Der Kindergartenstart ist für Kinder ein grosser Schritt. Plötzlich sind sie mehrere Stunden ohne ihre Eltern, müssen sich in einer Gruppe zurechtfinden und viele Dinge selbständig erledigen. Dafür braucht es aber kein teures Lernspielzeug und kein tägliches Übungsprogramm. Oft reichen ein paar Minuten im Alltag und Dinge, die ohnehin zu Hause herumliegen. Beim Schneiden, Malen, Kneten, Aufräumen oder Anziehen lassen sich wichtige Fähigkeiten ganz spielerisch trainieren. Wichtig: Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Die folgenden Ideen sind deshalb keine Prüfung und keine Liste, die dein Kind bis zum Kindergartenstart perfekt beherrschen muss.
Mit der Schere schneiden
Schneiden ist eine gute Übung für die Feinmotorik. Lass dein Kind zunächst weiche Materialien wie Knete oder Strohhalme zerschneiden. Später kann es kurze Streifen aus Papier schneiden. Danach werden die Aufgaben schwieriger: gerade Linien, Wellen oder einfache Formen wie Kreise und Quadrate.
Tipp: Dickere Pappe lässt sich für Anfänger oft leichter schneiden als dünnes Papier.
Linien und Formen malen
Auch beim Zeichnen lässt sich ganz nebenbei üben. Lass dein Kind zunächst horizontale und vertikale Linien nachzeichnen. Später kommen Kreise, Wellen, einfache Formen oder das Verbinden von Punkten dazu. Besonders praktisch: Male auf einer Tafel, einem Blatt Papier oder einer abwischbaren Fläche – und lass dein Kind deine Formen nachmachen.
Die Finger trainieren
Fürs Zeichnen, Basteln und später auch fürs Schreiben braucht es geschickte Finger. Dafür eignen sich ganz einfache Spiele: Wäscheklammern an eine Schnur hängen, kleine Gegenstände mit einer Pinzette sortieren, Knete rollen und formen oder Türme aus Bauklötzen bauen. Auch das Sortieren von Gegenständen nach Farben oder Formen trainiert die Feinmotorik, ohne dass es sich nach Lernen anfühlt.
Mit Knete spielen
Knete ist ein echter Allrounder. Dein Kind kann Kugeln, Würste oder Figuren formen und später kompliziertere Formen ausprobieren. Für ältere Kinder wird daraus beispielsweise ein Buchstabe oder der eigene Name. Dabei werden Fingerkraft und Koordination trainiert – und gleichzeitig entstehen kleine Kunstwerke.
Verlieren lernen
Im Kindergarten muss ein Kind auch warten, teilen und sich an Regeln halten. Das lässt sich zu Hause mit einfachen Gesellschaftsspielen üben. Besonders wichtig ist dabei nicht, wer gewinnt, sondern dass dein Kind abwarten und verlieren lernen darf. Auch beim gemeinsamen Spielen kannst du bewusst abwechseln: «Jetzt bist du dran, danach bin ich dran.»
Aufräumen gehört dazu
Eine wichtige Fähigkeit wird leicht vergessen: Dinge selbständig wieder wegzuräumen. Mach daraus ein Spiel. Wer schafft es, die Bauklötze am schnellsten in die Kiste zu bringen? Oder: Kann dein Kind alle Autos an ihren Platz stellen? Mit zunehmendem Alter kann die Aufgabe grösser werden.
Ein paar Minuten dranbleiben
Im Kindergarten kann nicht jede Aktivität nach wenigen Sekunden gewechselt werden. Deshalb kannst du zu Hause spielerisch üben, eine Sache kurz zu Ende zu bringen. Ein Puzzle, eine kleine Bastelaufgabe oder ein Bauwerk eignen sich dafür. Dabei geht es nicht darum, dein Kind möglichst lange still sitzen zu lassen. Schon wenige konzentrierte Minuten sind für jüngere Kinder eine gute Übung.
Um Hilfe bitten
Selbständig zu sein bedeutet nicht, alles allein schaffen zu müssen. Übe mit deinem Kind deshalb einen einfachen Satz: «Kannst du mir bitte helfen?» Das ist gerade im Kindergarten wichtig. Wenn etwas nicht funktioniert, sollte das Kind wissen, dass es sich an eine erwachsene Person wenden darf.
An- und Ausziehen üben
Im Kindergarten muss vieles plötzlich ohne Mama oder Papa funktionieren. Lass dein Kind deshalb möglichst viel selbst ausprobieren: Schuhe an- und ausziehen, die Jacke öffnen und schliessen, die Hose hoch- und runterziehen, Hände waschen, aufs WC gehen, aus einem Becher trinken und mit Löffel und Gabel essen.
Wenn etwas länger dauert, ist Geduld gefragt. Ein Kind braucht oft länger, wenn es etwas selbst macht – dafür wird es mit jedem Versuch sicherer.
Alltag statt Lernprogramm
Die beste Vorbereitung findet oft ganz nebenbei statt. Lass dein Kind beim Tischdecken helfen, Obst schneiden, Wäscheklammern aufhängen oder beim Einkaufen kleine Aufgaben übernehmen. Auch beim gemeinsamen Kochen lassen sich Farben, Formen, Mengen und Sprache spielerisch üben. Und noch etwas ist wichtig: Der Kindergartenstart muss kein Leistungstest sein. Nicht jedes Kind kann vor dem ersten Tag gleich gut schneiden, malen, sich anziehen oder längere Zeit bei einer Aufgabe bleiben. Das Entwicklungstempo ist individuell.
Deshalb gilt: Lieber täglich ein paar Minuten spielerisch üben, als Druck aufzubauen. Was sich nach Spiel anfühlt, bleibt meist auch besser in Erinnerung.
Dieser Artikel erschien erstmals auf Najmama, dem slowakischen Online-Portal für Eltern und Familien. Es gehört zum Medienhaus Ringier.