Rüebli für strahlende Haut?
So wirkt der Beauty-Hype um Rüeblisaft

Erst Sellerie, dann Aronia, jetzt Rüebli: Die Menschen auf Social Media fahren auf Säfte ab. Das Versprechen diesmal? Strahlende Haut. Lifestyle-Journalistin Vanessa Nyfeler wollte wissen, ob das stimmt.
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Die Social-Media-Community schwört auf den Saft aus Rüebli, Sellerie, Ananas, Zitrone, Ingwer und einem Schuss Olivenöl.
Foto: PAUL_SEEWER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Rüeblisaft-Experiment über zwei Wochen: Hautpflege und Social-Media-Hype getestet
  • Betacarotin sorgt für Hautverfärbung, schützt aber vor UV-Strahlung
  • 250 ml täglich empfohlen, ab 10 Tagen messbare Blutveränderungen sichtbar

Wenn ein Getränk schöne Haut verspricht, bin ich leicht zu überzeugen. Also starte ich mein eigenes Beautyexperiment: zwei Wochen, jeden Tag ein Glas Rüeblisaft.

Mein erster Reality-Check kommt schneller als der versprochene Glow. Für ein einziges Glas verschwinden über ein halbes Kilo Rüebli in meiner Saftpresse. Noch erstaunlicher: wie lange ich danach brauche, um das Ding wieder sauber zu bekommen. «Wäre es nicht einfacher, die Rüebli roh zu essen?», frage ich mich, während ich Reste aus der Maschine kratze. Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Brombach von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ordnet ein: «Für den Körper wäre es besser, denn beim Pressen gehen wertvolle Nahrungsfasern verloren.» Der Saft punktet dafür mit Bequemlichkeit: «Die Menge, die in einem Glas steckt, würde man in Form von Rüebli kaum auf einmal essen können.»

Redaktorin Vanessa Nyfeler setzt auf Lebensmittel, die dem Hautbild guttun, und nimmt den Social-Media-Hype um Rüeblisaft unter die Lupe.
Foto: PAUL_SEEWER

Der erste Schluck ist ... sagen wir es so: gewöhnungsbedürftig. Mit Eiswürfeln aber deutlich besser. Brombach rät zu maximal 250 Millilitern pro Tag. Aber: Die Menge kann die Verdauung ankurbeln, warnt die Zürcher Ernährungswissenschaftlerin. (Spoiler: tut sie!)

Woher soll dieser sogenannte Glow kommen? Der Star im Rüebli heisst Betacarotin. Der Pflanzenfarbstoff gehört zu den Carotinoiden und kann sich im Gewebe einlagern und der Haut mit der Zeit einen gelblich-bräunlichen Ton verleihen. Brombach versichert, dass die Verfärbung harmlos ist. Als Antioxidans schützt Betacarotin zudem die Hautzellen vor schädlichen Einflüssen wie UV-Strahlung oder Umweltbelastungen.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Blick+ Nutzer haben exklusiv Zugriff im Rahmen ihres Abonnements. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

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Ist der «Glow» in Wahrheit also einfach ein leicht gebräunter Teint? Nicht ganz, sagt die Kosmetikexpertin Petra Huber von der ZHAW. Das erstrebenswerte Strahlen sei vielmehr das Zusammenspiel aus einem ebenmässigen Hautbild und der eigenen Ausstrahlung. «Unbewusst verbinden wir ein ebenmässiges Hautbild mit Gesundheit und nehmen es dadurch als attraktiv wahr.»

Am Tag drei des Experiments werde ich pragmatisch. Jeden Morgen entsaften? Unrealistisch. Also überlasse ich die Arbeit den Profis und bestelle mir in der Saftbar Aisha Potters Signature-Drink, das Original meines Selbstexperiments.

Neben Rüebli landen Ananas, Sellerie, Zitrone, Ingwer und ein Schuss Olivenöl im Becher. Die Ananas hilft laut Huber dank des enthaltenen Enzyms Bromelain unter anderem bei der Aufnahme im Darm. Und mein höchst unwissenschaftlicher Geschmackstest sagt: schmeckt auch besser. Noch wichtiger ist das Olivenöl. Carotinoide sind fettlöslich, der Körper kann sie mit etwas Fett also besser aufnehmen.

Sehe ich nach wenigen Tagen anders aus? Nein. Fühle ich mich anders? Absolut. Mit meinem Saft in der Hand durch Zürich zu schlendern, vermittelt mir erstaunlich zuverlässig das Gefühl, mein Leben im Griff zu haben. Der Becher wird quasi zum Wellnessaccessoire.

Vielleicht erklärt das den Safthype: Selfcare soll heute nicht nur guttun, sondern auch gut aussehen. Huber spricht zudem vom Placeboeffekt: «Wer meint, sich etwas Gutes zu tun, fühlt sich oft tatsächlich besser.» Und das sei schliesslich auch ein positiver Effekt.

Doch der Rüebli-Glow spielt sich nicht nur im Kopf ab. Carotinoide reichern sich bei regelmässiger Einnahme nach und nach im Körper an. Im Blut lassen sich Veränderungen nach rund zehn Tagen messen, in der Haut erst einige Wochen später. «Ein leicht veränderter Teint kann je nach Dosis und Hauttyp ab der zweiten bis vierten Woche sichtbar werden», so Huber.

Am Tag sechs schaue ich in den Spiegel und denke: Heute sehe ich wirklich glowy aus. Wirken die flüssigen Vitaminbomben etwa schon? Oder ist es doch die Sonnencreme unter dem Make-up, an die ich ausnahmsweise mal wieder gedacht habe? Einen sonnencremefreien Tag später folgt die Bestätigung: Ein Teamkollege schaut mich an und fragt, ob ich «im Gesicht etwas habe machen lassen» oder «verliebt sei». Ich würde so strahlen. Weder noch! Es müssen die Rüebli sein.

Nach zwei Wochen bin ich tatsächlich Fan des orangefarbenen Durstlöschers. Kein Superfan, aber Fan genug, um dranzubleiben. Aus kosmetischer Sicht hat Rüeblisaft durchaus Potenzial, ernährungswissenschaftlich ist die Sache etwas weniger glamourös.

Werde ich also ab jetzt jeden Morgen kiloweise Rüebli entsaften? Sicher nicht. Aber zwischendurch einen Rüeblisaft statt einen Iced Latte bestellen? Definitiv. Denn ob der Glow nun von Betacarotin, Placeboeffekt oder guter Laune kommt: Auf den Geschmack bin ich auf jeden Fall gekommen. Praktisch, denn der nächste Trend wird vermutlich schon längst durch die Saftpresse gejagt.

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