Darum gehts
- Moderne Hormonersatztherapie bietet gesundheitliche Vorteile, wenn sie richtig durchgeführt wird
- Studien zeigen: Bioidentische Hormone erhöhen das Brustkrebsrisiko nicht signifikant
- Schwedische Studie 2022: HET-Anwenderinnen sterben halb so oft an Covid-19
Ich war überzeugt: Meine Hormone und ich – das läuft perfekt! Seit 20 Jahren nutze ich morgens Östrogen-Gel, abends zwei Wochen im Monat 100 mg Progesteron. Keine Hitzewallungen, kein Stimmungstief, kein Gramm zu viel. Ich fühlte mich fit, stabil, lebendig – fast wie mit 35.
Doch dann kam der Schock. Beim Schreiben meines Buchkapitels über Hormonersatztherapie (HET) stiess ich auf alarmierende Schlagzeilen: «Hormonersatz erhöht Brustkrebsrisiko», stand in «The Lancet» und im «Deutschen Ärzteblatt». Besonders gefährdet seien Frauen, die früh beginnen, schlank sind und beide Hormone nehmen. Genau ich! Panik. War ich all die Jahre einem gefährlichen Irrtum aufgesessen?
Nina Ruge (69) ist Gründerin der Firma staYoung und Wissenschaftsjournalistin mit Schwerpunkt gesunde Langlebigkeit. Zuvor moderierte sie Formate wie das «heute journal» und «Leute heute» im ZDF. Sie hat mehrere «Spiegel»-Bestseller zur Zellbiologie des Alterns veröffentlicht und betreibt den Podcast «staYoung». Für ihr soziales Engagement wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
Nina Ruge (69) ist Gründerin der Firma staYoung und Wissenschaftsjournalistin mit Schwerpunkt gesunde Langlebigkeit. Zuvor moderierte sie Formate wie das «heute journal» und «Leute heute» im ZDF. Sie hat mehrere «Spiegel»-Bestseller zur Zellbiologie des Alterns veröffentlicht und betreibt den Podcast «staYoung». Für ihr soziales Engagement wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
Ich sprach mit renommierten Hormonexperten, las neue Studien – und siehe da: Die «beängstigenden Daten» stammten aus den 80er- und 90er-Jahren. Damals bekamen Frauen in den USA Östrogene aus Stutenurin, in hohen Dosen, ohne jede Blutuntersuchung – oft erst mit Anfang 60! Kein Wunder, dass die Ergebnisse verzerrt waren. Heute gilt diese Studienlage als veraltet und fehlerhaft. Mehr als 1000 wissenschaftliche Arbeiten haben das längst belegt.
Hormontherapie heute – ganz anders!
Eine moderne Hormonersatztherapie ist kein Tabu mehr, sondern kann ein echter Gesundheitsgewinn sein – wenn sie richtig durchgeführt wird. Die drei goldenen Regeln:
- Früh starten – am besten mit Beginn der Menopause
- Niedrig dosieren – individuell abgestimmt
- Bioidentische Hormone, die chemisch exakt unseren körpereigenen entsprechen – diese Präparate werden zwar synthetisch hergestellt, wirken aber natürlich
Wichtig ist zudem, dass der Hormonstatus einmal im Jahr überprüft wird. Für Frauen mit Brustkrebstherapie ist die Hormonersatztherapie nach wie vor ein No-Go.
Ein gesünderes Leben beginnt im Kopf. Das belegen diverse Studien. Genau hier setzt der Longevity-Navigator an. Über zehn Wochen hinweg erhältst du wöchentlich Impulse und Hintergründe, wie du mit dem richtigen Mindset dein Wohlbefinden stärkst. Dazu gibt es praktische Alltagstipps, die nachhaltige Veränderungen ermöglichen – unterstützt vom Healthy Longevity Center der Universität Zürich.
Ein gesünderes Leben beginnt im Kopf. Das belegen diverse Studien. Genau hier setzt der Longevity-Navigator an. Über zehn Wochen hinweg erhältst du wöchentlich Impulse und Hintergründe, wie du mit dem richtigen Mindset dein Wohlbefinden stärkst. Dazu gibt es praktische Alltagstipps, die nachhaltige Veränderungen ermöglichen – unterstützt vom Healthy Longevity Center der Universität Zürich.
Schützt vor Krankheit – und hält jung
Die Hormonersatztherapie ist längst mehr als Hilfe gegen Hitzewallungen. Sexualhormone schützen auch das Immunsystem. Eine grosse schwedische Studie (2022) zeigte: Frauen mit Hormontherapie starben nur halb so häufig an Covid-19 wie Frauen ohne.
Die Therapie hält nicht nur die Abwehr jung – auch Haut, Haare, Muskeln, Knochen und Gehirn profitieren. Sie stärkt Herz, Kreislauf und Stoffwechsel, beugt Osteoporose und Diabetes vor – und hilft, die geistige Frische zu bewahren.
Und das Brustkrebsrisiko?
Neueste Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine individuell abgestimmte, bioidentische Hormonersatztherapie das Brustkrebsrisiko nicht erhöht. Manche Forscher vermuten sogar einen leichten Schutzeffekt. So teilte die US-Arzneimittelbehörde FDA erst kürzlich mit, dass der vermeintliche Zusammenhang zwischen Hormonersatztherapie und Brustkrebs in der ursprünglichen Studie falsch interpretiert wurde. Infolgedessen hebt die US-Behörde die frühere Warnung vor Brustkrebs bei der Hormonersatztherapie nach 20 Jahren auf – und spricht gar von einem der grössten Fehler in der modernen Medizin.
Ganz vom Tisch ist die Diskussion nicht – ein minimales Restrisiko bleibt. Doch ich habe entschieden: Ich mache weiter. Lieber ein leichtes Risiko – als die vielen anderen, die ich mit Hormonmangel sicher hätte.
Mein Fazit
Hormontherapie ist kein Glaubenskrieg, sondern eine individuelle medizinische Entscheidung. Wer früh beginnt, richtig dosiert und sich regelmässig kontrollieren lässt, kann von der HET in jeder Hinsicht profitieren – körperlich, geistig und seelisch. Denn Hand aufs Herz: Wenn wir 90 werden – wollen wir wirklich 40 Jahre ohne unsere wichtigsten Hormone leben?