Wo sind schon wieder die Schlüssel? Wie hiess diese Person noch einmal? Solche kleinen Gedächtnislücken kennt fast jeder. Sie bedeuten deshalb nicht automatisch, dass eine Demenz beginnt.
Trotzdem können Veränderungen, die später mit einer Demenzerkrankung in Zusammenhang stehen, schon Jahre vor den typischen kognitiven Beschwerden auftreten. Darauf weist die US-Internistin Annette Bosworth, bekannt als «Dr. Boz», in einem Gespräch im Podcast «The Diary of a CEO» hin.
Nach ihrer Einschätzung können sich bestimmte Stoffwechselveränderungen bereits zehn bis 15 Jahre vor einer klinischen Demenzdiagnose entwickeln. Besonders im Fokus steht dabei die Insulinresistenz.
Was Insulin mit dem Gehirn zu tun hat
Insulin ist vor allem als Hormon bekannt, das den Blutzucker reguliert. Wird der Körper jedoch zunehmend unempfindlich gegenüber Insulin, spricht man von einer Insulinresistenz. Sie kann unter anderem der Vorstufe von Typ-2-Diabetes vorausgehen.
Auch für das Gehirn spielt der Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Forschungen bringen Stoffwechselstörungen, Diabetes und Insulinresistenz mit einem erhöhten Risiko für kognitive Einschränkungen und Demenz in Verbindung.
Das bedeutet allerdings nicht: Wer insulinresistent ist, bekommt zwangsläufig Demenz. Insulinresistenz ist kein Beweis für eine spätere Erkrankung und kann auch aus anderen Gründen auftreten.
Warum das Thema trotzdem wichtig ist
Typ-2-Diabetes gilt als Risikofaktor für Demenz. Dabei spielen vermutlich mehrere Mechanismen zusammen. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann Blutgefässe schädigen und damit auch die Versorgung des Gehirns beeinträchtigen. Zudem treten bei Diabetes häufiger weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht auf.
Auch die Weltgesundheitsorganisation zählt die Behandlung von Erkrankungen und Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sind, zu den wichtigen Ansätzen der Demenzprävention.
Der Gedanke dahinter ist deshalb interessant: Wer sich bereits in der Lebensmitte um Stoffwechsel, Blutdruck, Bewegung und Ernährung kümmert, tut damit nicht nur etwas für Herz und Gefässe, sondern möglicherweise auch für die langfristige Gehirngesundheit.
Diese Anzeichen sollte man ernst nehmen
Ein einzelner vergessener Name oder eine verlegte Brille ist noch kein Grund zur Sorge. Auffälliger sind Veränderungen, die regelmässig auftreten und den Alltag zunehmend beeinträchtigen.
Dazu gehören beispielsweise:
- wiederholtes Vergessen wichtiger Informationen
- Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben, die früher problemlos funktioniert haben
- Probleme beim Planen oder Lösen von einfachen Aufgaben
- auffällige Veränderungen bei Sprache oder Orientierung
- zunehmende Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden
- deutliche Veränderungen von Verhalten oder Persönlichkeit
Wichtig ist dabei nicht ein einzelner Moment, sondern das Muster über längere Zeit.
Demenz ist keine normale Alterserscheinung
Mit zunehmendem Alter kann sich die Gedächtnisleistung zwar verändern. Eine Demenz geht jedoch deutlich darüber hinaus: Die geistigen Fähigkeiten nehmen so stark ab, dass der Alltag beeinträchtigt wird.
Deshalb sollte man anhaltende Veränderungen nicht einfach als «Altersvergesslichkeit» abtun. Wer bei sich selbst oder einem Angehörigen über längere Zeit deutliche Veränderungen bei Gedächtnis, Orientierung, Sprache oder Verhalten bemerkt, sollte dies ärztlich abklären lassen.
Eine Insulinresistenz oder ein erhöhter Blutzucker wiederum lässt sich ebenfalls medizinisch untersuchen und behandeln. Gerade weil Stoffwechselgesundheit und Gehirngesundheit miteinander verbunden sein können, lohnt es sich, bekannte Risikofaktoren frühzeitig ernst zu nehmen.
Wichtig: Die Aussage, dass Insulinresistenz bereits 10 bis 15 Jahre vor einer Demenz «den ersten Hinweis» darstellt, ist die Einschätzung von Dr. Bosworth und keine etablierte Methode zur Vorhersage einer Demenzerkrankung. Die Forschung zeigt einen Zusammenhang zwischen Stoffwechselerkrankungen und Demenzrisiko, aber daraus lässt sich für eine einzelne Person keine Demenzdiagnose ableiten.
Dieser Artikel erschien erstmals auf zena.blic.rs, dem Lifestyle-Portal des serbischen Mediums Blic, das zur internationalen Ringier-Gruppe gehört.