Die Tage werden kürzer, die Morgenstunden dunkler und der Feierabend fällt zunehmend in die Dämmerung. Mit der Zeitumstellung am 25. Oktober verschiebt sich der Tagesrhythmus zusätzlich: Was bisher noch bei Tageslicht stattfand, spielt sich plötzlich im Dunkeln ab. Das ist nicht nur für Menschen am Steuer eine Herausforderung. Auch für Wildtiere steigt das Risiko, auf einer Strasse von einem Auto erfasst zu werden.
Denn viele heimische Tiere sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Sie verlassen ihre Verstecke, suchen Nahrung oder wechseln zwischen ihren Lebensräumen. Im Herbst kommt bei Rot- und Damwild die Paarungszeit hinzu. Die Tiere sind dann besonders bewegungsfreudig und können unvermittelt auf die Fahrbahn laufen.
20'000 Wildunfälle pro Jahr
Wie gross das Problem ist, zeigen die Zahlen: In der Schweiz kommt es Schätzungen zufolge jährlich zu rund 20'000 Wildunfällen. Etwa neun von zehn ereignen sich auf Strassen, die übrigen auf Bahnanlagen. Für viele Tiere enden solche Kollisionen tödlich.
Besonders tückisch ist, dass sich Wildtiere im Dunkeln oft erst spät erkennen lassen. Nasse Fahrbahnen, Nebel und Blendungen erschweren die Sicht zusätzlich. Wer auf einer Strecke entlang von Wäldern, Feldern oder Hecken unterwegs ist, sollte deshalb jederzeit mit einem Tier auf der Fahrbahn rechnen.
So vermeidest du einen Zusammenstoss
Mit der richtigen Fahrweise lässt sich das Unfallrisiko reduzieren. Diese Tipps helfen:
Tempo reduzieren: Fahre bei Dämmerung und Dunkelheit langsamer, besonders auf Waldstrassen und in Gebieten mit Wildwechsel. Je geringer das Tempo, desto mehr Zeit bleibt zum Reagieren.
Auf Warnschilder achten: Das Verkehrsschild «Wildwechsel» ist ein ernst zu nehmender Hinweis. Halte den Fahrbahnrand im Blick und sei bremsbereit.
Fernlicht rechtzeitig abblenden: Entdeckst du ein Tier, schalte auf Abblendlicht um, damit es nicht zusätzlich geblendet wird. Vermeide hektische Lenkbewegungen.
Mit weiteren Tieren rechnen: Ein Reh kommt selten allein. Auch wenn ein Tier die Strasse bereits überquert hat, solltest du das langsame Tempo zunächst beibehalten und aufmerksam bleiben.
Nicht riskant ausweichen: Läuft ein Tier direkt vor das Auto, ist ein kontrolliertes Bremsmanöver in der Regel sicherer als ein abruptes Ausweichmanöver. Ein solches kann dazu führen, dass das Fahrzeug von der Strasse abkommt oder mit dem Gegenverkehr kollidiert.
Wildunfall: Was ist jetzt zu tun?
Trotz aller Vorsicht lässt sich nicht jeder Zusammenstoss verhindern. Kommt es zu einer Kollision mit einem Wildtier, ist das richtige Verhalten entscheidend.
- Anhalten und Unfallstelle sichern: Schalte die Warnblinkanlage ein und sichere die Unfallstelle, ohne dich selbst oder andere zu gefährden.
- Polizei verständigen: Melde den Wildunfall unverzüglich. In der Schweiz besteht eine Meldepflicht, auch wenn das Tier nach dem Zusammenstoss davonläuft oder es sich um ein kleineres Wildtier handelt.
- Tier nicht anfassen: Verletzte Tiere können sich aus Angst wehren oder flüchten. Versuche nicht, sie selbst einzufangen oder zu bergen.
- Tier nicht selbst von der Strasse räumen: Warte auf die zuständigen Fachpersonen. Sie können das Tier fachgerecht versorgen oder bergen und weitere Gefahren verhindern.
Auch wenn am Auto kaum ein Schaden sichtbar ist, sollte ein Zusammenstoss gemeldet werden. Ein verletztes Tier kann sich in den Wald zurückziehen und dort leiden. Die zuständigen Fachpersonen können nach ihm suchen und sein Leiden gegebenenfalls beenden.
Besonders aufmerksam bis in den Winter
Die Gefahr endet nicht mit der Zeitumstellung. Solange es morgens und abends dunkel ist, müssen Autofahrende mit Wildwechsel rechnen. Wer das Tempo anpasst, den Strassenrand beobachtet und nach einer Tierbegegnung nicht sofort beschleunigt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Tiere.