Haare oder Libido?
Haarwuchsmittel und Potenzpillen boomen illegal

Gefährliche Selbstmedikation: Immer mehr illegale Haarwuchsmittel und Potenzpillen gelangen in die Schweiz. Besonders riskant sind Kombinationen wie Finasterid und Viagra, die gesundheitliche Schäden verursachen können. Experten warnen vor unkontrollierter Einnahme.
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Erblich bedingter Haarausfall betrifft über 80 Prozent aller Männer im Laufe ihres Lebens.
Foto: Getty Images/EyeEm

Darum gehts

  • Illegale Haarausfall- und Potenzmittel-Importe in der Schweiz nehmen weiterhin zu
  • Rund 19 Prozent der beschlagnahmten Pakete enthalten Haarwuchsmittel
  • 80 Prozent der Männer erleben erblichen Haarausfall im Laufe ihres Lebens
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Gina Grace Zurbrügg
Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Die Zahlen von Swissmedic und dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) zeigen, wie stark der Trend zugenommen hat: Tausende illegale Arzneimittelsendungen werden jedes Jahr abgefangen. Den grössten Anteil der Funde machen Potenzmittel aus. Doch auch Präparate gegen Haarausfall holen auf, inzwischen betrifft fast jedes fünfte beschlagnahmte Paket angebliche Haarwuchsmittel. Bei falscher Einnahme können die angeblichen Wundermittel allerdings gefährlich werden. 

Erblich bedingter Haarausfall betrifft über 80 Prozent aller Männer im Laufe ihres Lebens, bei Frauen sind es zwischen 30 bis 40 Prozent. Wer echte Ergebnisse erzielen möchte, sollte auf wissenschaftlich belegte Therapien setzen. Finasterid ist nach wie vor das Mittel der Wahl, weil es das Hormon DHT blockiert, das die Haarfollikel schrumpfen lässt. 

Hallo Haare, tschüss Libido

Doch viele Finasterid-Anwender berichten von verminderter Libido, Erektionsstörungen oder Problemen beim Orgasmus. Neben Finasterid gibt es Minoxidil, das lokal auf die Kopfhaut aufgetragen wird. Studien zeigen eine signifikante Wirkung bei meist nur lokalen Nebenwirkungen wie Rötungen oder Juckreiz.

Unterstützend können Low-Level-Lasertherapie oder Platelet-Rich Plasma (PRP) eingesetzt werden, um den Haarausfall zu verlangsamen und das Haarwachstum zu fördern.

Viele Männer kombinieren illegale Haarwuchsmittel mit Potenzpillen wie Viagra. Diese Kombination ist riskant, weil Finasterid sexuelle Funktionsstörungen auslösen oder verschlimmern kann, während Viagra die Ursache nicht behebt, sondern lediglich kurzfristig die Erektion unterstützt. Dadurch werden Nebenwirkungen unter Umständen überdeckt, ohne dass sie ärztlich abgeklärt werden.

Haartransplantation, Toupets und Perücken

Eine Haartransplantation bietet eine dauerhafte Lösung, bei der Eigenhaare an kahle Stellen verpflanzt werden. Sie ist jedoch mit hohen Kosten verbunden und erfordert eine lange Heilungszeit. Toupets oder Haarteile bieten eine schnelle Möglichkeit, lichte Stellen oder kahle Bereiche zu kaschieren. Perücken eignen sich besonders bei starkem Haarausfall oder für Personen, die keine invasive Behandlung wünschen.

In der Schweiz sind Finasterid und Minoxidil verschreibungspflichtig, die legale Einnahme erfolgt über Arzt oder Apotheke. Eine Selbstmedikation über das Internet ist nicht nur illegal, sondern kann auch gefährlich sein. Zusatzversicherungen können je nach Vertrag einen Teil der Kosten abdecken.

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