Boring, USA – langweiliger gehts kaum
Kein Ort der Welt ist mit seinem Namen so hart gestraft wie Boring im Bundesstaat Oregon. Boring bedeutet so viel wie langweilig, öde – und leider zielt der Name mitten ins Schwarze. Denn Boring ist kaum mehr als eine Schlafstadt für das benachbarte Portland, das grosse Zentrum des Bundesstaates. Immerhin geniesst man von Boring aus einen herrlichen Blick auf den Vulkan Mount Hood, Oregons höchsten Berg – selbst die Tourismus-Website wirbt damit.
Doch der Name Boring lädt nicht nur zum Spott ein, er hat auch Netflix auf den Ort aufmerksam werden lassen: Hier spielt die Comedyserie Everything Sucks!. Was das heisst? Alles ist besch*** – auch keine Schmeichelei.
Immerhin eine Sehenswürdigkeit stemmt das langweilige Kaff gegen seinen Ruf: das North American Bigfoot Center, wo man tatsächlich der Frage nachgeht, ob es Bigfoot wirklich gibt. Nicht wenige Menschen in den USA glauben an die Existenz dieses Affenmenschen. Da bleibt der Verdacht nicht aus: Wenn man in Boring schon nichts Interessantes zu bieten hat, flüchtet man sich eben in Legenden.
Der Name Boring geht übrigens auf den Siedler William H. Boring zurück, der hier in den 1870er-Jahren eine Farm gründete.
Dull, Schottland – eine Strasse Ödnis
Dass man im amerikanischen Boring trotz aller Schmach Spass versteht, sieht man auch daran, dass man sich mit dem schottischen Ort Dull verbrüdert hat. Dull: matt, öde, langweilig. Ein Dorfname wie ein grauer Nieselregentag in den Highlands. Und während Boring in Oregon mit seinen paar Tausend Einwohnern immerhin über alle nötigen Einrichtungen verfügt, ist in Dull wirklich kaum etwas los: Der Ort besteht aus einer löchrigen Strasse und hat gerade mal 84 Einwohner. Glaubt man den Historikern, lag die Blütezeit des Ortes im Mittelalter, als es hier ein Kloster gegeben haben soll. Seitdem herrscht wohl tote Hose.
Aber während Dull selbst kaum einen Besuch wert ist, entschädigt die Umgebung. Der Ort liegt mitten in schottischer Bilderbuchlandschaft, inklusive Märchenschlössern und Whisky-Destillerien.
Bland Shire, Australien – gar nichts los Down Under
Der dritte im Bunde der englischsprachigen Orte, bei denen schon der Klang ein Gähnen verursacht, ist Bland Shire in Australien: geschmacklos, fade, langweilig. Der Name könnte nicht passender sein, denn das Verwaltungsgebiet ist eine flache Ödnis voller Getreidefelder. Selbst Google Maps listet in der Region, die etwas grösser ist als Graubünden, eine einzige Sehenswürdigkeit auf: Getreidesilos mit Street-Art. Und auch die grösste Stadt der Region, West Wyalong, ist genauso langweilig, wie man sich ein Arbeiternest im australischen Outback vorstellt. Aber immerhin hat man auch hier in New South Wales den Sinn für Humor nicht verloren: Man hat mit Boring und Dull die League of Extraordinary Communities, die Vereinigung ausserordentlicher Gemeinden, gegründet.
Elend und Sorge, Deutschland – das volle Elend im Harz
Man kann es sich kaum ausdenken, dass die Orte Elend und Sorge nur wenige Kilometer auseinanderliegen – so passiert im Harz in Ostdeutschland. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie das Leben hier bei der Gründung im Mittelalter gewesen sein muss. Welch ein Elend muss hier geherrscht haben?
Ganz so schlimm, wie der Name vermuten lässt, wird es wohl nicht gewesen sein. Denn «Elend» bedeutete im Mittelhochdeutschen «in der Fremde» und nahm erst später die heutige Bedeutung an. Beim Ort Sorge gehen einige Sprachwissenschaftler allerdings davon aus, dass der Name auf die schwierigen Bedingungen bei der Besiedlung des Mittelgebirges zurückgeht.
Beide Orte sind sicherlich nicht die Perlen der Region in Sachsen-Anhalt – in der Umgebung liegen weitaus malerischere Flecken. Highlight von Elend und Sorge ist die dampfbetriebene Schmalspurbahn, die hier regelmässig vorbeischnauft, und der Brocken, jener Berg, an dem sich der Legende nach die Hexen zur Walpurgisnacht treffen. Die Region ist zudem ein sehr gutes Wanderrevier.
In der jüngeren Geschichte hatten die beiden Orte allerdings wirklich ein trauriges Schicksal – und ihre Namen wurden plötzlich Realität. Denn die Dörfer lagen in der Sicherheitszone der DDR zur Grenze nach Westdeutschland. Das bedeutete, Elend und Sorge durften nur mit Genehmigung besucht werden. In Sorge zeigt ein Freilichtmuseum den historischen Grenzzaun und gibt eine Ahnung von den Lebensbedingungen zur Zeit der deutschen Teilung.
Hell, Norwegen – Highway to Hell
Wer glaubt, die Hölle befinde sich irgendwo tief unter der Erde oder dort, wo die Religionen die Unterwelt verorten, war noch nicht in Norwegen. Denn etwa 30 Kilometer nordöstlich von Trondheim liegt das Örtchen Hell – bekanntermassen englisch für Hölle. Klar, der Bahnhof mit dem Ortsschild ist mittlerweile ein Instagram-Spot. Und an jenem Bahnhof prangt das alte Schild Gods-Expedition, ursprünglich ein Hinweis auf die Güterabfertigung, was man aber auch als Gottes Expedition verstehen kann. Von der Hölle geht es also direkt zu Gott – schon fast ein philosophischer Gedanke.
Mit Feuer, Teufel und ewiger Verdammnis hat der Ortsname allerdings nichts zu tun. Hell geht vermutlich auf das altnordische Wort «hellir» zurück, das so viel wie Felsüberhang oder Höhle bedeutet.
Ausser dem Bahnhof hat Hell nichts zu bieten. Der «Highway to Hell», man erlaube mir das Wortspiel, ist dafür umso schöner: Egal, wie man nach Hell fährt, die norwegische Landschaft ist der Hammer.