Vergessene Schätze
Bündner Geheimnisse: Hübsche und seltene Schweizer Vornamen

Auf der Suche nach einem nicht alltäglichen Vornamen für euer Baby? Dann dürften euch diese 27 sehr seltenen Vornamen aus dem rätoromanischen Sprachraum gefallen.
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Auf der Suche nach einem seltenen Babynamen? Das Bündnerland birgt fast vergessene Namens-Schätze.
Foto: Getty Images/Cavan Images RF
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Schweizer Illustrierte

Die Schweiz hat vier Landessprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Wobei Letzteres als einheitliche Sprache gar nicht gelebt existiert.

In den 150 Bündner Bergtälern hat sich die rätoromanische Sprache über die Jahrhunderte nämlich auseinanderentwickelt. Entstanden sind fünf Idiome – Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Putèr und Vallader – mit individueller Literaturtradition, Grammatik und eigenem Vokabular. Als einheitliche Sprache sollte Rumantsch Grischun die Idiome als Behördensprache und bei der Alphabetisierung ablösen, damit konnte sich der Kanton Graubünden jedoch nicht durchsetzen. 

Dennoch bringt die rätoromanische Idiom-Gruppe gemeinsame Nenner zustande. Zum Beispiel bei den rätoromanischen Vornamen. Darunter sind ein paar echt seltene Perlen.

Schöner Kanton, schöne Namen: hier am Lej da Staz.
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Hier eine Auswahl an aussergewöhnlichen Mädchennamen aus dem rätoromanischen Sprachraum:

Barla

Abgeleitet vom weit verbreiteten Barbara ist diese Koseform als eigenständiger Vorname nur ganz selten anzutreffen. Barbara bedeutet «die Fremde». Verwandte Vornamen und auch Baba, Babette, Bibiana, Brablina oder Bigna.

Clelia

Dieser Vorname ist eine Abwandlung des ursprünglich römischen Familiennamens Cloelia. Abgeleitet vom lateinischen «cluēre» (gepriesen werden) wird die Bedeutung des Namens Clelia als «die Gepriesene», «die Bekannte» oder auch «die Ruhmreiche» gelesen. 

Frena

Eine sehr modern tönende Kurzform für Verena, wie dem Mundartwörterbuch Dicziunari Rumantsch Grischun zu entnehmen ist. Abgeleitet vom spätlateinischen «verenas» könnte diesem Namen die Bedeutung «die Glaubwürdige» zugesprochen werden. Allerdings wird Verena auch oft als «die Scheue» oder «die Gottesfürchtige» gedeutet. 

Onna

Anna wird in der rätoromanischen Verkleinerungsform zu Onna: «die Begnadete». Auch Nanina oder Notta als Abwandlungen sind beliebt.

Gada

In der Kürze liegt die Würde. Agata bedeutet «das Gute» – heisst das, die Kurzform Gada meint «das Bessere»?

Leta

Vom lateinischen Laeta abgeleitet hat dieser kurze Mädchenname die schöne Bedeutung «die Fröhliche».

Mierta

Laut Vornamen.de handelt es sich bei diesem Namen nicht um die rätoromanische Variante von Myrtha, sondern um eine Koseform von Emerita. Dieser lateinische Vorname bedeutet «die Würdige» oder «die Vertrauensvolle».

Nesa

«Die Reine», abgeleitet von Agnes. Genauso wie die Namen Neasa, Neisina, Nena (das ist allerdings auch eine Variante von Leina, siehe weiter unten) oder Nescha.

Dorela

Das ist die rätoromanische Bezeichnung für ein Schwarzkehlchen.

Leina

Diese Koseform des Namens Magdalena hat dieselbe Bedeutung wie die Vornamen Lena, Madlaina, Marlena, Marlagna oder Nena: «die Erhabene» oder «die aus Magdala stammende».

Talina

Passend für Weihnachsbabys: Dieser Name bedeutet «die am Geburtstag Christi geborene». Eine Kurzform von Natalia.

Aita

Diese rätoromanische Kurzform des Vornamens Agatha bedeutet «die Gute». Im Estnischen kommt eine weitere Bedeutung dazu: Dort bedeutet Aita «die Helfende».

Nicht nur schöne Namen: Mutter mit Kindern in den Bergen in Soglio, Graubünden.
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Die rätoromanischen Idiome haben auch einzigartige Jungennamen zu bieten. Hier kommmt eine Auswahl von Vornamen, die noch nicht jedem Ohr geläufig sind:

Aluis

Der Ursprung dieses Kurznamens sticht heraus: Ludwig, der «ruhmreiche Kämpfer».

Biet

Dieser aussergewöhnliche Jungenname, der sich bestimmt noch nicht in der Top Ten der bekannten Namen befindet.

Clà

Auch Cla geschrieben, ist dieser Bubenname eine Kurzform von Nikolaus. 

Hercli

Das ist der rätoromanische Kosename des für seine Stärke berühmten griechischen Helden Herakles.

Jos

Das ist nicht nur die rätoromanische, sondern auch die niederländische und luxemburgische Variante des hebräischen Vornamens Josef. 

Giosch

Dieser Bubenname geht vermutlich ebenfalls auf die Namen Josef oder Johannes zurück. 

Liun

In den vergangenen zehn Jahren haben sich Vornamen, die «Löwe» bedeuten in der Schweiz zu absoluten Trendnamen entwickelt. Von Leo über Leon bis Lio. Liun ist die rätoromanische Version davon.

Plasch

Die bekanntere Variante dieses männlichen Vornamens ist Blasius. Die vornehmste Bedeutung erhält dieser Name, wenn man ihn vom altgriechischen «basíleios» ableitet: «der Königliche».

Tias

Das ist wohl einer der seltensten Vornamen überhaupt. Die Namensbedeutung und Ursprung sind nicht eindeutig geklärt. Aufmerksame Ohren stellen jedoch eine Klang-Verwandtschaft mit Matthias fest. 

Uors

Urs, «der Bär», auf Rumantsch.

Zander

Nicht zu verwechseln mit dem Fisch: Das ist die Kurzform von Alexander. 

Die rätoromanischen Idiome haben auch ein paar Unisex-Vornamen zu bieten. Hier unsere vier Favoriten:

Duno

Viele rätoromanische Vornamen haben ihren Ursprung im Keltischen. So auch Duno. Es bedeutet: «Festung».

Juli

Als rätoromanische Variante von Julia funktioniert dieser Name für beide Geschlechter. 

Nene

Geht für Buben wie Mädchen und bedeutet so etwas Ähnliches wie «Kleiner / Kleines». 

Jori

Dieser herzige Name bedeutet «Bauer». Es ist eine Ableitung von Georg oder Georgina. 

Bündner Traditionen am Leben erhalten

Ob Mädchen, Jungen oder unisex: Rätoromanische Vornamen erzählen von alten Wurzeln, starken Bedeutungen und einer Sprachkultur, die trotz ihrer Vielfalt bis heute lebendig ist. Wer seinem Kind einen solchen Namen gibt, entscheidet sich nicht nur für etwas Seltenes, sondern auch für ein Stück Bündner Geschichte – klangvoll, eigenständig und voller Charakter.

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