Antinori! Eine alte florentinische Patrizierfamilie. Hervorgebracht hat das Geschlecht einen Bischof von Triest, einen Opernsänger, einen US-Mafioso, einen Zoologen, einen Physiker, einen argentinischen Judoka (!) – und Wein-Patron Piero Antinori. Die Geschichte des Weinhandels und –baus der Familie geht zurück aufs Jahr 1385, als Giovanni di Piero Antinori den Arte Fiorentina di Vinattieri beitrat, den Florentiner Weinherstellern. Seither, seit 26 Generationen, betreibt die Familie dieses Geschäft.
Heute heisst der Patron wiederum Piero, ist 76-jährig, trägt den Adelstitel eines Marchese und ist Vorsteher der Marchesi Antinori Srl. Bereits 1976 schuf der Marquis mit dem Tignanello einen Wein, der als sogenannter Supertuscan eingestuft wurde. Dazu verschnitt er die klassische Toskaner Traube Sangiovese mit Cabernet Sauvignon – gegen die Bestimmungen des Weinbaugesetztes. Seine Tochter Allegra sagt: «Das hat das Denken im Gebiet revolutioniert. Für uns ist es die Ära, mit der wir emotional am stärksten verbunden sind.» Erst später kamen Sassicaia, Pergole Torte und Solaia hinzu.
Heute bewirtschaften die Antinoris Güter in der Toskana, Piemont, Umbrien, Apulien und in Kalifornien. Der Jahresumsatz beträgt rund 100 Millionen Franken.
Piero Antinori ist stolz auf das Erreichte: «Wir haben bewiesen, dass es möglich ist, in der Toskana international beklatschte, elegante, stylishe Weine zu produzieren, die ihren Original-Charakter behalten haben.»
Nur in den besten Jahren produziert
Solaia. Die Ursprünge gehen auf eine Parzelle innerhalb der Tignanello-Weinberge im Chianti-Classico-Gebiet zurück. Die sonnigste notabene, deshalb auch der Name. Später wurde dieser erweitert, so dass sich die Solaia-Rebberge heute über 20 Hektaren erstrecken. Gepflanzt sind überwiegend Cabernet Sauvignon, dann Sangiovese und Cabernet Franc, Durchschnittsalter der Reben: 15 Jahre.
Allegra zur Geschichte. «Entstanden ist der Wein mehr aus Zufall. 1978 ergab es sich, dass der für den Tignanello benötigte Cabernet Sauvignon derart gut und in einer für den ersten Supertoskaner mehr als ausreichenden Menge vorhanden war, dass mein Vater entschied, 3600 Flaschen Cabernet Sauvignon zu machen.» Mit bescheidenen 20% Cabernet Franc. Ab 1982 wurde auch Sangiovese hineinverschnitten. Solaia wird nur in exzellenten Jahrgängen produziert. So musste der Wein 1980, 1981, 1983, 1984 und 1992 über die Klinge springen. Kein Wein wird ohne die Zustimmung von Piero abgefüllt! Die Familie entscheidet über den Stil. Antinori ist und bleibt eine Family Affair – ohne Kompromisse.
Für Weinmacher Renzo Cotarella sind die Weine nicht so einfach zu verstehen wie jene aus Bolgheri: «Weine aus dem Chianti-Classico-Gebiet sind strenger, haben auch durch den Sangiovese häufig eine höhere Adstringenz. Aber sie vibrieren, werden nervös, ja können gar hysterisch werden. Deshalb war es auch immer das Ziel, sie weicher zu machen, ohne dass das Terrain vernachlässigt wird, das die Weine immer markiert. Die Weine sind ein bisschen scheu. Immer vertikal, nicht horizontal. Man hört nie auf sie neu zu entdecken. Jedes Mal, wenn man sie degustiert, entdeckt man Neues.»
«Die einzige Regel ist unser Gaumen»
Die Jahresproduktion beträgt 60'000 bis 120'000 Flaschen. Letztere Zahl erreichte man man indes nur einmal: im Ausnahmejahr 1997. Wie die Weine in den einzelnen Jahren gemacht werden, ist nicht sakrosankt regel-definiert. Cotarella: «Die einzige Regel ist unser Gaumen! Und: Die Weine brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Diesen Stil wollen wir beibehalten. Wir können uns nicht vorstellen, im Chianti Bolgheri-Weine zu machen.»
Zur Vertikalen. Allegra: «Solche Tastings sind auch für uns eher rar. Wir machen das ein, zwei Mal im Jahr. Das letzte war in New York. Dort mussten wir die Flaschen irgendwie aufstöbern, denn zum Beispiel vom 78er haben wir keine Bouteille mehr. Wir sind Bindella für das Tasting in Zürich dankbar, dass die Familie genügend Flaschen aufbewahrt hat.»
Aufgefallen ist, dass alle Weine immer noch unglaublich jugendlich wirken. Keinem merkt man das Alter an. Herausgestochen sind die Jahrgänge 2004, 2007 und 2010. Zudem haben wir den Tignanello 2011 verkostet. Und einige erschwinglichere Weine von Antinori. Viel Spass!