Pseudo-Lieferdienste boomen
Wie Fake-Bestellungen glücklich machen können

Liefer-Apps ohne Essen: Plattformen wie «FoodNeverComes» geben Nutzern einen Dopamin-Kick durch simulierte Bestellungen. Forscher bestätigen, dass schon die Erwartung einer Belohnung das Gehirn aktiviert.
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Bestellen ohne Lieferung: Der neue «Dopamin»-Trend sorgt in Südkorea für Diskussionen.
Foto: FoodNeverArrives

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Virtuelle Lieferdienste wie «FoodNeverComes» simulieren Bestellungen ohne echte Transaktionen
  • Sie aktivieren das Belohnungssystem durch Auswahl, Erwartung und kleine Glücksmomente
  • Neuroökonom Philippe Tobler: Antizipation wirkt ähnlich belohnend wie reale Erlebnisse
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Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Die Webseiten sehen aus wie normale Lieferdienste: Man scrollt durch Menüs, legt Burger oder Snacks in den Warenkorb und verfolgt sogar eine scheinbare Lieferung. Der Unterschied: Es gibt keine echte Bestellung. Niemand liefert etwas – und bezahlen muss auch niemand. Auch virtuelle «Rauchpausen» gehören dazu. Nutzer können online eine kurze Auszeit simulieren und bekommen das Gefühl, nicht alleine zu sein.

Was steckt dahinter?

«Dopamine Sites» spielen mit dem Belohnungssystem des Gehirns. Schon das Auswählen, Klicken und Warten auf eine Lieferung kann einen kleinen Glücksmoment auslösen – ähnlich wie beim echten Onlineshopping. Die virtuellen Erlebnisse bieten eine kurze Flucht aus Stress, finanziellen Sorgen oder Einsamkeit. Da keine echte Transaktion stattfindet, entsteht auch kein finanzieller Druck und kein späteres schlechtes Gewissen. Einige Nutzer beschreiben es als beruhigend, durch Essen zu stöbern, ohne etwas kaufen zu müssen.

«Ich habe das Projekt zuerst als Witz gestartet»

Die Idee hinter einer dieser Plattformen, FoodNeverComes, stammt vom südkoreanischen Entwickler Malhee. Gegenüber «Fast Company» erklärte er, dass die Idee in einer Nacht entstanden sei, in der er immer wieder Liefer-Apps geöffnet habe. Doch überraschenderweise habe sich ein unerwarteter Effekt gezeigt: Es fühlte sich seltsam befriedigend an, «einfach den Drang zu stillen, etwas zu bestellen – ohne tatsächlich etwas zu bestellen», so der Entwickler.

Man öffnet eine Liefer-App nicht unbedingt aus Hunger, sondern aus Gewohnheit oder Langeweile. «Jeder macht das heutzutage, oder? Nicht, weil man hungrig ist, sondern aus Gewohnheit oder Langeweile. Die Hand öffnet automatisch zuerst die Liefer-App. Diese App soll dieses Muster wenigstens einmal durchbrechen», erklärte Malhee.

Und was sagt die Wissenschaft?

Der Neuroökonom und Sozialneurowissenschaftler Philippe Tobler von der Universität Zürich erklärt, dass solche digitalen Simulationen gezielt das Dopamin- und Belohnungssystem des Gehirns ansprechen: «Auch rein nur vorgestellte Belohnungen können das dopaminerge System aktivieren. Die Antizipation einer Belohnung kann im Gehirn ähnliche Reaktionen auslösen wie die tatsächliche Belohnung.»

Schon das Auswählen eines Gerichts und die Vorstellung, wie es schmeckt, kann positiv wirken. Tobler erklärt sinngemäss weiter: «Die Erwartung einer Belohnung ist bereits selbst belohnend. Auch kleine oder unsichere Belohnungen können motivierend wirken.»

Aufgeregt, dass etwas kommen könnte

Die Parallelen zu anderen digitalen Phänomenen sind deutlich sichtbar. Auch Social Media und Games arbeiten stark mit Erwartung, Zufall und kleinen Belohnungsmomenten. «Auch im Gaming und in sozialen Medien entstehen ähnliche Dopaminreaktionen durch unerwartete oder variable Belohnungen. Gerade diese Unvorhersehbarkeit macht solche Systeme besonders fesselnd.»

Likes, Level-ups oder neue Inhalte funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie die «virtuelle Bestellung». Das Gehirn reagiert stark auf das, was gleich passieren könnte – und nicht nur auf das, was tatsächlich passiert.

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