Wissenschaftlich erklärt
Deshalb kann man mit Chipsessen nicht aufhören

Eine Packung Chips zu öffnen und nur eine kleine Menge zu essen, ist für viele unmöglich. Woher kommt dieser Drang, immer mehr Chips essen zu wollen? Eine Ernährungswissenschaftlerin erklärt es.
Publiziert: 22.01.2023 um 13:19 Uhr
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Aktualisiert: 23.01.2023 um 14:47 Uhr
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Chips sind fein – und machen süchtig.
Elodie Maître-Arnaud

Nur eine Handvoll. Noch eine. Noch drei Chips und ich höre auf! Kurze Zeit später ist die Packung leer. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Muriel Clarisse (47), Ernährungsberaterin und Leiterin des Bereichs ambulante Beratung in der Abteilung für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel des Universitätsspitals Waadt, hat eine Erklärung für das Phänomen. «Chips haben einen hohen Wert an Aroma und verleiten deshalb aus rein genussorientierten Gründen dazu, mehr davon zu essen.»

Verantwortlich dafür ist unser Gehirn. Denn es ist süchtig nach Dopamin. Und Chips lösen einen Dopamin-Rush aus. Chips schmecken fein und aktivieren so die Nervenbahnen, die dann die Produktion des Glücks-hormons Dopamin auslösen. Das Hochgefühl kann zu einer Art Sucht werden. Daraus resultiert wiederum das unkontrollierbare Verlangen, Chips zu essen. Dabei ist die Zusammensetzung der Chips essenziell, wie Clarisse sagt: «Sie kann die physiologischen Sättigungsmechanismen umgehen und das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren.»

Nicht nur Chips sind Übeltäter

Das Verlangen nach Genuss kann dann süchtig machen, erklärt Clarisse. Auch Guetzli, Glacé, Pommes oder eine Schale Erdnüsse können das gleiche Gefühl auslösen. Auffallend: Alle genannten Lebensmittel sind reich an Fett, Zucker und/oder Salz, also an Geschmacksträgern, die dem grössten Teil der Bevölkerung schmecken.

Der Verzehr von Pommes-Chips geht somit über den physiologischen Hunger hinaus und befriedigt ein Bedürfnis, bei dem das Vergnügen und der Geschmack im Vordergrund stehen. Aber das ist noch nicht alles. Chips sehen zwar sehr appetitlich aus, haben aber wegen ihrer Nährstoffzusammensetzung auch einen schlechten Sättigungseffekt. Zudem enthalten Chips sehr viele Kalorien, was vor allem auf den hohen Fettgehalt und das Fehlen von Ballaststoffen zurückzuführen ist.

Dadurch wird das Sättigungsgefühl gestört. Dieses Gefühl wird normalerweise verspürt, wenn genug nahrhafte Nahrung gegessen wurde. «Durch das Austricksen dieses Gefühls wird es möglich, ohne Hunger und ohne Ende weiter Chips zu essen», sagt Muriel Clarisse.

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Keine echte Sucht

Dennoch könne das Essen von Chips nicht mit einer echten Sucht verglichen werden. Denn die Schwierigkeit, eine Packung Chips nicht aufzuessen, hat glücklicherweise nicht viel mit dem Entzug von Drogen, Tabak oder Alkohol zu tun. «Von Sucht spricht man, wenn der Akt des Essens zwanghaft und unkontrollierbar wird und wenn erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um dieses unwiderstehliche Bedürfnis zu befriedigen», fügt die Expertin hinzu. Hierbei handelt es sich um eine sehr ernst zu nehmende Krankheit, die nicht mit dem punktuellen Verlangen nach Chips vergleichbar ist.

Regelmässig viel Chips zu essen, ist also schlecht für die Gesundheit, man nimmt schnell an Gewicht zu, da die Chips Nährstoffarm sind. Sollten wir sie also einfach weglassen? «Auf keinen Fall», antwortet die Ernährungsberaterin. Sie erinnert daran, dass der Genuss beim Essen wichtig ist und dass Verbote das Verlangen nach Chips oder anderen Snacks nur noch steigern würden. «Sich dagegen zu wehren, wird immer schwieriger und führt nur dazu, dass man noch zwanghafter isst, wenn es einen überkommt.»

Tipps von der Expertin

Doch die Expertin hat einige Tipps, um in Zukunft vernünftiger Chips zu geniessen. «Als Erstes sollte vermieden werden, grosse Mengen an Chips zu kaufen.» Sie empfiehlt auch, zu Hause keinen Vorrat anzulegen, sondern nur gelegentlich welche zu kaufen, wenn man Lust dazu hat. «Man sollte sie nicht kaufen, weil sie gerade in Aktion sind.» Ausserdem sollte man Chips nicht aus der Packung essen, sondern eine Portion in einer Schüssel oder auf einem Teller anrichten. Die Tüte sollte danach im Schrank versorgt werden. Und falls das Schälchen doch wieder gefüllt wird, wissen Sie jetzt, warum Ihr Verlangen nach Chips so gross ist.

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