürzer als zehn Meter. Zwei frühere Bohrversuche nach diesem längsten Bohrkern waren laut der ETH gescheitert.

Der Bohrkern gilt als Klimaarchiv, das die Umweltbedingungen aus früheren Zeiten festhält. Erste Anzeichen deuten laut der ETH darauf hin, dass die Sedimentschichten im Kern bis zu 23 Millionen Jahre zurückreichen. Diese Zeitspanne schliesst auch Perioden ein, in denen die globale Durchschnittstemperatur deutlich höher als heute lag.

Meeresspiegel soll mehrere Meter steigen

Schmilzt das westantarktische Eisschild komplett, würde der globale Meeresspiegel Berechnungen zufolge um vier bis fünf Meter steigen. Das Ross-Schelfeis spielt bei der Frage nach der Erhöhung des Meeresspiegels eine Schlüsselrolle: Es stabilisiert wie eine Art «Türstopper» die dahinterliegenden Gletscher. Schmilzt es, könnte das Eis der Westantarktis ungehindert ins Meer fliessen.

Die Forschenden wollen nun klären, bei welchen Bedingungen das Eisschild in der Vergangenheit instabil wurde. Zentral ist die Frage, ob ein Rückzug bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau droht.

Der Bohrkern wurde vor Ort gekühlt und zur neuseeländischen Scott Base geflogen. Von dort wird er per Schiff nach Neuseeland transportiert, wo die detaillierte Laboranalyse beginnt. Das Forschungsprojekt trägt den Namen SWAIS2C (Sensitivity of the West Antarctic Ice Sheet to 2°C).

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