Manchmal braucht es einen Kran, manchmal einen Helikopter und manchmal muss sogar eine Brücke weichen. Wenn Tiere in der Schweiz in Not geraten, sind Einfallsreichtum und Teamarbeit gefragt. Denn ein verängstigtes Pferd lässt sich nicht einfach aus einem Bach ziehen, und ein Rind in einer Felsspalte ist alles andere als leicht zu bergen.
Diese fünf Einsätze zeigen, wie spektakulär Tierrettungen werden können
Drei Tage vermisst: Rind steckt in einer Felshöhle fest
Drei Tage lang fehlt von einem Rind am Hohgant im Berner Oberland jede Spur. Dann hört sein Besitzer plötzlich Glockengeräusche. Das Tier lebt! Es steckt in einer sogenannten Gletschermühle fest, einer schachtartigen Vertiefung im Fels. Rund vier Meter unterhalb eines Felsvorsprungs ist es gefangen.
Die Feuerwehr wird alarmiert. Gemeinsam mit der Helikoptercrew von Air Glaciers organisieren die Retter die Bergung. Das Rind muss aus der engen Vertiefung nach oben gezogen werden. Eine heikle Aktion im unwegsamen Gelände. Doch sie gelingt: Das Tier übersteht das Abenteuer im Juli 2019 mit leichten Schürfwunden. Nach drei Tagen Ungewissheit kann es zurück in den Stall.
700 Kilo im Morast: Pferd kann sich nicht mehr befreien
Ein Ausflug im Simmental wird zum Albtraum. Oberhalb von Därstetten BE gerät ein Pferd in steilem Gelände in Schwierigkeiten. Der rund 700 Kilogramm schwere Vierbeiner steckt im Morast fest und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien.
Die Rega rückt aus. Im schwierigen Gelände ist die Bergung eine Herausforderung: Das Tier muss aus seiner misslichen Lage befreit werden, ohne es zusätzlich zu verletzen. Schliesslich gelingt es den Rettern, das Pferd mit dem Helikopter auszufliegen. Das Tier ist erschöpft und etwas unterkühlt, bleibt aber unverletzt. Für die Retter ist es ein Erfolg: Der schwere Vierbeiner hat wieder festen Boden unter den Hufen.
Laubgebläse gegen Gülle: Kalb aus Jauchegrube gehoben
Ein Kalb in Weiningen ZH büxt aus und gerät in eine lebensgefährliche Lage: Das rund 300 Kilogramm schwere Tier fällt in ein Güllenloch. Die Feuerwehr und die Grosstierrettung rücken an.
Einfach hinuntersteigen und das Kalb herausziehen? Viel zu gefährlich. In einer Jauchegrube können sich giftige Gase sammeln. Deshalb sorgen die Einsatzkräfte zunächst mit einem Laubgebläse für Frischluft. Spezialisten sichern das Kalb mit Gurten, anschliessend kommt ein Kran zum Einsatz.
Nach rund einer Stunde ist die Rettung geschafft. Das völlig mit Gülle bedeckte Kalb wird herausgehoben und von einer Tierärztin untersucht. Kurz darauf steht es wieder im Stall und frisst Heu. Ein ungewöhnlicher Einsatz mit Happy End.
Hirsch in der Falle: Rettung mit der Drehleiter
In Landquart GR entdeckt eine Passantin im Januar 2022 einen Hirsch in einem Wasserkanal. Das Wildtier kommt offenbar nicht mehr selbst heraus. Feuerwehr und Wildhut rücken aus.
Die Retter müssen den erschöpften Hirsch aus dem Kanal heben. Ihre Lösung: eine Autodrehleiter. Mit ihrer Hilfe gelingt es, das Tier vorsichtig aus seiner misslichen Lage zu befreien.
Der Einsatz geht gut aus: Der Hirsch bleibt unverletzt und kann zurück in den Wald. Der Fall zeigt, dass auch Wildtiere in menschengemachten Anlagen in Schwierigkeiten geraten können und dann auf menschliche Hilfe angewiesen sind.
Brücke muss weg: Pferd wird mit Helikopter ausgeflogen
In Baar ZG kommt es im August 2026 zu einem aussergewöhnlichen Einsatz. Ein Pferd stürzt in einen ausgetrockneten Bachlauf unterhalb einer kleinen Brücke. Die Reiterin bleibt unverletzt, doch das Tier sitzt an einer schwer zugänglichen Stelle fest.
Feuerwehr, Grosstierrettung, Polizei und weitere Spezialisten arbeiten zusammen. Damit die Retter zum Pferd gelangen, muss die Brücke vollständig entfernt werden. Doch damit ist die Bergung noch nicht geschafft: Das Tier wird schliesslich mit einem Helikopter ausgeflogen und einer Tierärztin übergeben.
Ein spektakulärer Aufwand für einen Vierbeiner in Not. Der Einsatz zeigt, wie schnell ein Sturz zur Falle werden kann und wie viel Technik nötig ist, um ein grosses Tier sicher zu bergen.
Bei solchen Rettungseinsätzen zählt jede Minute
Ob im Fels, im Morast oder in einer Jauchegrube: Tierrettungen verlangen den Einsatzkräften viel ab. Verängstigte Tiere können sich unkontrolliert bewegen, während schweres Gerät und enge Platzverhältnisse die Bergung erschweren.
Feuerwehren arbeiten deshalb oft mit spezialisierten Grosstierrettungsdiensten und Tierärzten zusammen. Gurte, Kräne, Drehleitern und Helikopter kommen je nach Situation zum Einsatz. Das Ziel ist immer dasselbe: das Tier retten, ohne Mensch oder Tier zusätzlich zu gefährden.
Die fünf Fälle zeigen, was möglich ist, wenn Erfahrung, Teamarbeit und ungewöhnliche Ideen zusammenkommen.