Darum gehts
- Färöer: Grüne Klippen, Sommerregen, 10-13 Grad, ideal für Wanderungen
- Finnmark: Nordkap 10 Grad, 75'000 Menschen, Rentiere und Einsamkeit
- Oberengadin: Graubünden Sommerhöchstwerte über 20 Grad, Segantinihütte, Muottas Muragl
Färöer – das Anti-Mittelmeer
Die Färöer sind so etwas wie das Anti-Mittelmeer Europas. Keine Strandclubs, keine grossen Hotelkästen, keine Flanierpromenaden. Und vor allem: keine Hitzeglocke. Dafür grüne Klippen, Schafe hinter jeder Kurve, Nebel und ein Nordatlantik, der selbst im Sommer Regen über die Inseln treibt.
Das Archipel zwischen Schottland, Island und Norwegen ist kein Ziel für Menschen, die im Sommer garantiert am Strand sünnelen wollen – dafür ist es hier zu kühl. Die Sommertemperaturen pendeln auf den Färöern meist zwischen 10 und 13 Grad – ideal für lange Wanderungen und entschleunigende Tage in einer reetgedeckten Hütte. Und wer Lust auf etwas Stadtflair verspürt, taucht in die Hauptstadt Tórshavn ein, die verblüffend kosmopolitisch wirkt.
Mein Tipp: Im Café-Buchladen-Mix Paname Café in Tórshavn kann man bei gutem Kaffee und Sandwiches herrlich versacken.
Finnmark, Norwegen – keine Seele weit und breit
Unendliche Grasebenen, tosende Küste und keine Menschenseele weit und breit: Die Finnmark im Nordosten Norwegens ist eine der unwirklichsten Regionen Europas. In einem Gebiet, das etwa so gross ist wie die Schweiz, leben gerade einmal rund 75'000 Menschen – und mindestens ebenso viele Rentiere, die gelassen über die Tundra ziehen und sich von Gras und Flechten ernähren.
Touristisches Highlight ist das Nordkap, einer der bekanntesten Sehnsuchtsorte des europäischen Nordens. Klassische Sehenswürdigkeiten gibt es ansonsten kaum. Dafür viel raue Natur, in der man mit Camper oder Zelt in erholsamer Einsamkeit die Sommertage verbringen kann: wandern, lesen, Rentiere beobachten, fischen, Beeren sammeln. Herrlich. Und angenehm kühl: Am Nordkap liegen die Sommerwerte im Schnitt um 10 Grad, im Hinterland sind im Juli Tageshöchstwerte um 16 bis 17 Grad typisch.
Für etwas kulturellen Input lohnt sich ein Abstecher in den Ort Karasjok, wo sich das Parlament der samischen Volksgruppe befindet und man im lokalen Museum die Lebensweise der Samen kennenlernen kann.
Mein Tipp: Im Kjell’s Café gibt es leckeres Rentiergeschnetzeltes – deftig, schlicht und genau richtig nach einem Tag draussen.
Siglufjörður, Island – am Rand Europas
Ich habe ein Faible für diese Orte am Ende der Welt, wo objektiv nichts los ist und manchmal eine gewisse Melancholie über den Dingen liegt. So ein Ort ist Siglufjörður im Norden Islands, der trotz der neuen Tunnelverbindung, die 2010 eröffnet wurde, noch immer ziemlich abgelegen wirkt. Auch im Sommer verirren sich nur wenige Reisende hierher – dafür liegt der 1000-Seelen-Ort zu weit abseits der beliebten Ringstrasse. Also genau richtig zum Entschleunigen.
Man kann hier die umliegenden Berge besteigen, in der Region Wale beobachten und das sehenswerte Heringsmuseum besuchen. Siglufjörður war einst einer der wichtigsten Häfen für die Heringsfischerei und deren Verarbeitung. In dem Museum lernt man nicht nur die Verarbeitungstechniken, sondern auch die Lebensbedingungen der Heringsarbeiter kennen. Und nach all den Erlebnissen zieht es einen in die Brauerei Segull 67 zu einem lokalen Bier. Angenehm kühl ist es auch: Im Juli und August liegen die Tageshöchstwerte meist um 13 bis 15 Grad.
Mein Tipp: Übernachten im Siglunes Hotel. Das kleine Haus passt wunderbar zum Ort – und überrascht mit einem marokkanischen Restaurant, das lokale isländische Zutaten mit nordafrikanischer Küche verbindet.
Isle of Skye, Schottland – eine lange Liebe
Meine Liebe zu diesem Coolcation-Tipp ist genau 30 Jahre alt. Damals, im Sommer 1996, tourte ich mit einer Freundin in einem Renault 5 durch Schottland. Wir besuchten auch die Isle of Skye – und schliefen an der Kaimauer im Ort Kyleakin im Auto. Damals, als die Touristenzahlen noch niedrig waren, wurden wir geduldet.
Trotz gestiegener Beliebtheit ist Skye noch immer eines der schönsten Reiseziele Schottlands: Imposante Felsen und Klippen, gepaart mit der typisch schottischen Kargheit und dem wechselnden Wetter, das immer auch etwas Drama versprüht, verleihen der 1600 Quadratkilometer grossen Insel ziemlich viel Charisma.
Und was kann man machen bei durchschnittlich herrlichen 17 Grad Sommertemperatur? Vor allem Outdooraktivitäten: Kajak paddeln, Velo fahren und wandern. Skye hat sogar einige Sandstrände zu bieten, beispielsweise den bezaubernden Coral Beach.
Ein Highlight ist sicherlich Dunvegan Castle mit seinem Garten, das seit rund 800 Jahren im Besitz des Clans MacLeod ist.
Mein Tipp: Auf Skye befindet sich die Talisker Distillery, die einen der bekanntesten Whiskys Schottlands herstellt. Bei einer Führung gibt es natürlich auch ein Gläschen zum Probieren.
Oberengadin – das Schöne so nah
Klar, kühl ist es entweder im Norden oder in der Höhe. Also: ab in die Berge. Schön ist es vor unserer Haustür freilich überall. Wohin also? Meine Empfehlung: das Engadin. Denn selbst in der letzten Hitzewelle, als es im Flachland an der 40-Grad-Marke kratzte, blieb es oben in Graubünden bei lauschigen Temperaturen um 20 Grad.
Im wild gelegenen Camping Morteratsch beim gleichnamigen Gletscher im Zelt einquartieren und die Bergwelt zu Fuss erkunden: hinauf zur Segantinihütte mit ihrem spektakulären Toilettenhäuschen und dann auf Muottas Muragl den Sonnenuntergang über den drei Engadiner Seen bewundern. Herrlich. Oder soll es etwas abenteuerlicher sein? Dann empfiehlt sich die Wanderung von Zernez zu den Macunseen, bei der man fast 3000 Meter erreicht.
Das Oberengadin ist im Sommer sehr touristisch – allerdings beschränkt sich der Massentourismus auf einige Hotspots. Abseits davon findet man auch im Hochtal sein ruhiges Plätzchen. Man muss nur ein paar Schritte weitergehen als alle anderen.
Mein Tipp: Das Unterengadin mutet um einiges ruhiger an. Meine Empfehlung ist eine Wanderung ins wildromantische Val Sinestra bis zur Beiz Hof Zuort.
In eigener Sache: Unser Redaktor hat zwei Bücher mit besonderen Orten in der Schweiz herausgegeben: «Glücksorte in Graubünden» und «Glücksorte im Tessin». Erhältlich überall, wo es Bücher gibt.