Husky-Abenteuer bei Hanna und Juho Ylipiessa
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Einzigartiges Erlebnis:Husky-Abenteuer bei Hanna und Juho Ylipiessa

Die weisse Unendlichkeit – Unterwegs mit Huskys in Lappland
Wenn die Seele pulsiert

Auf der Husky-Ranch von Juho und Hanna Ylipiessa in Lappland erlebt Blick-Reporter Martin Meul ein ganz spezielles Abenteuer: eine Schlittenfahrt mit Huskys durch eine magische Winterlandschaft – traditionelles Essen inklusive.
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Blick-Reporter Martin Meul hat in Finnisch-Lappland ein unvergessliches Abenteuer erlebt.
Foto: Martin Meul

Darum gehts

  • Blick-Reporter erlebt Hundeschlittentour durch verschneites Lappland
  • Juho Ylipiessa betreibt Husky-Ranch mit 42 Hunden in Finnland
  • Tour ist 40 Kilometer lang, inklusive Pause in traditioneller Kota-Hütte
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Martin MeulReporter News

Es gibt nur wenige Geschöpfe auf dieser Welt, die einen anschauen können wie ein Hund. Ein Lebenspartner vielleicht oder das eigene Kind. Der Blick, den Jaws mir schenkt, ist pure Verheissung. Das Versprechen auf Abenteuer, pure Natur und Momente, die mir ganz allein gehören werden. 

Gibt es etwas Intensiveres als den Blick eines Hundes?
Foto: Martin Meul

Jaws scheint zu wissen, dass er und seine drei Teamkollegen dabei sind, mir einen der schönsten Tage meines Lebens zu bereiten. Der gewaltige Husky-Rüde ist bereit loszulegen, mich durch die verschneiten, eisigen und schier unendlichen Weiten Lapplands zu ziehen. Das Bellen der Hunde hallt durch die Luft. «Los jetzt, los jetzt!», scheinen sie zu rufen. Ich nehme den Fuss von der Bremse meines Schlittens – ein Ruck und schon gleite ich in eine andere Welt.

Auf keinen Fall loslassen

Gut eine Stunde zuvor bin ich auf der Husky Ranch von Hanna (40) und Juho (41) Ylipiessa eingetroffen. Auf dem Programm steht eine Tagestour mit den Hunden der Ranch im finnischen Kurtakko. Gut 40 Kilometer durch Wald, Schnee und Eis. Es ist Januar und deshalb noch ziemlich dunkel, als ich das Gästehaus der Ylipiessas betrete. 

Drinnen heisst es dann: Ausrüstung anlegen. Auch wenn meine Kleidung bereits ordentlich schützt, besser ist es, sich mit dem richtigen Equipment auf das Abenteuer zu begeben. Auf dem Schlitten kann es empfindlich kalt werden. Deshalb gibt es für mich Hosen, einen Parka und besonders warme Schuhe.

Dann geht es hinaus zu den Hunden. Endlich. Die Tiere sind schon unglaublich aufgeregt. Ihr Bellen ist so laut, dass man sein eigenes Wort kaum versteht. 

Zuerst aber heisst es: theoretische Einführung. Juho zeigt der Gruppe, die maximal aus fünf Personen besteht, wer mit welchen Hunden unterwegs sein wird und in welcher Position die Tiere vor den Schlitten gespannt werden müssen. «Jeder Hund ist individuell, hat seine eigenen Charakter, seine Stärken und dementsprechend seine Aufgabe im Gespann», sagt der erfahrene Schlittenhundeführer, auch Musher genannt. Auch zeigt er uns, welche Handzeichen wir während der Fahrt benutzen werden, um uns zu verständigen. Mit einem Arm wie mit einem Flügel wedeln bedeutet zum Beispiel «Vorsicht, bremsen.»

Dann geht es zu den Schlitten. Juho erklärt die wichtigste Regel. «Auf keinen Fall loslassen, die Hunde laufen einfach weiter!» Heisst: Bei einem Sturz muss ich mich mitziehen lassen. Juho zeigt uns noch die Funktionsweise der Bremsen am Schlitten, dann sind wir bereit für die Hunde. 

Die Weite Lapplands

Gemäss dem Gespannplan suchen wir uns nun unsere Hunde aus den verschiedenen Zwingern zusammen. Dabei bekommen wir natürlich Hilfe, immerhin sind 42 Huskys auf der Ranch der Ylipiessas zu Hause! Sobald man den passenden Hund gefunden hat, klemmt man sich das Tier zwischen die Beine, legt ihm das Geschirr an und bindet den Husky vor den Schlitten. 

Nach ein paar Minuten sind alle Gespanne bereit. Die Hunde sind kaum noch zu bändigen, sie werfen sich mit voller Kraft in die Leinen. Jetzt weiss ich, warum die Bremsen so wichtig sind. 

Das Gefühl von den Hunden durch die winterliche Landschaft gezogen zu werden, ist unbeschreiblich.
Foto: Martin Meul

Dann kommt das Signal für den Start und ich gleite mit meinem Team in die Weite Lapplands hinaus. Nach wenigen Minuten hat sich die Aufregung gelegt und ein unglaubliches Glück überkommt mich. Die Seele pulsiert im Rhythmus der hechelnden Hunde. Der Schlitten knarrt sanft, wie ein Segelschiff, die verschneite Landschaft zeigt sich in ihrer ganzen Schönheit. 

Ich bin fasziniert davon, was die Hunde zu leisten vermögen. Mit gut 15 Kilometer pro Stunde ziehen sie mich durch den Schnee. Sie wollen laufen, immer weiter, ohne Pause. Kommen die Schlitten einmal kurz zum Stehen, weil Juho beispielsweise einzelne Hunde zwischen den Gespannen austauscht, werden die Tiere sofort ungeduldig und wollen weiter.

Krafttanken in der Kota

Nach gut 25 Kilometern Fahrt wird es Zeit für eine Mittagspause. Dafür halten wir bei einer Kota mitten im Wald: Kotas sind die typischen finnischen Holzhütten, in denen man sich aufwärmen kann. 

Doch zuerst kümmern wir uns um die Hunde. Die Tiere bekommen ein Bett aus Stroh und natürlich einen nahrhaften Snack. Langsam kehrt Ruhe bei den Tieren ein, sie wissen genau, dass sie sich nun ausruhen müssen. 

Während wir uns um die Tiere kümmern, entfacht Juho in der Kota ein gemütliches Feuer. «Ich war immer schon fasziniert von der Natur und einem Leben draussen», erzählt er mir. So sei er zum Hundeschlittenfahren gekommen. «Ich liebe es, mit den Hunden unterwegs zu sein, aber auch den Kontakt mit den Gästen.» 

Zu diesen Gästen zählen besonders viele Schweizerinnen und Schweizer. Der Grund: Juho ist hier kein Unbekannter. Im Jahr 2019 drehte das SRF eine grosse Dokumentation über ihn. «Seitdem kommen sehr viele Menschen aus der Schweiz zu uns, das freut uns sehr», sagt er. 

Während Juho mit mir spricht, bereitet er das Mittagessen für die Gruppe zu. Ganz stilecht gibt es Rentierfleisch mit Kartoffeln und Gemüse. Dazu einen Kaffee. Genau das Richtige, um Kraft zu tanken für den Rückweg, denn es liegen noch gut 15 Kilometer vor uns. 

Durch den nächtlichen Wald

Die Pause ist vorbei. Gestärkt und aufgewärmt geht es für uns weiter. Die Hunde sind ebenfalls erholt und voller Tatendrang. Wieder gleite ich mit meinem Team durch die magisch verschneite Landschaft. 

Während wir uns langsam wieder der Ranch nähern, senkt sich die Dunkelheit über Lappland. Die Dämmerung verstärkt den Abenteuercharakter der Fahrt noch einmal, während die Huskys mich durch den nächtlichen Wald ziehen. Mich überkommt etwas Wehmut, ich will nicht, dass es schon vorbei ist. Auch wenn wir schon gut fünf Stunden unterwegs sind. 

Doch alles hat bekanntlich ein Ende. Und dann taucht auch schon die Ranch vor uns auf. Die Hunde werden aus ihrem Dienst entlassen und einer nach dem anderen wieder in die Zwinger gebracht. Ich verabschiede mich von jedem einzelnen, natürlich auch von Jaws. Der Husky-Rüde schenkt mit wieder einen dieser magischen Blicke und nötigt mir ganz ohne Worte das Versprechen ab, schon bald wieder zu kommen, um mit ihm die Weiten Lapplands zu durchstreifen.


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