Oeschinensee, Schweiz
Man kann dem Oeschinensee nun wirklich keinen Vorwurf machen. Der Bergsee oberhalb von Kandersteg ist mit seinem türkisblauen Wasser und den steil aufragenden Felswänden in Realität noch schöner, als er auf Instagram aussieht. Und das wissen leider sehr, sehr viele Menschen.
Im Sommer kommen so viele Besucher, dass mittlerweile selbst die Anreise organisiert werden muss. Vom 20. Juni bis 20. September 2026 braucht es für die Bergfahrt mit der Gondelbahn ein reserviertes Zeitfenster – sehr traurig! Naturerlebnis mit Reservationsmanagement – nein, danke.
Die Alternative: Der Arnensee im Saanenland ist «zwar nur» ein Stausee, liegt aber ebenfalls spektakulär zwischen den Bergen. Man kann baden, fischen, SUP paddeln und mit dem Pedalo herumcruisen.
Bleder See, Slowenien
Eine Kirche auf einer winzigen Insel, eine Burg auf einem Felsen und dahinter die Berge: Der Bleder See ist der schönste seiner Art in den östlichen Alpen. Und deswegen wird der Spot mittlerweile überrannt. 2025 registrierte die kleine Gemeinde knapp 500 000 Touristen und mehr als 1,2 Millionen Übernachtungen. Im Sommer wird sogar ein eigenes Bussystem eingesetzt, um den Verkehr zu entlasten und den Druck auf die Parkplätze zu minimieren. Keine Lust!
Die Alternative: Nur ein Stück weiter liegt der Bohinjer See mitten im Triglav-Nationalpark. Zwar gibt es dort keine fotogene Kirche auf einer Insel, das gesamte Panorama ist dennoch sehr eindrücklich.
Pragser Wildsee, Italien
Der Pragser Wildsee ist vermutlich der berühmteste Bergsee der Dolomiten: smaragdgrünes Wasser, Holzboote und dahinter eine gewaltige Felswand. Er erinnert an den Seealpsee im Appenzeller Alpstein. Das perfekte Instagram-Motiv. Leider wollen im Sommer alle «Instagram-Schafe» dasselbe Bild schiessen. Der Andrang ist inzwischen so gross, dass das Pragser Tal vom 1. Juli bis 15. September 2026 zwischen 9 und 16 Uhr nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuss, per Velo oder mit entsprechender Online-Reservierung angefahren werden kann. Selbst für die Linienbusse zum See ist in dieser Zeit eine Online-Reservierung notwendig.
Die Alternative: Der Antholzer See liegt ebenfalls in Südtirol und schimmert mindestens genauso verführerisch schön. Zwar ist der Antholzer See auch kein Geheimtipp mehr, aber längst nicht so überlaufen wie das Pragser Tal.
Gardasee, Italien
Ach, Gardasee, du bist so schön, aber du bist auch eine der grössten Touristenmaschinen Italiens. Die offizielle Tourismusseite spricht von mehr als 25 Millionen Besuchern pro Jahr. Besonders deutlich zeigt sich das in Sirmione: Der kleine historische Ort gehört zu den meistbesuchten Plätzen am See und zählt laut der britischen Zeitung Guardian rund 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Im Sommer ist hier nichts mehr mit Dolce Vita, sondern nur noch Dichtestress.
Die Alternative: Gerade einmal 15 Kilometer vom Gardasee entfernt liegt der Ledrosee. Hier findet man eine Handvoll Strände, herzige Dörfchen und sogar ein archäologisches Museum.
Starnberger See, Deutschland
Kaum scheint in München und Umgebung die Sonne, zieht es die Bayern hinaus an die Seen. Beliebtester Spot: Der Starnberger See, der nicht nur für seine malerische Lage, sondern insbesondere auch als Wohnort der Reichen und Schönen bekannt ist. Besonders in der Stadt Starnberg wird es an sonnigen Tagen auf der Seepromenade eng: Fussgänger, Badegäste, Cafébesucher, Pendler und Velofahrer treffen hier aufeinander – und vorbei ist es mit der schönen Stimmung.
Die Alternative: Der Staffelsee bei Murnau bietet einen wunderbaren Blick auf die Alpen – und das ohne den Rummel vom Starnberger See. Und wer vom Wasser genug hat, besucht das Dorf Murnau mit seinem Münter-Haus. Das einstige Wohnhaus der berühmten Malerin Gabriele Münter ist heute ein Museum.
Hallstätter See, Österreich
Der malerische Hallstätter See mit dem noch malerischeren Dorf Hallstatt ist ein negatives Beispiel für Overtourism. Insbesondere asiatische Besuchergruppen lieben den Ort besonders. In China gibt es sogar eine Kopie des Dorfes. In der Hauptsaison schieben sich bis zu 12'000 Touristen durch die engen Gassen, bei nicht einmal 1000 Bewohnern. Warum nur?
Die Alternative: Der Altausseer See bietet Salzkammergut-Romantik mit Blick auf den Dachstein – ganz ohne Hallstatt-Wahnsinn.
Comersee, Italien
George Clooney, Villen, Palmen und Dörfer, die sich zwischen Berge und Wasser quetschen: Der Comersee ist längst ein globaler Sehnsuchtsort. Besonders schlimm ist der Ansturm in kleinen Dörfchen wie Varenna. Der Ort empfängt in der Hochsaison inzwischen bis zu 17'500 Besucher pro Tag. Während im historischen Zentrum nur noch rund 70 Menschen leben. Krass!
Die Alternative: Der Ortasee im Piemont liefert ebenfalls italienische Seeromantik. Herzstück ist der Ort Orta San Giulio mit seinen alten Palazzi und verwinkelten Gassen; gegenüber liegt die kleine Isola San Giulio mit romanischer Basilika – alles, was man braucht. Nur eben kein George Clooney.