Darum gehts
- Hunde erkennen menschliche Emotionen durch Gesichtsausdrücke, zeigt Wiener Studie
- Glückliche Gesichter aktivieren Belohnungszentrum im Gehirn der Hunde
- Insgesamt 20 Hunde untersucht, vor allem Border Collies und Retriever
Wer mit einem Hund zusammenlebt, kennt den Eindruck: Ein kurzer Blick scheint zu genügen, und der Vierbeiner merkt, wie es seinem Menschen geht. Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass tatsächlich mehr dahinterstecken könnte.
Forschende der Universität Wien untersuchten, wie Hunde auf menschliche Gesichtsausdrücke reagieren. Dafür zeigten sie den Tieren Fotos von Menschen mit unterschiedlichen Emotionen und zeichneten gleichzeitig deren Gehirnaktivität mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) auf.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal «iScience» veröffentlicht. Sie zeigen: Hunde können zwischen verschiedenen menschlichen Gesichtsausdrücken unterscheiden. Besonders deutlich war die Reaktion auf glückliche Gesichter.
Glückliche Gesichter lösen besondere Reaktion aus
In einem ersten Versuch wurden acht Hunde mit Fotos unbekannter Menschen konfrontiert. Die Personen auf den Bildern zeigten entweder einen neutralen oder einen glücklichen Gesichtsausdruck.
Bei den glücklichen Gesichtern zeigte sich eine stärkere Aktivität in einem Bereich der rechten Gehirnhälfte, der bis in den Temporallappen reicht. Dazu gehört auch der Nucleus caudatus , ein Teil des Gehirns, der mit dem Belohnungssystem verbunden ist.
Das ist für die Forschenden besonders interessant: Die Reaktion könnte darauf hindeuten, dass ein glücklicher Gesichtsausdruck für Hunde nicht einfach nur ein visuelles Signal ist, sondern für sie eine positive emotionale Bedeutung hat.
Auch Angst, Wut und Trauer unterscheiden sich
In einem zweiten Experiment wurden zwölf Hunde untersucht. Sie sahen Fotos von Menschen mit vier verschiedenen Gesichtsausdrücken: Freude, Wut, Angst und Trauer.
Die Auswertung der Hirnaktivität zeigte, dass die Hunde positive und negative Gesichtsausdrücke unterscheiden konnten. Noch bemerkenswerter: Die Muster der Gehirnaktivität unterschieden sich auch bei bestimmten negativen Emotionen.
So liessen sich Angst und Wut beziehungsweise Angst und Trauer voneinander unterscheiden. Zwischen Wut und Trauer zeigte sich dagegen kein entsprechender Unterschied. Nach Angaben der Forschenden handelt es sich damit um den ersten Nachweis, dass Hunde anhand menschlicher Gesichtsausdrücke zwischen zwei verschiedenen negativen Emotionen unterscheiden können.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Hunde Gefühle genauso verstehen wie Menschen. Die Studie zeigt zunächst, dass unterschiedliche Gesichtsausdrücke im Hundegehirn unterschiedliche Aktivitätsmuster auslösen können.
Hunde lesen nicht nur unser Gesicht
Im Alltag bekommen Hunde zudem deutlich mehr Informationen als nur die Mimik ihres Gegenübers. Körperhaltung, Stimme und Geruch können ebenfalls Hinweise darauf geben, wie ein Mensch gerade gestimmt ist.
Die Forschenden weisen deshalb darauf hin, dass die Untersuchung nur einen Teil der Kommunikation zwischen Mensch und Hund abbildet. Gezeigt wurden den Tieren zudem nur Fotos, keine realen Begegnungen mit Menschen.
Kleine Studie, vor allem mit Border Collies
Auch bei der Übertragbarkeit der Ergebnisse gibt es Einschränkungen. Die Zahl der untersuchten Tiere war klein. Im zweiten Experiment waren es zwölf Hunde, im ersten acht.
Zudem stammten die Tiere aus Familien und waren damit an das Zusammenleben mit Menschen gewöhnt. Unter den Hunden waren vor allem Border Collies, daneben auch Golden Retriever, ein Labrador und ein Mischling. Ob Hunde anderer Rassen oder Tiere mit einem anderen Hintergrund menschliche Gesichtsausdrücke genauso verarbeiten, lässt sich aus der Studie deshalb nicht ableiten.
Die Forschenden selbst betonen, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, Hunde würden menschliche Emotionen auf dieselbe Weise bewerten wie wir.
Was die Studie über die Beziehung zwischen Hund und Mensch zeigt
Trotz dieser Einschränkungen liefert die Untersuchung einen weiteren Hinweis darauf, wie eng Hunde auf menschliche Signale reagieren. Die Fähigkeit dürfte mit der langen gemeinsamen Geschichte von Mensch und Hund zusammenhängen.
Anders als bei Primaten gehen Mensch und Hund dabei nicht auf einen gemeinsamen evolutionären Vorfahren zurück. Stattdessen hat die Domestizierung Hunde über viele Generationen hinweg auf das Zusammenleben und die Zusammenarbeit mit Menschen geprägt.
Die neue Untersuchung zeigt nun auf Ebene der Gehirnaktivität, wie sensibel Hunde offenbar für unsere Gesichtsausdrücke sind. Vor allem ein glückliches Gesicht scheint dabei für sie eine besondere Bedeutung zu haben. Wer also das nächste Mal einem Hund begegnet, darf ruhig freundlich lächeln. Denn vielleicht versteht der Vierbeiner ja tatsächlich mehr davon, als wir denken.