Ein Blick aufs Handy oder kurz den Radiosender gewechselt – und schon ist der Unfall passiert: Ablenkung am Steuer gehört zu den grössten Sicherheitsrisiken im Strassenverkehr.
Aktuelle Analysen des Versicherers Allianz zeigen das Ausmass des Problems: Demnach passieren mehr als 30 Prozent aller Verkehrsunfälle durch Ablenkung.
Unfälle verdreifacht
Eine deutsche Studie der Allianz und der Firma Cognibit weist nun erstmals nach, wie stark sich Ablenkung auf das Crashrisiko auswirkt. Ergebnis: In einem simulierten Notbrems-Szenario auf der Autobahn stieg der Anteil der Unfälle von 18 Prozent bei aufmerksamen Fahrern auf 54 Prozent bei abgelenkten Fahrern.
In einem Szenario, bei dem ein Kind unvermittelt die Fahrbahn betritt, erhöhte sich die Unfallquote von 4 Prozent auf 11 Prozent. Besonders alarmierend: In 39 Prozent dieser Fälle reagierten die abgelenkten Fahrer überhaupt nicht.
Schlimmer als Alkohol
«In unseren Untersuchungen schnitten abgelenkte Fahrer schlechter ab als Fahrer mit einem simulierten Blutalkoholwert von 0,8 Promille», sagt Allianz-Manager Frank Sommerfeld. «Ablenkung sollte gesellschaftlich ebenso geächtet werden wie Alkohol am Steuer.»
Schuld sind aber nicht nur die Autofahrer. Immer mehr Cockpits lassen sich nur noch über digitale Menüs steuern. Je nach Auto ist derselbe Bedienvorgang kompliziert oder einfach. Das zeigten auch die Tests: Bei einzelnen Aufgaben konnten durch eine besser gestaltete Bedienung bis zu drei Sekunden Blickabwendungszeit eingespart werden.
«Das Cockpit selbst ist zu einem Bildschirm geworden, der mit der Strasse um die Aufmerksamkeit des Fahrers konkurriert», sagt Allianz-Manager Klaus-Peter Röhler. «Aber ein Auto ist kein Smartphone. Wenn es um Sicherheit geht, muss Design der Funktion folgen.»
Knöpfe kehren zurück
Zwar werden Autos dank moderner Technologie immer sicherer. Doch die Touchscreens machen einen Teil dieses Fortschritts wieder zunichte. Viele Autofahrer wollen wieder echte Knöpfe zurück. Das zeigen jeweils die Reaktionen der Blick-Community unter entsprechenden Artikeln deutlich. Und auch bei manchen Herstellern scheinen analoge Bedienelemente wieder im Kommen zu sein. So bauen VW und Co. in ersten Modellen wieder spürbare Tasten ein.
Die Allianz fordert Verbesserungen bei der Bedienung: Sicherheitskritische Funktionen wie Scheibenwischer, Blinker oder Abblend- und Fernlicht müssten schnell und intuitiv erreichbar sein, sagt der Versicherer. Dabei wichtig: Diese Bedienelemente sollten über Knöpfe oder klar definierte, ständig sichtbare Bereiche auf dem Touchscreen permanent verfügbar sein.